Beiträge von Lucanouk

    Zitat

    Luca, es gibt noch ein ganz anderes Problem. Hunde mit der kurzkettigen Variante des Serotonintransportergens und einem hohen Testosteronspiegel haben einen hyperaktiven Mandelkern, was zu schnellerer Entwicklung von Angstproblemen führt. Werden diese Rüden kastriert, entwickeln sie weniger schnell Ängste und zeigen sich weniger reaktiv.

    ich sage ja: es kommt IMMER aus den einzelfall an. und es gibt ja immernoch die möglichkeit erst einmal nen chip setzen zu lassen, um die wirkung zu testen. das ist wenigstens reversibel.

    vorteile kastra: verhindern von nachwuchs, krebsprophylaxe bei einer frühkastra der hündin (mammatumore), krebsprophylaxe bei einer frühen kastra des rüden (prostata).

    nachteile: wachstumsprobleme, inkontinenz, muskelabbau, adipositas, schliddrüdenprobleme (und vieles mehr)

    wichtiger jedoch sind hier die auswirkungen auf die hündische psyche.

    hündinnen: unsichere hündinnen können durch die hormonlage nach einer kastration vermehrt auf aggressionen als werkzeug zurückgreifen. war die hündin vorher einfach nur unsicher, heißt es nun "angriff ist die beste verteidigung."

    der grund dafür ist die vermehrte produktion von testosteron.

    auch auffallend: viele kastrierte hündinnen benehmen sich rüpeliger, rüdenhafter. das markierverhalten zeigt sich verstärkt bei frühkastratinnen.

    hierzu gibt es einige studien.

    eine persönliche beobachtung, die ich allerdings mit namenhaften kynologen teile (sie ist nur bisher in keiner mir bekannten studie verifiziert: frühkastratinnen neigen dazu funktionskreise zu vermischen und so unerwartete verhaltensketten zu zeigen (z.b. eine begegnung mit anderen hunden: hund zeigt eine freundliche soziale annäherung und fällt urplötzlich ins beute-fang-verhalten).

    rüden: testosteron wirkt sich bei rüden positiv auf den cortisolspiegel aus, d.h. unkastrierte rüden sidn stressresistenter.

    wird weniger testosteron gebildet, wie z.b. bei frühkastraten, kann das dazu führen, dass sich der betreffende rüde unsicher verhält.

    im klartext: einen unsicheren, prolligen jungrüden zu kastrieren ist sein gesellschaftliches todesurteil. er wird noch unsicherer und wird zudem weder von rüden, noch von hündinnen als rüde aktzeptiert. hündinnen kloppen drauf, weil er wie n weib riecht und rüden klettern aus dem gleichen grund rauf.

    was man auch nicht vergessen darf: einige rüden zeigen verhaltensprobleme, weil sie ihre eigene familie schützen. kastriert man diese, kann es sein, dass sie vermehrt das elternhormon prolaktin ausschütten.

    und so hat man in der situation keine abhilfe geschaffen, im gegenteil: die produktion dieses hormons wird durch die kastration noch begünstigt...der schutz der familie wird nun erst recht verstärkt

    fazit: einen unsicheren hund zu kastrieren bringt eine menge nachteile - besonders für das tier selbst.

    nur weil hund viel action fordert heißt das noch lange nicht, dass er eine permanente bespaßung braucht. im gegenteil: gerade solch quirlige hunde müssen von klein auf lernen, ruhe zu halten, runter zu kommen und nicht der nabel der welt zu sein.

    das ist enorm wichtig.

    gerade ballspiele würde ich bei einem solchen hund ersatzlos streichen.

    und ein spaziergang sollte sich zwischen ner halben udn einer dreviertel stunde befinden.

    Zitat

    Ich würde auch unbedingt einen TA draufgucken lassen, der gleichzeitig Verhaltenstherapeut ist!
    Unabhängig von der Ursache für dieses Verhalten, hat es sich schon so etabliert, dass da ein Experte ranmuss, meiner Meinung nach. Das ist doch so keine Lebensqualität für den Hund. Das Verhalten ist selbstverstärkend, da kommt der Hund nicht alleine wieder raus. Ich kann verstehen, dass du da mit deinem Latein am Ende bist.
    - Und körperliche Ursachen kommen ja auch in Frage, das muss abgeklärt werden. Für die Diagnose wäre aus meiner Sicht das Beste, wenn der TÄ beides "kann", also TÄ ist und Verhaltenstherapeut.

    genau das würde ich auch machen. bei stereotypien hilft in vielen fällen eine medikamentös begleitete verhaltenstherapie.
    und es können auch gesundheitliche probleme in betracht kommen. ich möchte dir keine angst machen, aber es könnten auch schwerwiegende stoffwechselstörungen, sowie hirnprobleme verursacher von solchen verhaltensweisen sein.

