11 wie mobil bist Du; siehe Punkt 6 (Auto? Bahn? Geht mir dabei darum, ob Du zu guten Trainingsgebieten kommst, wo erstmal nicht so viel Ablenkung ist, denn von 0 auf 100 geht natürlich schief). Ohne Fahrzeug ist´s schwieriger, vielleicht kann man dann erstmal im eigenen Garten üben, dann nen netten Nachbarn zum Kaffee einladen und mit dem Hund derweil üben, dann mal Kinder einladen, und während die rumlaufen (langsam, kein geschrei), über etc. - Ablenkung in kontrollierter Umgebung langsam steigern. Irgendwo geht das immer, mußt halt überlegen, wie Du das bei Dir umsetzen kannst.
12 wo ist der Hund ganz besonders abgelenkt - eher Feld, eher Wald? Dann bewußt erstmal eher dort trainieren, wo es net ganz so schlimm und ablenkungsreich ist.
13 hast Du nen Trainer, der Dich bisher unterstützt, wenn ja - wie/womit arbeitet der, was hat der schon vorgeschlagen? (nur, um zu beachten, daß das, was ich vorschlage, nicht kontraproduktiv zu dieser Arbeit ist).
14 Habe ich das richtig gelesen, der Hund hatte bereits Jagderfolg incl. dem Töten? Hetzen, Spurenverfolgen, etc.
15 Auf was für Reize spricht der Hund unterwegs an außer Tieren/Spuren: Bewegungsreize? Gequietsche (zB von Kindern)? Schon ein Rascheln von Laub/Wind in der Baumkrone? Sucht er eher Spuren, oder geht er eher auf Sicht? Meiner geht, wenn er darf, z.B. auf Spurensuche und verfolgte die früher, bis er das Tier irgendwo hochgemacht hatte und hetzte dieses - gekriegt hatte ers gottseidank nie.... Aber er geht auch auf Sicht, z.b. bei Rehen, also reagiert er auch auf Bewegungsreize. Letzteres ist einfacher - dadurch, daß ich ein paar cm größer bin als er, sehe ich das Wild schneller als er. Aber wenn ers erst riecht oder erstöbert, ist er schneller - und dann muß ich ihn lesen und vorher erkennen können, daß er was in der Nase hat. Siehst Du sowas bei Deinem Hund? Wenn er auf Bewegungsreize geht, hilft Impulskontrolltraining (Reizangel oder Apportieren von geworfenen Gegenständen, aber erst nach Deiner Freigabe!) sind es Geräusche, hilft evtl. ein Aufmerksamkeitssignal wie "schau" oder ein Kommando wei FUß oder so, weil er Dich dann angucken muß - und wer Dich anguckt, sit eher im Kopf bei Dir als einer, der das Gebüsch auf Wild scannt. Geht er auf jedes Minigeräusch, hilft desensibilisieren, in kurzen Sequenzen.
16 Hab grad bissel in alten Beiträgen von Dir geblättert, ihr hattet auch Baustellen in Puncto Ängstlichkeit - ist die schon besser, oder braucht/bekommt der Hund unterwegs noch Schutz von Dir? (Hintergrund: je mehr Sicherheit DU dem Hund vermitteln kannst in für ihn "komischen" Situationen, desto mehr wird es sich für ihn lohnen, sich an Dir zu orientieren, und es wird einfacher, ihn auf Dich zu konzentieren).
17 was ist, wenn Ihr Wild seht, was tut Ihr dann? Hatte da anfangs einen kreischend in der Leine stehenden Terrier, der tobte... Hatte von meiner Trainerin damals den Tip bekommen, den Hund in der Situation einfach nur abzulegen (Platzkommando), und zu warten - bis er sich beruhigt hat. Warnung: das kann auch mal 3 Stunden dauern, sowas muß man gezielt machen. Erst dann weitergehen. Hintergrund: so lernt der Hund ohne Dein Zutun, sich runterzufahren. Nicht auf Kommando, sondern selbständig, das ist das Wichtige dabei. Bossi steht, wenn er so weit ist, einfach auf und schüttelt sich (Streß abschütteln!), und dann weiß ich, wir können gehen. Und dann gehen wir - ruhig, gesittet und ohne Leine durch den Wald! Das dauert, bis ers kann - neulich angesichts eines Fuchses waren es nichtmal mehr 2 Minuten, bis wir weitergehen konnte, und zwar ruhig. (Wenn man gleich weitergeht, ist der Hund beim nächsten Tier "in der Nase" umgehend wieder am Jagen, weil er noch so unter Strom steht, daß er sich nimmer beherrschen kann, selbst wenns beim ersten Mal geklappt hatte.) Beim ersten Mal standen wir über ne halbe Stunde, inzwischen 2 Minuten - wenn das kein Erfolg ist....
