an alle seminarteilnehmer: ich kann mir durchaus vorstellen, dass die hunde sich auf dem seminar anders verhalten haben, als sonst (das kann eine menge ursachen haben, seminarsituationen sind ganz anders, als der alltag, denkt doch mal bitte nur an das phänomen "platzgehorsam"). und ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass es da interessante beobachtungen gab.
versucht doch einmal die beobachtungen so wertfrei wie möglich einzustellen, z.b.: hund a, unkastrierter rüde, 6 jahre alt trifft auf hund b, unkastrierter rüde 4 jahre alt. a stellt die ohren auf, hebt die rute, bleibt stehen. b stellt die nackenhaare auf, weicht dem blick aus, legt die ohren an.
ohne begriffe wie mbh etc. pp.
und dann interpretiert das ganze geschehen einmal.
ihr werdet sehen: wenn man zuerst interpretiert, sieht jeder das, was er sehen möchte.
wenn man sich erst einmal nur das anguckt, was man sieht, ohne zu interpretieren, kommt man auf viel sachlichere, objektive ergebnisse.
versucht es mal.
einige von euch sagten, dass der wissenschaftliche gehalt doch egal wäre, denn sie haben da etwas gesehen, das funktioniert.
dann ist es in dem moment auch eigentlich unwichtig, ob sich der hund so verhalten hat, weil er ein mbh oder so ist oder ob es er sich so verhalten hat, weil er auf die körpersprache des anderen egachtet hat. wenn man schon in der interpretation ist, wird es schwerer, die situation objektiv zu betrachten. da smuss man ja auch nicht, denn es ght nur um den eigenen hund.
wenn es für eurem hund funktioniert ist das doch o.k. dann braucht es keine wissenschaft. wenn man es aber auf andere hunde übertragen möchte und als allgemeingültige these stehen lassen möchte, sieht das ganze wieder anders aus 
dann nämlich wird es unglaublich wichtig, dass man wissenschaftlich bleibt.
denn wenn ich eine individuelle, subjektivierte beobachtung (welche durch beobachtungsfehler gekennzeichnet ist) einfach allgemein formuliere, kann ich damit nur falsch liegen.
Zitat
wo genau ist denn jetzt das problem, wenn man sich für eine sache interessiert und Begeisterung zeigt?
ich verstehe es echt nicht.
ich, als kritiker, habe damit, sich für eine sache zu interessieren und begeisterung zu zeigen kein problem, wenn man mit dem kopf dabei ist.
ich begeistere mich auch schnell für sachen, doch hier musste ich lernen, auch gegenargumente wirklich zu durchdenken und nicht an mir abprallen zu lassen.
wenn ein gegenargument so stark ist, dass es mein argument von den füßen holt, muss ich es aufgeben, wenn ich mich wirklich für die wahrheit interessiere.
was ich nicht verstehen kann:
es wurden klare gegenbeweise erbracht, die die tatsache, dass es eine klare stellung bei rudeln gäbe, komplett widerlegen.
diese beweise fußen auf wissenschaftlich dokumentierten fällen in der natur.
es wurde darauf hingewiesen, dass spiel keine abnormität darstellet (diese annahme finde ich sehr gefährlich, spiel ist eine vorbereitung aufs leben).
es wurde von einzelfällen gesprochen, in denen hunde eine extreme etwicklung durchmachten (vom wilden welpen zum souveränen erwachsenen, vom ängstlichen welpen zum draufgänger). das würde nach der rudelstellungstheorie gar nicht gehen.
ich habe mich mit dem thema befasst und kann ganz klar und sachlich dinge nennen, die nachweislich nicht stimmen.
ich bin nicht voreingenommen, aber bestimmte dinge haben rein gar nichts mit der realität in echten rudeln zu tun.
und anstatt sich auch damit zu befassen werden solche argumente (die nun wirklich wissenschaftlich klar sind) ignoriert oder es wird behauptet (das soll jetzt kein angriff sein, sanne), die wenigsten echte rudel wären wirklich so perfekt.
diese behauptung empfinde ich als haltlos und sehr vermessen.
frau ertel ist keine verhaltensbiologin, ich nehme mal an, dass sie nicht unter echten forschungsbedingungen mit einem forscherteam im wald gelebt hat, um wirklich rudel zu erforschen.
wenn man sich ein bisschen mit verhaltensbiologie auskennt, sieht man hier sehr deutlich, wie interpretion vor beobachtung kommt. und das ist der größte beobachtungsfehler (weil er zu subjektiven, falschen schlüssen führt), den es gibt.
normalerweise beobachtet man ein verhalten und dokumentiert es. erst, wenn es gehäuft auftritt, wird angefangen es situativ zuzuordnen.
sprich: wenn ich von einem angeborenen verhalten spreche, müsste ich mich erst einmal mit den gencodes auseinandersetzen.
dann müsste ich eine statistisch relevante menge an beobachtungsmöglichkeiten schaffen (etwa 2000 individuen wären nicht schlecht). diese beobachtungen müssten (unangetastet, quasi am besten in freiheit, denn nur da findet gefahrenabwehr, jagd und alles andere, was rudelrelevant ist, statt. straßenhunde z.b. bilden auch keine rudel, sondern eher lose verbände, es sei denn, sie leben wirklich so im wald, wie z.b. die "pizzahunde") erst einmal rein dokumentiert werden (z.b. hund a läuft neben hund b vor hund c), ohne, dass es hier zu interpretationen kommt.
erst, wenn die merkmale gehäuft auftreten, kann kombiniert werden. um zu beweisen, dass es sich hier wirklich um angeborene verhaltensweisen handelt, müsste man das gen, das hierfür verantwortlich ist herausfinden und kontrollieren, ob es in allen tieren, die eine solche stellung annehmen, enthalten wäre.
ich bräuchte für ein solches projekt, neben meiner these:
verhaltensforscher, verhaltensbiologen, kameras, ein team, freilandbeobachtungen, genetiker, kontrollgruppen, überprüfbare messdaten (die immer funktionieren), und das wichtigste: eine objektive beoachtungsabe. in der dokumentation würden:
1. die lebensumstände der gruppe dokumentiert werden
2. das alter, geschlecht, die gesundheit der gruppenmitglieder dokumentiert werden
3. das revier dokumentiert werden (größe, artenvielfalt, feinde, konkurrenz)...rudelbildung variiert, je nach lebensumstand
4. und vieles mehr
hier habe ich aber eine voreineingenomme beobachtung (interpretation vor deutung, geht nicht), eine hundehalterin, die ihre eigenen hunde und ein paar mal wilde hunde (straßenhunde? waldhunde? echte wildcanicen? vewilderte haushunde? wo wurden sie beobachtet? in welchem zeitraum? wie alt waren die hunde? welches geschlecht? wie waren die lebenbedingungen?bitte genauer definieren), sowie filmmaterial von wölfen beobachtet hat.
kein forscherteam, kein genetiker (obwohl dieser wirklich wichtug wäre, wenn es um angeborenes verhalten geht), keine kameras, keine dokumentation, keine genaue beschreibung der beobachtungsvorraussetzungen, keine vier fragen, nur interpretation aus eigener sicht.
und daraus soll nun eine handfeste theorie entstanden sein?
bis jetzt ist es nur eine behauptung, mehr nicht.
und deshalb kann ich nicht einfach nur sagen: es ist toll, dass ihr euch dafür begeistert.
ich muss auch sagen: beschäftigt euch mit der materie "verhaltensbiologie". und dann ist es für jeden ersichtlich, warum eine solche art der beobachtung niemals eine allgemeingültige these untermauern kann.