So, dann noch die Fortsetzung mit Sargnagel #2
Ebby
Vielleicht noch vorab zur Info, dass ich, als ich etwas halbherzig wieder einen Zweithund suchte, mitunter folgende Kriterien hatte:
* Hündin (geschafft)
* min. 5 Jahre alt (Ebby war 2)
* mindestens kniehoch (geschafft)
* nicht langhaarig (ups)
* niemals nie nicht ein Retriever (äääääääh... ja...)
Ebby war die absolut unüberlegte Spontananschaffung meiner Mutter, die sich den Zweithund partout nicht ausreden lassen wollte, obwohl es mit dem ersten schon nicht lief. Kaum eingezogen wurde sie tagsüber zum Kellerhund degradiert, weil sie das Haus vollpinkelte. Schließlich flog sie komplett raus und kam so 2009 zu mir.
Mach wir's kurz: Ebby hatte keinen Bock. Sie hatte keinen Bock auf mich, sie hatte keinen Bock auf andere Menschen, sie war einfach nur ignorant, stur und *grrr*. Betrat ich den Raum, so stand sie auf und ging. Leinte ich sie ab, konnte sie sich auch Tage später noch daran erinnern, dass ein paar Straßen weiter ein halb verschimmeltes Brathähnchen lag und türmte kurzerhand, sobald der Karabiner fiel. Sie fraß alles, was sie finden konnte (inkl. einer Blechdose), ob essbar oder nicht. Sie pinkelte mir in mein Bett. Impulskontrolle? Kann man das essen? Alleine bleiben mit Rennsemmel war überhaupt kein Thema, es war ja nur der Mensch, der fehlte, aber WEHE man (bzw. jemand) nahm die Rennsemmel mit, dann war großes Kino angesagt.
Im ersten Jahr mit ihr kam ich öfter an den Punkt, an dem ich mich fragte, ob wir eine gemeinsame Zukunft haben. Nicht, weil sie unerzogen war, nicht, weil sie türmte und auch nicht, weil sie Pfützen hinterließ, nein, weil sie auch nach Monaten keine sichtbare positive Beziehung zu mir aufbauen konnte. Die Tatsache, dass mein Hund den Raum verließ, wenn ich selbigen betrat, traf mich 1000x mehr als irgendwelche Macken. Diese unglaubliche Ignoranz, dieses "mir ist alles scheißegal"-Gehabe, das war es, was mich zweifeln ließ.
Dann hatten wir alles so weitgehend auf der Reihe, sodass wir miteinander leben konnten und kurz darauf, im Dezember 2010, wurde Ebby krank. Mein ganzes Leben, all meine Aktivitäten, alles änderte sich. Es folgten viele Tests, es wurden viele Meinungen eingeholt und dennoch ist bis heute unerklärlich, was mit Ebby los ist. Sie hat neben unzähligen Allergien eine gesundheitliche Baustelle nach der anderen und nach inzwischen vier Jahren Krankheit ist abzusehen, dass sich das nicht mehr ändern wird. Die ewigen Sorgen, die Ausweglosigkeit der Situation, das ist es, was Ebby für mich zum Sargnagel macht.
Ich liebe diesen Hund. Ich liebe Ebby sehr, aber sie bremst mich auch aus. Ich bin ein unabhängiger Mensch. Ich bin ein Weltentdecker, wie meine Rennsemmel. Wenn mir danach ist, will ich meine Sachen packen und einfach auf einen Berg steigen oder ein paar Tage wandern gehen oder oder oder... alles Dinge, die mit Ebby so nicht mehr möglich sind. Unabhängig davon schmerzt es einfach, wenn man sieht, dass es dem eigenen Hund nicht gut geht.
Viel lieber habe ich da einen Hund, der 1000 Macken mitbringt und mit dem ich intensiv arbeiten muss, um einen alltagstauglichen Hund aus ihm zu machen. Bei Erziehungsdefiziten und Verhaltensauffälligkeiten hat man die Perspektive, dass sich noch etwas ändert - bei uns werden sich vielleicht (hoffentlich!) hier und da kleinere Erfolge einstellen, aber ein unbeschwertes, freies und aktives Leben wird es für uns in dieser Kombination so nicht mehr geben.