Beiträge von Lucanouk

    viele menschen sehen die zusammenhänge schlicht nicht.

    bsp: hund jagd bzw hetzt aufrgund eines bewegungsreizes. der besitzer ärgert sich total und möchte eine trainingsstunde.

    trainer: "bitte lasse sie ihren hund in der wohnung einmal "sitz" machen."

    hh: "moment, ich muss erst einmal das leckerlie holen, ohne geht es nicht."

    trainer: "wie lange ist hier hund schon bei ihnen?"

    hh: "von klein auf, jetzt ist er fünf."

    hh holt leckerlie, hält es dem hund vor die nase: "sitz, sitz, sitz...naja, platz ist auch o.k."

    wenn ich schon innerhalb der wohnung eine so mangelhafte signalkontrolle habe, wie soll das dann draußen klappen?

    Zitat

    Es ist bei dem Ansatz schlicht nicht wichtig, ob der Hund aus Angst beißt oder zB jedesmal wenn jemand das Haus betritt (obwohl der Mensch dabei ist, wohlgemerkt!), denn der Grund ist jedesmal der gleiche: Der Mensch hat als Beschützer versagt. Im ersten Fall, weil er ihm generell nicht genug Vertrauen (in eben jene Beschützerqualitäten!) vermitteln konnte und ihm dann nichtmal in der Situation beistehen konnte, im zweiten Fall mangelt es wieder an dem generellen Vertrauen wie oben erklärt, nur geht dieser Hund eben nach vorne.. Ist das verständlich erklärt? Es kann auch Leinenggression sein, das zeigt nur wieder exakt das gleiche Problem auf: Der Mensch beschützt den Hund nicht genug, weswegen dieser meint, Verantwortung übernehmen zu müssen. Auf die eine oder andere Art.

    irgendwie scheint es in letzter zeit immer moderner zu sein, wichtige motivationen für hündisches verhalten einfach zu ignorieren und einfach nur noch alles zu deckeln. ich hatte letztens selbst den fall, dass eine kundin von mir ihre geschichte, sowie die ersten trainingsansätze in ein forum schrieb und irgendein user meinte, nachdem sie schrieb, dass es sich bei dem verhalten ihres hundes um eine reine frustrationsaggression handele, es wäre vollkommen wurscht, warum sich der hund so oder so verhalte, wichtig wäre hier nur, dass er es abstelle (ging aber auch wieder arg in richtung kssscht und so).

    aggression ist erst einmal nichts weiter als ein werkzeug. nur die aggression zu bekämpfen, verändert nicht die grundhaltung des hundes gegenüber seiner umwelt, er traut sich nur in nicht mehr, sich in irgendeiner weise zu äußern und wird passiv.
    ich finde es enorm wichtig, den grund/die motivation für ein verhalten herauszufinden.

    eine souveräne führung braucht sicherlich jeder hund, egal aus welchem grund er unangemessene aggressionen zeigt. doch das ist bei weitem nicht alles.

    ist es frust? dann muss er hund in ersatzkonflikten lernen, seine impulse zu kontrollieren, frust zu ertragen (gehorsam) und auf der anderen seite und ventil erhalten, durch das er frust ablassen kann (auslastung).

    ist es angst? dann muss der hund einerseits lernen, sich an seinen menschen anlehnen zu dürfen (bindungsarbeit, gehorsam) und andererseits lernen, dass die auslösereize ungefährlich sind (desensibilierung).

    geht es um territorialverhalten/anderes wettbewerbsverhalten? hier muss der hund einerseits lernen, dass der mensch die gruppe/das territorium beschützt und kontrolliert (gehorsam), andererseits finde ich persönlich, dass ein gewisses maß an territorialverhalten auch nicht hundeuntypisch ist und zum wesen hund gehört.

    hormonelle aggression? hormonzustand medizinisch abchecken und ggf. medizinisch behandeln.

    die liste ließe sich endlos weiterführen.

    ist ein hund traumatisiert, muss man besonders feinfühlig vorgehen, denn hier handelt es sich um angstmotivierte verhaltensweisen, besser gesagt panikmotivierte verhaltensweisen. der hund hat schon einmal erlebt, was der auslösereiz furchtbares mit ihm anstellen könnte. dem hund noch mehr angst und panik anzutun, nur, damit er einen pakt mit dem menschen eingeht, findet ich persönlich absolut pervers. hier würde eine sehr gute therapie mit medikamentöser unterstützung (hier gibt es einige sinnvolle präparate) angezeigt sein und keine weitere traumatisierung.
    menschliche opfer von schweren gewalttaten werden doch auch therapiert und nicht weiterhin traumatisiert.
    hunde, die sich nur noch neben ihrem menschen halbwegs sicher fühlen sind arme schweine - und wenn der mensch urplötzlich stirbt, im krankenhaus liegt etc. pp. wird es so richtig spannend für die umwelt.

