@Liv
Da simmer wieder bei der alten Diskussion.... Wenn ich mitten inner Stadt auf einem engen Gehsteig auf Dich zugehe, und Du auf mich, weil wir halt grad entgegengesetzt laufen - irgendwann wird einer von uns ausweichen. Frei nach dem Motto "der Klügere gibt nach", oder wer halt grad in dem Moment mental der "Stärkere" ist, der Andere wird ausweichen.
Glaubst Du allen Ernstes, das sei dann ein Akt der Gewalt gewesen, der denjenigen von uns beiden, der ausgewichen ist, zum Ausweichen gebracht hat? :-) :-) :-)
Hast Du noch nie versucht, im Bus nen Platz zu kriegen, indem Du einfach schneller einsteigst, und den Anderen damit um nen Zentimeter übertriffst, und damit den Platz für Dich ergatterst? Das ist nichts Anders - Du verdrängst ihn, indem Du zuerst an der Stelle bist, zu der Du hin willst. Rein mit Körpersprache (schnell und gezielt da hinlaufen, allein das entmutigt Andere manchmal schon), dafür brauchst Du den net anzurempeln oder so.
Bist Du noch nie auf jemanden, mit dem Du heftig diskutiert hast, frontal zugegangen (oder hast das Körpergewicht zu ihm nach vorne verlagert, was Du ja wieder als Gewalt interpretieren würdest), wenn man grad irgendetwas ausdiskutiert? Oder einfach mal lauter geworden? Empfandest Du das echt als Gewalt?
Oder wenn ich Dich, bist Du bei mir zu Besuch, mittels Körpersprache aufs Sofa komplimentiere - ist das Gewalt? Ich sag Dir "nimm doch Platz", gehe Richtung Sofa, guck Dich an, zeige drauf und stell Dein Glas davor auf den Tisch hin. Körpersprache ist keine Gewalt. Sondern etwas, mit dem der Hund vom Welpenalter an aufwächst, und - noch wichtiger- die er versteht. Körpersprache ist Kommunikation. Und nichts Anderes. (Solangs net in Handgemenge ausartet *gggg und ich Dich beispielsweise an den Haaren zum Sofa schleife)
Selbstverständlich setzte (und das steht im Konjunktiv, bitte beachten) eine Korrektur, wenn sie denn anfangs überhaupt verwendet werden müßte (in Form tatsächlichen Wegdrängens/Schiebens), voraus, daß der Hund das Kommando WEITER in allen Situationen kennt (und die vorhergehende Körersprache kennt und ignoriert hat), und ich sicher bin, daß ers auch wahrgenommen hat, er halt nur eben falsche Prioritäten setzt. Nur, um das mal gesagt zu haben - ich hatte es nicht erwähnt, weil ichs für selbstverständlich halte. Aber wenn man mich schon der Gewalt bezichtigt, wer weiß, was dann noch so für Gedanken aufkommen :-) :-) (ok, das war jetzt ne böse Unterstellung....*zugeb....)
Man kanns auch einfach mit "Präsenz" machen - stehenbleiben, zum Hund wenden, dann Kommando entsprechend fest wiederholen (nicht laut, im Gegenteil - aber mit bestimmtem Tonfall). Einfach um rüberzubringen, es ist mir jetzt ernst. Auch das ist keine Gewalt - denn es wird kein "sonst passiert was" nachgesetzt (verknüpft) oder so, sondern einfach im Tonfall gesprochen, der gar keinen Gedanken aufkommen läßt, darüber nachzudenken, ob er jetzt hört oder nicht. Einfach, weil ich die Sicherheit zeige, daß er das jetzt selbstverständlich tun wird. Weiß nicht, ob Du das kennst. Jemand sagt was, und Du machst es einfach ganz selbstverständlich, ohne nach dem Grund zu fragen, weil derjenige es einfach souverän und selbstbewußt verlangt und rübergebracht hat. Ist auch keine Gewalt....
Achso - nein, so lernt der Hund nicht, daß er nicht an Pipipfützen lecken soll (dafür würde ich ihn grundsätzlich einfach zu keiner hinlassen), sondern daß WEITER bei mir auch WEITER heißt, und ich JETZT GRAD keinen Bock mehr auf sein Pipipfützenlecken hab. Denn wenn der Hund schonmal steht, und den Wunsch, weiterzugehen ignoriert hat (das war ja der Ausgangspunkt und die Frage hier irgendwo, darauf hatte ich mich bezogen), dann hat er schlichtweg schon ein Kommando ignoriert. Und da werfe ich net mit Wattebäuschchen, sondern setze mich konsequent durch - und zwar ohne Gewalt (ist nicht nötig), aber eben mit Körpersprache, weil der Hund sie versteht. Sie ist wie er: konsequent, eindeutig und nicht mißzuverstehen, auch wenn er grad etwas abgelenkt ist.
Viele Menschen müssen Körpersprache oder Stimme mit dem Hund erst extra üben: loben mit hoher Stimme, sich klein machen beim Abrufen, ein recht bestimmter Tonfall für einen Abbruch oder ein NEIN. Die können das einfach nicht mehr (schau Dir bloß heutzutage unsere Politiker ein - da schläft man beim ersten Satz der 2stündigen Rede schon ein und kann dem Redner unterm Reden die Schuhe ausziehen, ohne daß ers merkt, weil er vor lauer Langeweile schon selbst eingeschlafen ist. Oder hast vielleicht mal nen langweiligen Dozenten an der Uni/in der Schule erlebt - genau dasselbe). Ich selbst mache das ganz automatisch, rede viel mit Händen und Füßen, und insofern liegt mir auch mit dem Hund nichts näher, als mich mittels Körpersprache zu verständigen. Und die kennen mich inzwischen und erkennen kleinste Signale. Keine Rede von Gewalt.
Achja - auf einen einzelnen Guru (sei es A.K. oder C.M. oder wer auch immer) würd ich mich eh nie einlassen - ist mir zu schmalspurig, ich möchte lieber einen Koffer mit Instrumentarium parat haben, und das für den Hund Passende heraussuchen können. Und wenn was für meine Hunde funktioniert, und jemand Anderes macht dieselbe Erfahrung und macht (oder hat schon länger gemacht) ein Geschäft draus: Glückwunsch, der hat wohl nen besseren Sinn fürs Geldverdienen als ich..... :-)
Und komme mir bitte keiner mit "dann hats der Hund halt noch net gelernt in allen Situationen" - hey, der Hund ist auch nur ein Mensch und keine Maschine und hat halt mal eigene Interessen. Darf er, soll er sogar. Schlimm, wenn nicht - aber wenn die halt grad in diesem Moment meinen entgegenstehen, darf ich mich ja wohl mal durchsetzen (könnte ja auch grad ein Auto kommen oder sonstige Gefahren, ich hab schon meinen Grund). Ein Hund, der in allen Situationen perfekt gehorcht und keine eigenen Interessen verfolgt, ist für mich ne (langweilige) Maschine und eigentlich schon scheintot - weil der Halter ihm nichtmal so wenig Eigenleben gönnt (ja, ich hab nicht umsonst meine Terrier und den dickköpfigen Widerspenst-Pudel.....).
Zu Deiner Frage: der Hund wird bestätigt, weil er wie gewünscht die richtige Richtung einschlägt und weitergeht. Mit der Folge, daß er beim nächsten "Weiter!" gleich weitergeht - weil er eh weiß, ich setze mich durch, und weil er was davon hatte: ein Lob, ein Leckerli, n fliegendes Zerrseil, was auch immer. Inzwischen reicht ein wortloses "m-mmmm", wenn er was net machen möchte, ein leises Räuspern, ein fragendes "Boooosssssiiii?"- und es ist ok.
Vielleicht hat sich die Beschreibung mit dem Bedrängen etwas heftig angehört, sodaß Du so reagiert hast - aber Hunde sind ja im Gegensatz zu Menschen sehr fähig, Körpersprache zu lesen. Insofern war´s nie nötig, den Hund tatsächlich wegzuschieben, weil der natürlich schon reagiert, wenn man die Richtung auf ihn zu andeutet. Er hat mich ja schon registriert und das Kommando gehört (nein, meine Hunde sind nicht taub...meistens jedenfalls) - hat nur gerade andere Prioritäten.
Nebula:
sorry, Erziehungsdiskussion wollt ich eigentlich net, aber es wurde gefragt, wie man den Hund weiterbringt, wenn er grad net möchte, und so hab ich eben geschildert, wie ichs mache. Und den Vorwurf einer gewaltsamen Erziehung werde ich sicherlich nicht so stehenlassen.