Ich wollte auch eher aufs Verhalten raus als auf Krankheiten.
(Achtung, es wird seeeeehr lang).
Also,
ich bin kein Problemhundexperte und habe Alfons leider auch nicht vor mir.
Deshalb nimm meine Gedankengänge bitte nicht als der Weisheit letzter Schluß sondern als eventuellen kleinen Baustein im ganzen Puzzle …
Sehr oft, wenn ich gelesen habe was Du von Alfons und seinem Verhalten berichtest, kam mir der Gedanke „zwei Seelen schlummern ach in seiner Brust“.
Denn RR und Labby unterscheiden sich im Wesen ja doch extrem.
Und ich könnte mir denken das sich diese gegensätzlichen Wesenszüge der beiden Rassen die sich in Alfons vereinen nicht perfekt ergänzen sondern eher dazu führen das er sich oft selbst im Weg steht.
Erschwerend hinzu kommt dann noch seine Vorgeschichte.
Wenn man nur mal das eine praktische Beispiel nimmt – ein Labby mag eigentlich alle Menschen, ist eher anschmiegsam, unerschütterlich und Fremden gegenüber aufgeschlossen, ein RR ist sehr zurückhaltend und uninteressiert ihnen gegenüber. Dazu oft übersensibel.
Und Alfons?
Ein bißchen von beidem, mal so mal so?
Wenn ja, könnte es sein das er für sich selbst keine klare Linie hat, etwas will das er nicht kann und sich irgendwie oft hin und hergerissen fühlt?
Ich habe ja einen RR und vieles was Du schilderst kann ich quasi vor mir sehen.
Die Verweigerung, der starre Blick, die extreme Unsicherheit in vielen Situationen.
Die plötzliche Angst, ausgelöst durch etwas das man selbst null nachvollziehen kann.
Die Tatsache das etwas Montags gut ist, das selbe Dienstags und Mittwochs aber ängstigt und verunsichert und Donnerstags plötzlich wieder alles so ist wie es Montags war.
Dann geht man froh und entspannt durch den Freitag und Samstag und denkt man hats ... und Sonntags fängt dann das Drama von vorne an.
Dazu das dauernde Hinterfragen, das einem ständig das Gefühl gibt der Hund überlegt sich alle nur denkbaren fürs und wieders ehe er sich endlich dazu durchringt das was gefordert wird zu tun.
Aber selten aus Trotz oder als Test wer der stärkere ist, man hat eher das Gefühl einen pedantischen, völlig Ritualabhängigen Erbsenzähler zu Hause zu haben der einfach nicht über seinen Schatten springen kann.
Der aber einen Moment später scheinbar wieder die Axt im Wald, ein Trampel hoch zehn und das unsensibelste Wesen weit und breit zu sein scheint.
Ich weiß das es so ist, wusste es von Anfang an und konnte da ich den Hund habe seit sie 8 Wochen alt ist die ganze Entwicklung unter Berücksichtigung dieser Eigenschaften steuern und die Erziehung um diese Unsicherheit drumherum aufbauen.
Das vorläufige Ergebnis, nun mit 21 Monaten, ist das sie wenn sie Unsicherheit zeigt - was sie schon noch öfter mal tut -, mich alles regeln lässt.
Das ging natürlich nur weil keiner (außer mir selbst
) an meinem Hund herumgekorkst hat und sie nie lernen musste selbst klarzukommen.
Bei Alfons ist die Ausgangssituation ja eine andere … und der Labbyanteil kommt mit ins Spiel.
Ehrlich, ich habe null Ahnung ob das was ich hier schreibe irgendwie Hand und Fuß hat.
Es ist einfach nur so ein Bauchgefühl.
Helfen wird es Dir akut leider erst mal auch nicht.
Auf Dauer aber vielleicht doch.
Denn falls an meinem Gedanken was dran sein sollte könntest Du vielleicht mit einem etwas anderen Ansatz bei der Erziehung mehr erreichen.
Bei uns, wie gesagt nur Ridgeback, funktioniert alles nur gänzlich ohne Druck.
Bzw wenn ich Druck mache muss ich ihn in rosarotes Plüsch verpacken und anwärmen.
Alles andere führt zur genau gegensätzlichen Reaktion wie ich sie haben will.
Es ist manchmal ein unendliches Geduldsspiel.
Aber der Hund, mein Hund – und vielleicht ja auch Deiner – kann nix dafür weil er eben einfach so gestrickt ist.
Das entschuldigt natürlich kein inakzeptables Verhalten.
Es hilft aber umzudenken und neue, andere Wege einzuschlagen und die Ruhe zu bewahren.
Das A und O unserer Beziehung ist unsere feste Bindung.
Meine Hündin braucht ganz dringend die Sicherheit die ich ihr gebe und vor allem das Gefühl sich 110% auf mich verlassen zu können.
Ausnahmslos!
Mache ich da auch nur einen winzigen Fehler (Beispiel Deine Gartenschlauchgeschichte) den ein anderer Hund vermutlich nicht mal bemerken würde kann ich für die nächsten Stunden jede Arbeit mit ihr vergessen.
Wir hatten Phasen da blieb sie plötzlich ohne erkennbare Ursache stehen und ich habe sie durch nix dazu bewegen können weiterzulaufen.
Stand stocksteif, glotzte an mir vorbei und ich konnte kaum Kontakt zu ihr aufnehmen, es war fast so als sei sie ganz wo anders.
Seh ich Dich nicht an siehst Du mich nicht.
Das passierte wochenlang immer wieder.
Und auch heute kann es noch vorkommen.
Heute kann ich sie aber überzeugen mit mir weiterzugehn.
Viele haben mir damals geraten einfach weiterzustapfen und den Hund mehr oder weniger mitzuziehen.
"Du bist der Chef, Du bestimmst wo entlanggegangen wird, nicht Dein Hund!"
Ich habe es nicht gemacht sondern versucht ihr zu zeigen das ich ihre Verhalten respektiere und ernst nehme.
Bin wochenlang umgedreht, Bögen gelaufen, habe gewartet, gelockt, ermuntert, die Wege von hinten erarbeitet, ignoriert, gelobt, …..
Wenn sie sich heute sträubt reicht ein Blick, ein nettes Kommando plus sofortigem Lob und eine Berührung an der Schnauze (ich bin da, wir gehen zusammen) und sie folgt mir.
Ungern und manchmal auch unsicher aber sie tuts.
Und ihr Verhalten während sie es tut zeigt mir das es keine Machtprobe war sondern sie einfach nicht aus ihrer Haut kann.
Ich weiß aber das sie nur mit mir gemeinsam so "stark" sein kann.
Und ich könnte mir sehr gut vorstellen das sie, wäre sie durch mehrere Hände gegangen oder hätte einige negative Erlebnisse gehabt, ein kleiner Problemfall geworden wäre.
Und statt mit Rückzug, Erdulden und Überwindung dann evt auch mit Angriff nach vorne ect reagiert hätte.
Ich habe oft gehört mein Hund würde mich um den Finger wickeln, hätte mich im Griff oder wurde belächelt wenn ich sie mal wieder 27x hintenrumgehoben habe.
Aber der Erfolg hat mir gezeigt das es genau der richtige Weg ist, so lächerlich, nicht nachvollziehbar oder kompliziert er auch auf andere wirken muss.
Der Schlüssel zu meiner Hündin ist eine sehr geduldige, sehr sanfte und ruhige Konsequenz, ganz viel Ermunterung und Lob.
Dazu nach und nach gewachsenes Vertrauen und einer möglichst klare Linie.
Die veränderbar ist wenn ich merke das wir so nicht weiterkommen.
Wenns sein muss so lange bis ich "unsere" gefunden habe.
Ob all das was ich jetzt hier getippert habe eine Winzigkeit, ein bißchen mehr oder sehr viel von Alfons Charakter und Seele wiederspiegelt musst Du entscheiden.
Vielleicht war es auch voll daneben und es sind wirklich gesundheitsbedingte Probleme.
Oder reine "Verhaltensstörungen" ohne rassebedingten Einfluss.
Möglicherweise kannst Du ihn aber auch in dem ein oder anderen wiedererkennen und Dir irgendetwas, und sei es noch so klein, aus meinem Geschreibsel rausziehen.
Ich sage vorab schon mal sorry für den laienhaften Ausflug in die Tiefenpsychologie von Ridgebacks, habe das alles jetzt rein aus dem Bauch heraus geschrieben 
LG
Tina
Ach ja, was ich die ganze Zeit schon sagen wollte ... ich finde es super wie Du mit Alfons und der ganzen Situation umgehst, wie motiviert Du dabei bist und wie Du Dich allen Problemen stellst und keine Mühen scheust alles in den Griff zu bekommen.
