Hallo,
ich finds toll, dass Du Dich der Hündin angenommen hast und kann auch nachvollziehen, dass Dir gerade das etwas unabhängige Wesen eines Hundes gefällt, der bisher ein eigenes Leben geführt hat. Gerade dann ist die Zuwendung zu einem Menschen ein besonders kostbares Geschenk.
Ich möchte Dich aber bitten, doch noch mal über das Thema Fortpflanzung nachzudenken.
Gerade Länder mit Populationen von unkastrierten Straßenhunden haben immer wieder das Problem, dass sich durch die unkontrollierte Vermehrung Krankheiten unter den Hunden ausbreiten, die Aktzeptanz gegenüber den Hunden immer geringer wird und sich das Ganze zu Katastrophen größeren Ausmasses steigert, die darin enden, dass Hunde vergiftet, erschlagen oder in Auffangstationen gesammelt werden, um nach Ablauf einer Frist getötet zu werden, einfach weil die Anzahl der Hunde irgendwann überhand nimmt. Spanien, Italien, Rumänien und alle möglichen anderen Länder machen seit Jahren auf die schlimmste denkbare Art vor, was passiert, wenn die nachlässige Einstellung der Menschen in Sachen unkontrollierter Fortpflanzung der Haustiere dazu führt, dass die Anzahl "wildlebender" Tiere explosionsartig ansteigt - Tierelend, das in Zahlen in die Hunderttausende geht.
Du würdest Dich zwar um diese Welpen kümmern - aber irgendwo da draussen läuft ja der unkastrierte Rüde herum, der Deine Hündin gedeckt hätte. Wer fühlt sich für DIESEN Hund verantwortlich? Wüßtest Du, ob dieser Rüde (ungeimpft, nicht entwurmt, möglicherweise mit Ektoparasiten befallen) nicht zahlreiche Erkrankungen auf die Hündin oder die Welpen überträgt? Bist Du Dir im Klaren darüber, dass die Nachkommen eines verwilderten Hundes große Verhaltensprobleme mit sich bringen können, die eine Haltung als Haushund sehr schwierig machen können? Wüßtest Du, welche späteren gesundheitlichen Probleme Deine Hündin und der unbekannte Rüde möglicherweise ihren Welpen mitgeben würden?
Für mich gehört zu einer verantwortungsvollen Hundehaltung auch genau das - das Nachdenken darüber, was bei einer ungeplanten, unkontrollierten Fortpflanzung heraus kommen KANN. Und das allein wäre für mich Grund genug, das bewußte Züchten (= sinnvolle Zusammenführung von gesundheitlich und wesensmäßig zueinander passenden Hunden) denen zu überlassen, die sich damit auskennen.
Im Grunde würdest Du einen wild lebenden Rüden "mißbrauchen", um den sich niemand kümmert, der möglicherweise krank/verletzt ist, um die vermeintliche "Freiheit" Deiner eigenen Hündin auszuleben.
Für Hunde ist die Sexualität etwas völlig anderes, als für uns Menschen. Da gibt es keinen Spaßfaktor, den man den Hunden durch eine Kastration nimmt.
Die Kastration von zum großen Teil frei laufenden Hunden ist lediglich eines: angewandter Tierschutz.
Deine Hündin hat Dich ausgesucht. Sie vertraut Dir und sie ist freiwillig zu Dir gekommen. Auch sie wird um eines sicheren Lebens in einer sozialen Gemeinschaft willen, einige Kompromisse eingehen. Das tun Hunde, auch freilebende Hunde, genau in dem Moment, in dem sie sich einer gleich- oder andersartigen Gemeinschaft anschliessen, immer.
Auch in einem draussen gewachsenem Rudel würde sich nicht unkontrolliert fortgepflanzt werden, Du nimmst Deiner Hündin mit einer Kastration also nichts weg - aber Du vermeidest unkontrollierte Fortpflanzung.
LG, chris