    das unterschreib ich komplett. gerade, wenn man eine hundegruppe führen möchte, muss eben die gesamte stimmung der gruppe, sowie deren impulse kontrollieren können. da ist tatsächlich die art aus der tür zu gehen/aus dem auto zu steigen sehr entscheidend für den verlauf des weiteren spaziergangs/die beziehung.

    es macht schon sinn, die freiheit des hundes nach seiner erregungslage und ansprechbarkeit zu sortieren.

    in meiner gruppe müssen die hunde, wenn ich sie aus dem auto hole, erst einmal ablegen und dann gehen sie im "schlampigen fuß" erst einmal gemeinsam mit mir los. da dulde ich auch keine überholer, pinkler, am-arsch-schnüffler. da wird bei mir gelaufen und punkt. erst, wenn ich das gefühl habe, dass alle hunde "gesettet" sind, geht es ruhig und langsam in den freilauf.

    würde ich das nicht machen, hätte ich wohl schon am auto ne erste klopperei, da ich auch hunde mitnehme, die nicht so nett sind ;)

    meine hunde dürfen übrigens wirklich erst nach mir aus der tür und müssen in der situation hinter mir bleiben.
    der sinn dabei ist ganz klar: ich möchte, dass der spaziergang ruhig beginnt und gleichzeitig bin ich als führender part verpflichtet, die welt da draußen abzuchecken.
    bei meinen hunden ist das absolut sinnvoll, da sie sonst im falle des falles diese aufgabe freudig übernehmen und das könnte unangenehm werden, wenn nachbars hündin, die gerne mal kläffend auf uns zurast und uns umkreist um die ecke schießt :)
    zusätzlich setze ich gleich am anfang des spaziergangs eine grenze, die einerseits die energie etwas herunterfährt und andererseits meine position als entscheidener part noch einmal verstärkt.

    wenn man hingegen einen absolut phlegmatischen, ruhigen und souveränen hund hat, der mit seiner umwelt und sich absolut im reinen ist und menschen/hunde ignoriert ist es wiederum wurscht, wer wann aus der tür geht. obwohl es vielleicht auch hier, je nach besiedelung, eine frage der rücksichtnahme gegenüber anderen menschen ist, dass eben doch zuerst hinaus geht.

    es gibt ja auch menschen, die angst vor hunden haben und panik bekommen, wenn da ein hund aus einer geöffneten tür geht.

    auch ist es sehr sinnvoll, hunden, die dazu neigen ihren menschen zu kontrollieren (und unerwüscht zu "beschützen"), phasenweise plätze zuzuweisen, die ihnen die kontrolle entziehen, um eine basis für die arbeit an der baustelle zu haben.

    auch die vermeidung von sozialer übersättigung macht absolut sinn, wenn man beispielsweise einen hund hat, der stark nach außen orientiert ist.

    wenn man einen hund hat, der ruheplätze oder auch den menschen als ressource kontrolliert, macht es ebenfalls sinn, ihn eben nicht im bett pennen zu lassen, sondern ihm einen eigenen schlafplatz zuzuweisen, damit er versteht, dass dieses verhalten nicht erwüscht ist.

    allerdings sind das alles puzzleteile innerhalb eines trainingsplans, die zwar wichtig sind, aber keinen perfekten hund zaubern, wie es manche bücher vorgaukeln.

    es sind ersatzkonflikte, die in meinen augen auch sehr wichtig sind und klar gelöst sein sollten.

    denn mal ganz ehrlich: wenn ich nicht in der lage bin, ruhig und leinenführung aus der tür zu gehen bzw. den hund auch mal an strategisch wichtigen punkten hinter mich zu schicken bzw. ihn vor seinem napf ein paar sekündchen warten zu lassen, kann ich nicht erwarten, dass mein hund meine fomme bitte respektiert, keine fremdhunde zu verspeisen, obwohl diese doch so lecker sind.

    und wenn mein hund innerhalb der wohnung futter/ruheplätze oder seine bezugspersonen kontrolliert, kann ich nicht erwarten, dass draußen alles tutti ist. das geht einfach nicht.

    sicherlich sind wir keine "alphawölfe". trotzdem müssen wir unsere hunde führen und das funktioniert einfach in den seltensten fällen in einer gleichberechtigten partnerschaftlichen beziehung.

