Also ich war vor vielen Jahren mal eine ganze Zeit lang obdachlos.
Die Erfahrung von damals:
(EDIT aufgrund voriger Posts: mein Hund war damals bereits 2 Jahre alt, Handaufzucht, immer Wohnungshaltung, eher ängstlich im Wesen)
Der Hund ist auf der Strasse absolut "part of the pack". Das macht einen Riesenunterschied und da entwickelt sich dann ein ganz anderes miteinander.
Nur um das mal zu veranschaulichen einige Beispiele:
Der Hund hat Stress, muss sich erst an die Strasse gewöhnen, ist ziemlich viel für ihn. Standardratschlag (den ich so auch geben würde): langsam dran gewöhnen, lieber mal zuhause lassen oder im Auto anstatt ihn durchs Gewühl zu manövrieren.
DAS geht auf der Strasse aber nicht! Wo den Hund lassen? Im Zelt (sofern vorhanden)? Man muss den Alltag bewältigen, da gibts kein Zeit geben, das muss laufen irgendwoher muss ja dann auch das Futter kommen...
oder:
Der Hund braucht Rückzugsorte wo er seinen sicheren Frieden hat. Dem stimme ich wohl zu, aber auf der Strasse ist das nicht machbar! Es geht nicht. Nicht im Zelt auf gut 4qm und noch weniger unterwegs. Hinter mir ist sichere Zone aber mindestens mit mir muss sich der Hund immer auseinandersetzen.
Man lebt halt einfach wirklich mit dem Hund, immer! Er wirkt meist bei der Nahrungs-/Geldbeschaffung nicht unwesentlich mit (allein der Anblick eines Hundes und sei er noch so gepflegt, macht viele Menschen etwas spendabler, ich habe noch dazu Pantomime gespielt, Kim lag im Hintergrund).
Der Hund bietet auf jeden Fall auch Schutz, das ist auch ein großer Vorteil, schließlich ist man schon ziemlich angreifbar wenn man sein weniges Hab und Gut nicht wirklich wegschließen kann.
Das ohne Leine laufen hatte bei uns einen einfachen Grund, Kim war ein Schisser, ohne Leine konnte er immer ausweichen und hatte nie Probleme. Angeleint war der aber nicht ungefährlich wenn er Muffensausen gekriegt hat... Ohne Leine hatte er mich stets gut im Auge (bleibt ihm ja nix anderes übrig in ner Großstadt, sonst bin ich weg
.
Vielleicht entspricht es vielen Hunden in der Sache, den ganzen Tag herumzuziehen (also bei uns ging das z.B. so: morgens aufstehen, alles packen, loslaufen, Straßenbahnfahren, Teeküche m. Dusche aufsuchen, 2-3 Stunden Pantomime spielen, Suppenküche oder Volksbond, Tee trinken, Kleinigkeit essen, Freunde treffen, nochmal 2 Stunden Pantomime spielen, einkaufen, bei guter Kasse noch in einem netten Cafe Kakao trinken, Straßenbahn und zurück zum Zelt, essen/ füttern, evtl. noch Wasser holen, bisschen spazierengehen...pennen)
Den ganzen Tag unterwegs, abends Beute am Lagerplatz verspeisen.
Und eben auch voll dazuzugehören, mit eigenen Aufgaben usw.
Man lebt da schon anders mit dem Tier zusammen!