    also ist der gang zum tierarzt sehr wichtig. aber eben nicht nur in ohren, maul und augen gucken, sondern wirklich ein rund-um-check.

    und ich muss mich fräulein wolles worten anschließen: bitte fahr dein programm runter. gerade aufputschende bällchenspiele können zu einem solchen suchtverhalten führen.

    besser wäre hier ruhige, konzentrierte nasenarbeit.

    fräuleinwolle: um noch einmal kurz auf die führhunde zu kommen: wie wäre die alternative für die betreffenden mensch-hunde-teams?

    ich bin jetzt nicht komplett anderer meinung als du, jedoch versuche ich gerade das gesamte thema konstruktiv zu erfassen und lösungsorientiert zu denken.

    für mich ist das auch eine schwierige sache: wer sind wir, dass wir ein uns anvertrautem wesen bewusst in gefährliche situationen bringen dürfen, ohne es um erlaubnis fragen zu können? andererseits ist das leben nun einmal gefährlich, auch ein otto-normal-hund kann durch unglückliche umstände durch seinen hundehalter in gefahr geraten.

    andererseits glaube ich, dass die hunde in ihrer bestimmung teilweise enorm aufblühen, was den kurzzeitigen stress/die gefahr eventuell rechtfertigt.
    für einen mali gibt es einfach nichts schöneres, als beute packen zu dürfen, für den bordercollie bedeutet das zusammentreiben der schafe einfach alles und auch der führhund geht in seiner aufgabe enorm auf (wenn nicht die umwelt manchmal so ignorant wäre und den arbeitenden hund in ruhe lassen würde, wäre der stress auch nicht so hoch).

    und letztendlich scheinen rettungshunde, führhunde und diensthunde in der der heutigen zeit immernoch nicht ersetzbar zu sein.

    also, was wäre für alle eine gangbare lösung?

    fräuleinwolle: auch ein blindenführhund hat teilweise einen recht hohen stresspegel. der führhund einer freundin z.b. lebt in berlin-friedrichshain. dieser hund muss einerseits alle anderen hunde beim arbeiten ausblenden (und die flitzen da alle frei durch die gegend) und andererseits friedlich bleiben, wenn er von freilaufenden hunden angegriffen/berammelt wird. glücklicherweise ist er ein freundlicher showlabbi, der sich vieles gefallen lässt. das heißt aber nicht, dass er das alles schön findet.

    er wurde schon mehrmals während der arbeit von anderen hunden attackiert :/

    und im gegensatz zu unseren hunden kann sein frauchen ihn nicht durch blocken schützen, er darf sich aber auch nicht verteidigen. das dilemma im hund kann sich ja jeder vorstellen.

    der rüde ist ein netter, absolut stressresistenter hund, aber trotzdem gibt es situationen, die unglaublich anstrengend für ihn sein können. und so geht es vielen führhunden.

    ich schließe mich mückes meinung an. hier über das forum einen rat zu gebe, fände ich arg fahrlässig.

    es könnte sein, dass sich kalles verhalten verändert hat, weil er wenig einschränkungen erfährt, wenig grenzen gesetzt werden und er somit eine geringen frustrationstoleranz hat. in diesem falle wären räumliche einschränkungen, klare regeln und ersatzkonflikte, in denen kompetentbereiche abgesteckt wären, wichtig. du müsstest dir verschiedene dinge überlegen, die dein hund gerne hätte, dann eine prioritätenliste erstellen (z.b. ist er völlig wild auf futter, spielzeug ist aber noch viel wichtiger, am wichtigsten ist ihm couch und bett) und ihn stück für stück in den geringeren reizlagen einschränken, bis man sich nach oben gearbeitet hat. zusätzlich dazu würde ich mit einer hausleine arbeiten, so wie tromba es schon sehr gut gesagt hat.

    jedoch ist für diese maßnahmen ein trainer unabdingbar, da er sich euch als team anschauen muss. einschränkungen sorgen für frust und wenn ihr nicht souverän genug seid, um mit seinem frustverhalten umzugehen, kann der schuss sehr schnell nach hinten losgehen.

    gleichzeitig wäre hier eine aufgabe für ihn sehr, sehr wichtig. denn wenn du jemanden einschränkst, braucht er ein sinnvolles ventil.

    wo wohnt ihr denn? vielleicht kann hier jemand einen guten trainerrat geben?

    es kann aber auch sein, dass sich das verhalten durch deine schwangerschaft verstärkt und nun eventuell durch den kastrachip noch schlimmer geworden ist. wie tannoz schon erklärt hat, wird das elternhormon prolaktin bei caniden innerhalb der gesamten familie gebildet und bei kastraten wird es verstärkt ausgeschüttet. wenn ihr pech habt, arbeitet nun auch noch der chip gegen euch.

    bitte holt euch professionelle hilfe!