es gibt im jagdverhalten von hunden mehrere sequenzen. früher wurden dieses sequenzen als triebe bezeichnet. heute spricht man vom funktionskreis "beutefangverhalten/jagdverhalten":
dazu zählen folgende sequenzen:
orten/aufspüren/orientieren - fixieren/anpirschen - hetzen - stellen - packen - töten - fressen
durch die gebrauchshundezucht wurden je nach verwendungszweck bestimmte sequenzen verstärkt selektiert und andere regelrecht gelöscht/abgeschwächt. somit kommt es bei verschiedenen hunderassen zu unterbrochenen bzw. unvollständigen handlungsketten.
hütehunde z.b. zeigen beim hüten das fixieren und anpirschen, sehr kurze hetzmomente gibt es teilweise auch (jedoch ist auch in diesen moment das anpirschen vorrangig vorhanden). es existiert ein abgeschwächtes packen der beute (keulenbiss). das töten ist vollständig herausselektiert und ein hütehund, der dieses verhalten am schaf zeigt ist nicht für diese arbeit von nutzen.
diese anlagen werden in der ausbildung noch verfeinert und gelenkt. macht man das nicht, generalisieren sich dieses verhaltensweisen eventuell auf jogger, kleinhunde oder eben wild.
vorstehhunde zeigen eine lange orientierungsphase und ein hochverstärktes fixieren, in dem fall vorstehen. normalerweise werden dieses darauf selektiert, sich beim vorstehen anzupirschen. das hetzen ist genetisch unterdrückt (bricht jedoch auch bei vorstehern gerne noch mal hervor).
podencos z.b. zeigen die komplette palette bis auf das töten: sie spüren den hasen/das kaninchen auf, fixieren es, pirschen sich an, hetzen es in den nächsten busch. dort wird das tierchen durch gebell so lange bedrängt, bis es herausprescht. einer der podencos packt es dann und bringt es im idealfall unverletzt dem jäger.
einige nomadenhunde zeigen das gesamte repertoire. sie sind in der lage, das wild selbstständig aufzuspüren und dann im ernstfall auch zu erlegen. hierbei ist die hetzphase jedoch häufig verstärkt, da es sich meistens um schnell flüchtendes wild handelt.
terrier sind wiederum meister im packen und töten. sie können eine maus oder eine ratte auch selbstständig aufspüren, jedoch sind sie nicht für eine sehr schnelle oder intensive hetzphase gemacht. auch das lange vorstehen wurde nicht gesondert selektiert, da der eigentliche kampf mit der beute z.b. bei der baujagd um längen wichtiger ist. terrier4me: der jack russel wurde doch früher fast nur zum ratten-/mäusereinhalten verwendet. warum sagst du, dass sie nciht packen und töten durften?
bei gesellschaftshunden (bei denen jagdverhalten höchst unerwünscht ist) wurde die gesamte kette in seiner eigentlichen form wegselektiert. man findet noch gelegentlich relikte des packens im zerrspiel oder des hetzens im ballspiel, jedoch verhalten sich mops und co hier nicht sonderlich vehement.
viele familienhunde haben heutzutage noch jagdliche wurzeln, jedoch fehlt den meisten wildschärfe und vehemenz (glücklicherweise). so kommt es dann eher zu einem lustigen hinterherhopsen, als zu einem rauschähnlichen zustand beim hetzen von wild.
das töten steht bei diesen hunden nicht zur debatte und so kommt es dann auch zu einem lustigen "ich hops mal der katze hinterher...oh, die dreht sich um...ich bleib mal lieber stehen"-verhalten. ein hund, der noch komplett jagd würde dieses stehenbleiben entweder zum packen oder töten nutzen oder die katze durch bestimmte bewegungen zum weiterrennen animieren (obwohl diese animierversuche eher bei sehr großem wehrhaftem wild stattfinden).
es ist also genetisch fixiert, ob ein hund andere lebewesen als beute betrachtet oder nicht. diese fixierung bestimmt das jeweilige beuteschema. für den dackel sind es, je nach größe, füchse, kaninchen oder sogar dachse. für den jack-russel-terrier sind in der ursprünglichen verwendung ratten und mäuse (heute auch gerne mal dachse´, die allerdings nur noch gestellt werden).
pointer fetzen total auf federwild ab und barsois hetzen sogar wölfe.
es gibt rassen (und auch bei jagdhunden gibt es individuen auf die das zutrifft), die keinerlei ernsthaftes jagdverhalten an den tag legen. für diese ist das töten anderer tiere unwichtig.