    Zitat

    Das sind aber doch alles Regeln, die einem schon der gesunde Hunde-Menschenverstand vorgibt - wenn sowas inzwischen als "dog whispering" gilt, sagt das schon enorm viel darüber, wie sehr genau dieser Verstand den Bach runtergeht.

    leider ist das schon lange nicht mehr so. zuhause geht es im wahrsten sinne des wortes über tische und bänke, die hunde werden nur geknuscht und geknuddelt, es gibt keine regeln und der spaziergang beginnt mit einem quietschenden, jankenden hund, der schreiend an der leinen zur tür rauszerrt. und dann wundert man sich darüber, dass der hund draußen andere hunde plattmachen will. in der praxis ist das sehr, sehr häufig.

    Zitat

    Nicht "Wie bestrafe ich das unerwünschte weg?

    Und in den allermeisten Fällen geht das erste ohne das zweite. Auf jeden Fall aber kommt das erste vor dem zweiten und vor dem zweiten kommt erst noch Management.

    Und in dem was ich bisher gesehen habe kommt bei Herrn Millan Eins so gut wie nicht vor. Management, so wie die meisten fachkundigen Trainer es betrachten kommt auch nicht vor - im Gegenteil. Wie schon mal geschrieben, die Hunde werden ständig in Situationen gebracht, die sie einfach nicht händeln können. Nur damit Herr Machomän sein Machismo dran ausleben kann...

    :gut:

    ich bin weder pro noch contra kastration. es hängt immer vom einzelfall ab.

    aber ich bin dagegen aus prinzip grundsätzlich zu kastrieren.

    ein jagdlich hochmotivierter rüde, sowie eine ängstliche hündin beispielsweise sind absolute kontraindikatoren für mich.
    aber bei einem wirklich hypersexuellen rüden würde, ich wenn erziehungsmaßnahmen, sowie kontakt zu souveränen weibsen nix bringt über das thema nachdenken bzw. über die chemische variante.

    genauso wie bei prolaktinbegünstigten aggressionen von hündinnen.

    es hängt eben immer vom einzelfall ab. fakt ist einfach, dass eine kastration eben auch nachteile im sozialverhalten der hunde mit sich bringen kann und nicht nur im gesundheitlichen bereich.

    gerade wenn rüden sich mit geschlechtsgenossen nicht verstehen kann eine kastration verheerend sein, wenn die motiavtion angst/unsicherheit ist.

    bei hündinnen kann eine kastration dazu führen, dass sich eine unsichere, unterwürfige hündin zu einem aggressiven unverträglichen monster entwickelt.

    eine kastration ist also immer von fall zu fall verschieden und sollte genau abgewogen werden.

    literatur gibt es zum thema fast unbegrenzt.

    Zitat

    Ich hab bei mir in der Gassigruppe alles: kastriert, unkastriert, Rüde, Hündin...und egal aus welchem Blickwinkel man es betrachtet...die Kastraten werden absolut von den intakten Tieren akzeptiert, aber die haben nix, wirklich gar nix zu melden in der Gruppe...die werden nichtmal als Konkurreten gesehen...und das würde ich für meinen Hund eigentlich nicht wollen...

    im großen und ganzen entspricht das auch meinen erfahrungen, bis auf eine ausnahme: luca hab ich kastriert übernommen, er wurde schon mit 15 monaten operiert.

    er ist der absolute chef der gassitruppe und ich persönlich kenne wenig rüden, die sich freiwillig mit ihm anlegen wollen. aber er benimmt sich auch nicht ansatzweise wie ein kastrat, sondern wie ein vollwertiger rüde. ich denke, das ist noch ein sehr großer punkt: das verhalten/die ausstrahlung.

    Zitat

    Genau so schaut es aus.

    Und meine beiden Großen dürfen dem Jungspund sehr deutlich sagen, wann es reicht. Wie sollte er auch anders die hündische Kommunikation lernen?

    Doch lieber hier von den seit Welpenzeit vertrauten Rüden, als von einem fremden, von dem ich nicht weiß, wie der reagiert. Ich kann ihm hundertmal sagen, er soll eine Hündin in Frieden lassen, er wird´s nicht verstehen. Ein Knurrer, ein Abschnapper der Hündin und Otto hat verstanden.

    Vielleicht sollten wir unsere Regulierungswut etwas im Zaum halten und unseren Hunden mehr Vertrauen schenken.
    Ich fahre damit sehr gut.

    Gaby und ihre schweren Jungs

    :gut: :gut: :gut: