Ich übertreibe es mal ganz bewußt, damit Ihr seht, was da eigentlich abgeht bei Euch grad: der Hund ist noch total neu bei Euch - sag mir EINEN Grund, warum er auf ein Kommando von Euch hören sollte - selbst, wenn er es kennen würde...
Wenn Du zu mir kämst, und gibst meinen Hunden ein Kommando, dann gibts nur EINEN Grund, warum die das auch ausführen - weil sie grad gut gelaunt sind und das lustig finden, oder weil Du grad Futter in der Hand hast. Ansonsten würden die sich nen Ast lachen über Dein Kommando. Weil sie Dich nicht kennen und nicht als "weisungsbefugt" wahrnehmen, sag ich mal so, vermenschlicht ausgedrückt. Genau wie Dein Hund derzeit noch - ganz klar, weil er Euch noch net richtig kennt und noch nicht kapiert hat, daß Ihr jetzt das Sagen habt (gerne hättet...).
Normalerweise gehorcht ein Hund seinem Besitzer - aber nicht, weil er weiß, das ist jetzt ab heute der Besitzer *gg, sondern weil dieser es lange und ausreichend mit dem Hund geübt hat. Und weil er sich als Anführer im Team bewährt hat. Weil man zusammengewachsen ist. Wie bei Kindern auch: den eigenen Eltern wird gehorcht - wenn ein Fremder irgendwas vom Kind verlangt, das Kind zeigt dem doch (im übertragenen Sinne!) den Stinkefinger..... :-)
Bei Euch ist noch keinerlei Beziehung da vom Hund zu Euch und umgekehrt, aber Ihr verlangt schon, daß er "funktioniert" wie ein Großer, mit dem Ihr schon 10 Jahre lang in der Hundeschule wart - siehst Du den Widerspruch? :-)
Zeigt ihm langsam, daß er Euch vertrauen kann, daß Kommandos von Euch sinnvoll sind. Seit konsequent - aber nicht handgreiflich! Einfach ruhig bleiben, wenn er nicht gleich kommt. Nicht brutal rauszerren unterm Tisch (da würd ich auch beißen, wenn einer frontal auf mich zukommt unterm Tisch und dann noch nach mir greift, und wahrscheinlich auch schon eine entsprechende Verärgerung erkennen läßt! Hilfe.....), sondern dann halt mit nem Leckerli locken - nicht frontal vorm Tisch stehen (auch da würde ich nicht rauskommen - der vor mir Stehende verbaut mir ja den Weg und blockt mich noch mit seiner Körpersprache! Immer seitlich stehen, laßt ihm den Weg frei in die Richtung, in der Ihr ihn haben wollt.), sondern z.B. mit nem Kauknochen am Körbchen stehen und in dort aus nem Abstand hinrufen. So fühlt er sich nicht bedroht, die Wahrscheinlichkeit, daß er kommt, ist sehr hoch (dank Leckerli), und er hat dann auch noch sofort ein Erfolgserlebnis, indem er das Gewünschte tut, und lernt "aha, wenn ich tue,was die sagen, gibts Leckerli". Will heißen, er lernt so, daß es sich lohnt, auf Eure Kommandos zu hören.
Wenn Ihr ne Hausleine dranmachen wollt - auch mit der kann man den Hund ermutigen, rauszukommen. Leine in die Hand nehmen, dazu Kommando "komm" (oder was auch immer) und mit nem Leckerli rauslocken, evtl. gaaanz leichten Zug auf die Leine geben, sodaß er eine Ermutigung kriegt, rauszukommen. NICHT zerren, oder damit gegen Widerstand von ihm arbeiten! Und sobald er eine Bewegung in die richtige Richtung macht (Kopf heben zum Aufstehen), sofort loben, damit er weiß, er ist auf dem richtigen Weg. Steht er auf: verhaltene Freude (nicht den Hund vor lauter Freude erschrecken - dann geht er gleich wieder zurück *gg) und "Jawoll, super, komm her!", gerne auch mit Leckerliwinken. Ist er vorgekommen unterm Tisch, kriegt er das Leckerli, wird ins Körbchen gebracht und dort bekommt er nochmal eins (am besten "Körbchen" dazu sagen, wenn er reingeht, damit er auch gleich lernt, das bedeutet, sich dort niederzulassen).
Wenn er Höhlen gerne mag, weil sie ihm Sicherheit vermitteln (so wie halt unterm Tisch!) - was spricht dagegen, wenn Ihr ihm eine Box zur Verfügung stellt, in der er sich beschützt fühlen kann, sodaß er nicht mehr unter den Tisch zu gehen braucht, wo er, wenn alle sitzen, durch die vielen Füße in Bedrängnis gebracht wird, und dann evtl. wieder schnappen muß, weil er Angst hat, getreten zu werden. Dann könnt Ihr, wenn er sich unterm Tisch verkriecht, ihn dort rauslocken, und anschließend zur Box führen. Gebt ihm eine Alternative zu dem Platz unterm Tisch, damit er weiß, wo er sicher liegen kann, und immer ungestört ist (auch kein Besucher oder Kind geht da ran - dieser Platz ist dann tabu, sein absoluter Rückzugsort und "Heiligtum"!).
Generell gilt beim Lernen: der Hund kann nicht lernen, wenn er unter Streß steht. Aus Situationen wie der, daß Ihr Ihn (wenn er sich grad net raustraut und er also schon zeigt, daß er Streß hat!) auf den Rücken dreht, aus für ihn (!) völlig unerfindlichen Gründen, lernt er nur Eines: daß Ihr vollkommen unberechenbar seid, gefährlich, und gewaltbereit. Und, daß Ihr ihn weder versteht (sonst würdet Ihr die Bedrängnis reduzieren in dem Moment), noch beschützt (sonst würdet Ihr ihn dann nicht auch noch "attackieren", indem ihr ihn rauszerrt udn auf den rücken werft). Wollt Ihr SO ein Verhältnis zum Hund?
Daß er dadurch eher in eine Verteidigungshaltung rutscht als ein Hund, der einen als verläßlich, souverän, ruhig und konsequent erleben durfte, ist doch klar.
Regel Nummer 2: Wenn Ihr was wollt und erwartet vom Hund, dann zeigt ihm bitte erstmal, WAS Ihr wollt! Euch haben auch erstmal jahrelang die Lehrer in der Schule Dinge beigebracht, bevor das Ganze dann bei der Abschlußprüfung (oder in einzelnen Arbeiten) abgefragt wurde. Oder habt Ihr jemals ne 5 bekommen in der Schule für etwas, das Ihr noch gar net beigebracht bekommen habt? Hat euch jemals einer in der 5. Klasse Abi-Aufgaben gestellt, und geschimpft, weil Ihr die net lösen könnt? Na also! ERST lernen - dann das Gelernte abfragen und konsequent darauf bestehen, daß es ausgeführt wird. Aber das heißt NICHT, daß ich (um beim Beispiel zu bleiben) den Hund dann rauszerre unterm Tisch - sondern einfach nur, daß ich nicht aufgebe, wenn er nicht gleich kommt. Rauslocken, raus rufen, rausführen mit der Hausleine, was auch immer - man muß schon drauf bestehen, daß er rausgeht - also nicht einfach "naja, dann halt net" oder so. Aber man muß eben die Mittel, mit denen ich den Hund da rauskriege, adäquat wählen. Und fragt Euch nach dem Grund, wenn er grad net kommt, das finde ich ganz wichtig. Meist ist nämlich der Halter Schuld: die Körperhaltung läßt Verärgerung erkennen und beroht damit indirekt den Hund, der Tonfall ist nicht gerade einladend, evtl. steht hinter Dir grad der Erzfeind-Hund, und er traut sich einfach nur net, zu kommen, Du stehst frontal und groß aufgebaut vorm Hund (und blockst ihn damit körpersprachlich, während das Hörzeichen=Kommando ihn herholen möchte - was soll er nun tun?? Kommen oder wegbleiben - man signalisiert Widersprüche). Oder der Hund hats schlicht und ergreifend noch nicht ausreichend gelernt, was das Signal bedeuten soll. Oder die Ablenkung in der Situation ist noch zu groß (wenn Hundi grad am Spielen oder Futtern ist, hat der eben einfach andere Prioritäten anfangs....). Es gibt tausend mögliche Ursachen für ein Nicht-Gehorchen (incl. evtl. Taubheit oder sonstiger Behinderungen!). Und die muß man erkennen können bzw. wenn man sich dessen bewußt ist, daß es die gibt, kann man die aktuelle Situation samt Umfeld ganz bewußt wahrnehmen, und herausfinden, was den Hund gerade daran hindern könnte, xy zu machen. Es ist NIE böser Wille vom Hund.