18 Wissen zum Hormonhaushalt: hatte der Hund einen Jagderfolg, so ist er durch die Adrenalin- und Cortisol-Ausschüttung bis zu einer Woche (!) unter Strom und leichter empfänglich für jagdliche Reize - dann heißt es, die nächsten tage nur ruhig zu arbeiten, kurze Gassigänge (damit er sich beherrschen kann) in reizarmer Umgebung, notfalls mittels Leine sichern.
Nachdem ich seit 7,5 Jahren mit meinem Jagdgetier zugange bin, und inzwischen mit ihm leinenlos im Wald durchs Gestrüpp gehen kann, ohne daß er abhaut, denke ich, daß da evtl. schon noch paar Sachen dabei sind, einfach aus der Erfahrung raus, auch wenn ja jeder Hund ganz anders reagieren kann. Ich glaub, ich könnte inzwischen schon selbst bald Anti-Jagd-Seminare abhalten..... *gg
Hab auch schon oft zum Thema geschrieben, wenn Du also gern in alten Threads nach Beiträgen von mir stöberst zum Thema Jagen - tu Dir keinen Zwang an.... :-) Aber mit den oben erfragten Infos kann ich Dir vielleicht gezielter Rat geben.
Problem ist halt, daß man beim Jagen eigentlich nur an möglichst vielen Symptomen rumarbeiten kann (und natürlich am Gehorsam, dem generellen Erregungslevel unterwegs, bestimmten Verhaltensweisen, aber auch dem Verhalten des Hundeshalters - Bällchenwerfspiele z.B. pushen den Hund unnötig hoch, dann tendieren sie eher dazu, auf Wild überzuspringen, weil im Adrenalinrausch etc.), um das unter Kontrolle zu kriegen, den Jagdtrieb selbst aber schlicht net wegbekommen kann, da angeboren.
Und da muß man halt gucken, wie bzw. wo man im Alltag bei genau diesem Hund ansetzen kann. Und das ist schwierig, ohne ihn gesehen zu haben (viel kann man an der Körpersprache ablesen - erkennst Du sowas gut?), und wenn man die Körpersprache nicht sehen kann, muß man sich halt mit solchen Fragen nähern.
Wer anhand der Körpersprache des Hundes rechtzeitig erkennt, daß der am Finden einer Spur ist, kann ihn noch abrufen - ist er mal losgerannt, ist es meist zu spät, und man kann nur noch warten auf seine Rückkehr und beten, daß er net irgendwo unters Auto kommt..... Erkenne ich, daß der Hund auf 180 ist, kann ich ihn rechtzeitig anleinen. Denn wenn er auf 180 ist (weil derzeit nicht ausgelastet, oder zu viel Aufregung die letzten Tage, oder zu viele Hunde auf der Wiese-da muß man seinen Alltag auch bisserl überblicken und berücksichtigen), springt er schneller auf jagdliche Reize an, und ich muß besser aufpassen oder anleinen, und gehe an dem Tag besser nicht in der Dämmerung in den Wald *gg
Kennst Du das Buch von Pia Gröning zum Anti-Jagdtraining? Hat mir damals gaaaanz viel geholfen, wenn ich auch aus bestimmten Gründen nicht alles so umgesetzt habe wie beschrieben (z.B. Löcherbuddeln oder sonstige jagdliche Sequenzen als Bestätigung - Jagen ist bei mir außerhalb des Trainings komplett tabu, dazu gehören intensives Schnüffeln (Spurensuche, damit man dem Geruch dann nachgehen kann), aber eben auch Löcherbuddeln nach Mäusen. Inzwischen darf er Mäuse buddeln - bis er das Loch gebuddelt hat, ist die Maus über alle Berge, und er ist jederzeit beim Buddeln abrufbar.).
Hier der Link zum Buch: http://antijagdtraining.de/