Mich nervt tatsächlich auch, dass immer so getan wird, als sei allein die Landwirtschaft in der Verantwortung.
Allein 66.000 Hektar Fläche in D werden in s. g. Schrebergärten bewirtschaftet - dort gelten all die Regelungen, die für die Landwirtschaft gelten, nicht. Dort darf ohne Bedarfsermittlung gedüngt werden, dort kann man sich bei Westfalia oder im Baumarkt Glyphosat und andere Pflanzenschutzmittel besorgen und benutzen - ganz ohne den in der Landwirtschaft nötigen Sachkundenachweis. Eine Beratung beim Einkauf genügt - wie diese aussieht, hab ich häufig genug mitbekommen. Aufschliessen des Giftschranks, Rausgeben der gewünschten Packung. Die Anwendung muss im Gegensatz zur Landwirtschaft nicht dokumentiert werden. Und das sind nur Schrebergärten - die sind i. d. R. vereinsmäßig organisiert, deshalb gibt es von dort Flächendaten im Gegensatz zu den nicht berücksichtigten Privatgärten. Warum gibt es dort nicht identische Vorgaben für die Nutzer? Warum gibt es dort nicht die Pflicht, einen bestimmten Prozentsatz als "Bienenweide" zu bebauen, warum gibt es dort kein Kunst-Düngerverbot oder zumindest eine Düngeverordnung, wonach nur gezielt bedarfsgerecht gedüngt werden darf und alle Massnahmen dokumentiert werden müssen und tatsächlich auch kontrolliert werden.
Warum dürfen Einfahrten und Höfe mit Glyphosat unkrautfrei gehalten werden? Warum sind die s. g. Steingärten nicht längst verboten?
Jeder Einzelne ist verantwortlich und jeder Einzelne MUSS etwas tun. Die Volksbegehren finde ich grundsätzlich ok - ich laste ihnen aber durch die Bank an, dass sie sich überdurchschnittlich auf die Landwirtschaft fokussieren und dadurch eine falsche Stimmung eines Feindbildes schüren, dabei gäbe es weitaus mehr Ansatzpunkte, an denen dringend etwas getan werden muss und ich halte ein MIT-Einander für weitaus zielführender als ein GEGEN-Einander. Das, was da umgesetzt werden soll, geht uns schliesslich alle etwas an.