Das Wort Hundeführer kommt von FÜHREN. Und das bedeutet, dem Hund zu zeigen, wie er mit Euch am besten durchs Leben kommt, ihn anzuleiten, wie er was und wann richtig macht. Positiv gemeinsam Dinge zu bewältigen. Sich über Erreichtes gemeinsam zu freuen. Gutes zu belohnen, an Verhalten, das Euch so nicht gefällt, zu arbeiten, indem Ihr dem Hund zeigt, was er stattdessen tun soll. Denn wenn er das Richtige tut, könnt Ihr ihn loben. Das bedeutet: bei schlechtem Verhalten RECHTZEITIG erkennen, was der Hund vor hat, und schnell einzugreifen, um ihm die gewünschte Alternative zu bieten. Beispiel: Hund möchte mit den Vorderfüßen auf den Tisch, weil die Leckerli draufliegen. Du siehst den Ansatz, mit den Füßen hochzugehen (zB die Nase geht interessiert Richtung Tisch), sagst freundlichst (!) seinen Namen (dadurch wird er erstmal abbrechen, weil er guckt, was Du von ihm willst), und sagst dann z.B. SITZ. Wenn er sitzt, kriegt er eines von genau diesen Leckerlis. So lernt er, daß, wenn er da ran möchte, er bitte vor dem Tisch sitzen soll. Wenn er etwas möchte, Euch das zeigen soll. Über Euch ans gewünschte Ziel kommt. Fehlverhalten also gar nicht entstehen lassen, sondern dem Hund gleich die richtige Alternativ zeigen. Dann muß man nämlich nicht erst anfangen, irgendwelche schlechten Angewohnheiten wieder auszutreiben..... :-) Also Fehlverhalten quasi gar nicht erst zulassen, indem man Ansätze dazu erkennt und dann schnell die Alternativ-Tätigkeit abverlangt. Eine Frage des Timings.
Die Einstellung, mit der Ihr da unterwegs seid mit Eurem neuen Familienmitglied (das Euren Respekt verdient, wie jedes andere Lebewesen!), solltet Ihr da nochmal etwas überdenken - so kommt Ihr miteinander auf keinen grünen Zweig. Du schriebst:
....... der Hund kennt doch keinerlei Respekt oder sehe ich das falsch ? ......
Ja, vollkommen falsch: Du verkennst, das der Hund einfach nur neu und verunsichert ist bei Euch momentan, und Du zeigst NULL Respekt vor ihm, geschweige denn Verständnis für seine Reaktionen. Du schreibst, Du hast 10 Jahre lang einen Hund gehalten? Nun ja - sowas heißt ja generell nicht, daß man bei dem anderen Hund dann alles richtig gemacht hat..... oder daß das, was man bei dem richtig oder erfolgreich gemacht hat, für diesen Hund jetzt auch das Richtige sein muß. Informiere Dich aktuell zum Thema Lernverhalten, geh in eine Hundeschule, die ohne Gewalt oder Meideverhalten wie Packen und am-Hund-Rumzerren arbeitet. Die Dir beibringt, einen Hund zu lessen (Körpersprache). Sei bereit, dazuzulernen, und Dein bislang Gelerntes ad acta zu legen oder zu ergänzen.