Beiträge von wildsurf

    R+ ist wunderbar, und genauso wenig straffrei wie alles im Lernverhalten.

    Es muss einem einfach klar sein, dass dieses trennen von Quadranten nicht so funktioniert, wie der Mensch sich das theoretisch ausdenkt.

    Wer mit Marker arbeitet kann zB in einer Session von 5-6 Wiederholungen ganz ungewollt von positiver Bestätigung in die Ankündigung von positiver Strafe rutschen. Zack, schon ist es passiert weil man ein klitze kleines Meidezeichen des Hundes übersehen hat.

    Es ist nicht trennbar, nie.

    Aber wie schon erwähnt ist es der Mensch, der die Emotionen auflädt und „Strafe“ an sich ist einfach nur ein Teil des Ganzen und eigentlich total neutral. Eigentlich.

    Nachdem gestern ein paar Jugendliche Feuerwerk in unsere Tiefgaragen Einfahrt geschmissen hatten, haben wir kurzentschlossen ein Zimmer am Flughafen gebucht.
    Alles ist besser als unser uraltes, schlecht isoliertes Haus und die knallwütige Nachbarschaft ringsherum.

    Somit machen wir jetzt spontan friedlich Kurz-Ferien an der Piste. Im komplett ausgebuchten Hotel.

    Nyriah


    Ich zitiere mich mal selbst:

    Es gibt einen äusserst interessanten Forschungsbericht zum Thema lernen unter Frust. Es wurden dafür sehr viele Studien (am Mensch) über mehrere Jahrzehnte zu dem Thema analysiert Veröffentlichung

    Kurz gesagt: Frust kann sehr förderlich sein für den Lernprozess, WENN es richtig gehandhabt wird. Frust und Verwirrung gehören unabdingbar zur Entwicklung und zum lernen dazu.

    Wenn der Lernende allerdings in seinem Frust hängen gelassen wird, die Verwirrung nicht aufgelöst wird, findet kein Lernprozess statt. Im Gegenteil, der Wille zu lernen wird kleiner.

    Ich gehe davon aus, dass der gezielte Umgang mit Frust im Lernprozess genauso delikat ist wie Strafe. Beides ist schwierig, beides gehört dazu. Aber beides wird inflationär angewendet und kann alles ruinieren


    Frust gehört zum Leben wie das Atmen. Unser Gehirn ist darauf vorbereitet, Frust als ganz normaler Teil des Lebens zu verarbeiten.
    Es ist sogar äusserst wichtig für den Lernprozess. Aber auch hier: die Dosis und die korrekte Anwendung entscheiden, ob es konstruktiv oder destruktiv sein wird.

    Bei der ganzen Diskussion um „Erziehungs Stile“ finde ich es sehr wichtig zu verstehen, dass wirklich jeder, absolut jeder, mit allen vier Quadranten der Lerntheorie arbeitet.

    Jeder. Ausnahmslos.

    Es ist gar nicht möglich, die Quadranten voneinander zu isolieren, da in einem sehr kurzen Moment für den HUND- also den Empfänger - alles anders sein kann. Obwohl es vom Sender - dem Mensch - ganz anders gewollt war. Es ist Wunschdenken, dass man sich gezielt nur in einem Quadranten bewegt. Und auch völliger Quatsch, denn das Gehirn bedient sich der vollen Bandbreite, „Neuroplastizität“ - also „lernen“ - kann nicht so isoliert gesteuert werden

    Es geht eben NICHT um den Menschen, WIE dieser arbeitet. Es geht um den Empfänger, wie es dort ankommt. Oder wie es sich dort, manchmal innert Sekunden, entwickelt.

    Und das kann sich extrem schnell verändern, ohne dass es dem Mensch überhaupt bewusst ist.

    Das ist faszinierend und macht lernen so anspruchsvoll.

    Es relativiert dadurch aber auch jegliche Diskussionen im Netz, wo sich die Leute die Köpfe einschlagen. Das ist völlig sinnbefreit.

    Wenn man sich das mal bewusst wird, wird auch klar, dass „Strafe“ oder „Bestätigung“ nichts mit menschlichen Emotionen zu tun haben dürfen im Kontext der Ausbildung.

    (was wiederum falsch verstanden werden kann , wetten ich werde falsch zitiert? Emotionen am richtigen Ort zur richtigen Zeit sind Booster fürs lernen, genauso können sie aber auch starke negative Auswirkungen haben. Auch ein Lob kann zur Strafe werden - der Empfänger entscheidet, was es für ihn ist)

    Wir Menschen haben es aber halt leider einfach nicht im Griff, Emotionen rauszuhalten. Schönes Beispiel „Abbruch“. Oder „Gehorsam“. Nichts von beidem ist an und für sich mit negativen Emotionen verknüpft - bis es der Mensch tut.

    WorkingDogs

    Meiner Ansicht nach lernen die Wenigste, ganz korrekt und ohne negative Emotionen einen sauberen Abbruch aufzubauen. Das wird ganz oft in den völlig falschen Momenten aufgebaut oder angewendet, wodurch man mit enorm viel Druck und teilweise lauten Worten auf den Hund einwirken muss. Was natürlich völliger Mist ist und dementsprechend als böse und negativ gelabelt wird, allerdings eben das gesamte Thema Abbruch. Nicht nur das falsch umgesetzte.

    Ein korrekter Umgang damit schafft meiner Meinung nach einen ruhigen, nahrhaften Boden für das so mächtige belohnungsbasierte Training. Welches dann aber eben sein volles Potential ausschöpfen kann.

    Es sind dann eben alle Lernfelder involviert, immer im passenden Moment. (und ohne negative Straffe kein lernen, das ist sich auch zB eine Susan Garret voll bewusst) wie immer ist sauberes differenzieren nötig und angebracht

    Hemmen, umorientieren, das wäre mein Weg. Und nicht den Abruf als Abbruch missbrauchen

    das finde ich bei vielen Retrievern sehr wichtig. Und eben, dass das Hemmen bereits im Ansatz passiert, und mit äusserst wenig Einwirkung gearbeitet werden kann, nicht erst wenn der Hund bereits völlig ausser Rand und Band ist. Viele warten viel zu lange, bis sie in irgend einer Weise auf den Hund einwirken wollen, was dann logischerweise nicht funktioniert.