Hallo zusammen!
Verzeiht bitte die Länge, ich kam heute Abend nur mal wieder total ins Grübeln.
Nun ist es so, dass ich mit meinem 14monatigen Rüpel ja schon über einige Berge und durch tiefe Täler gegangen bin. Die Problematik war jedesmal eine ähnliche, nämlich dass Milo zu mitunter aggressivem Kontrollverhalten neigt. Ich hab vorhin mal nach den ganzen threads geschaut, die ich seither eroeffnet habe, und ganz schön mit den Ohren geschlackert. Man vergisst sowas ja gerne, wenn es irgendwann wieder besser läuft...
Mit 5 Monaten begann es mit dem Jogger- und Radleranpöbeln:
https://www.dogforum.de/ftopic73622.html
Mit 6 Monaten hat er Resourcen verteidigt:
https://www.dogforum.de/ftopic76478.html
Hier hat er mich eine Weile total ignoriert:
https://www.dogforum.de/ftopic76894.html
Und hier (knapp 12 Monate) habe ich endlich in vollem Ausmass begriffen, dass ich einen Kontrollfreak habe:
https://www.dogforum.de/viewtopic.php?…er=asc&&start=0
Wir haben so viel ausprobiert, umgestellt, überdacht und geübt bis zum Umfallen, und zumindest sind wir nun soweit, dass wir sein Verhalten ganz gut managen können. Einiges hat sich auch in Wohlgefallen aufgelöst, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob es bei diesem Hund nicht irgendwann wieder auftauchen könnte, aber toitoitoi. Resourcen-Verteidigen ist zumindest kein Thema mehr. Auch hört er wieder auf mich und ignoriert mich nicht mehr, sein Grundgehorsam ist für einen Hund in seinem Alter okay. Auf der Arbeit ist er sehr ruhig und fällt eigentlich nur noch positiv auf. Wir gehen regelmässig zur Hundeschule und üben zusätzlich mit einer Einzeltrainerin. Bei beiden wurden durch die Trainerinnen Fortschritte bei Milo festgestellt.
Nur haben sich zwei Macken im Alltag aber immer noch gehalten, und obwohl wir üben und üben, werden wir sie nicht wirklich los. Ich habe das Gefühl, dass es immer mal wieder besser ist, aber dann läuft es scheinbar wieder genauso wie früher und ich habe das ungute Gefühl, es wird immer so weitergehen :sauer:
Das eine ist das Nachlaufen zu Hause, welches wir aber mit Wegschicken, und wenn nötig auf dem Platz anbinden hoffentlich irgendwann in den Griff bekommen. Aber der Herr ist pfiffig. Er bleibt brav auf dem Platz wenn ich z.B. auf Toilette gehe, aber sobald ich rauskomme liegt er wie ein Presser vor der Tür. Oder wenn ich ihn auf den Platz schicke, damit er mich nicht in der Küche beobachtet, starrt er mich eben über den Wohnzimmerspiegel um die Ecke an. Das ist kein Witz, er reagiert sogar auf Handzeichen, die ich zum Spiegel hin mache (ich habs mal ausprobiert weil ich mir schon paranoid vorkam).
Das nervigste und hartnäckigste Problem ist aber, dass es ihn unendlich stresst, wenn vor seinen Augen jemand rennt oder mit dem Fahrrad fährt. Er steigert sich da richtig rein wie bei einer Leinenaggression. Mit dem Unterschied, dass er auch ohne Leine aggressiv auf den Renner/Radler losgehen würde (deshalb ist er an der Schlepp). Sobald derjenige stoppt, ist er auf einen Schlag wieder friedlich. Ich hab schon alles versucht: schön füttern (hilft für ne Weile, aber auf einmal ist es wieder da), ignorieren bzw schon vorher ablenken (hilft manchmal, wenn er generell ruhig und ausgeglichen ist), und auch mal Tacheles reden (hilft nur, wenn er an der langen Leine und der "Feind" weit weg ist). Aber ich erreiche einfach nicht, dass es ihm egal ist und er die Leute einfach ignoriert. Normale Fussgänger ignoriert er übrigens, sowie Skateboardfahrer, Rollerfahrer und sonstige schnelle Sachen (ausser Katzen), die nicht in sein Beuteschema fallen. Aber er tobt wie ein Berserker, wenn am Bahnhof jemand rennt oder ein Fahrrad knapp an uns vorbeifährt. Das ist manchmal richtig, richtig peinlich :zensur:
Wie gesagt, es gibt immer wieder ein paar Wochen zwischendurch, in denen ich Hoffnung habe, dass wir es allmählich packen. Dann ist er so herrlich ruhig und ausgeglichen, dass ein Aussenstehender gar nicht bemerken würde, dass er am liebsten jeden Renner und jeden Radler in der Stadt eigenhändig stoppen und massregeln würde. Bis wir eines schönen Tages wieder auf der Strasse stehen und es von neuem losgeht.
Na ja, worauf ich hinaus will, ist, dass ich manchmal nicht weiss, ob ich mich freuen oder frustriert sein soll. Soll ich die Fortschritte als wichtige Schritte zur endgültigen Lösung sehen, soll ich unbedingt so weitermachen? Oder soll ich stattdessen die Rückschritte ernst nehmen und nach anderen Ansätzen suchen, weil wir nach fast einem Jahr bei dem Renner/Radlerproblem quasi immer noch auf derselben Stufe stehen?
Eigentlich bin ich schon auch eher positiv eingestellt und lasse mich nicht von Rückschlägen aus der Bahn werfen. Nur ab wann weiss man denn, ob man auf dem richtigen Weg ist und nicht in einer Sackgasse?
Wäh, ich hasse diese Grübelei.