Wenn der Hund Euch gegenüber dann nicht aggressiv reagieren sollte eine ganze Weile, dann liegts an den Hunden untereinander. Das wäre erstmal der Jackpot. Denn ein Hund, der auf Menschen ginge, ohne daß man rausfindet, warum, ist ne wandelnde Zeitbombe, und da müßte man dann echt gucken, in welchen Verhältnissen der am besten untergebracht und gearbeitet würde. Jedenfalls net in ner Familie mit Kindern. Und hundliche Aggression kann man handhaben. Mit Maulkorb, mit Hunde trennen, mit Üben (Gewöhnung unter Einsatz von Maulkorb und Trainer), mit Management. Aber das muß man dann sehen.
Die Frage ist immer - ist man bereit, selbst unter Umständen sehr lange Zeit mit solchen Einschränkungen zu leben. Wußte man vorher von dem Verhalten, oder hat man nen lieben Familienhund für die Kinder gesucht. Von dem Traum müßte man sich dann verabschieden, und eben die Frage stellen, will ich das so leben, und wie kann ich das in meinem Alltag handhaben, bin ich in der Lage, jedes Risiko für Kinder (aber auch Besucher oder Passanten auf der Straße etc.) auszuschließen durch mein Management. Macht der Partner mit? Wie schauts aus mit Urlaub? Schwierige Hunde mitzunehmen, könnte logistisch eine Herausforderung werden. Ich hab Frieda dann nicht mehr mit Biene oder Bossi allein im Auto gelassen. Zusammen m Hotelzimmer ging auch nicht. Inzwischen hab ich Auto mit Trenngitter, da geht das, inzwischen bleibt Frieda auch ruhig mit allen beiden im Auto, inzwischen schläft sie im Hotel ruhig in ihrer Box, während die anderen beiden frei sind. Gehen wir frühstücken, wandert vorher mal die eine, mal die andere Fraktion in die Gitterbox im Auto, der Rest bleibt auf dem Zimmer. Kein Problem, nur Management. Gassi alle zusammen, würde bei 2 Personen aber auch getrennt funktionieren. Wir machen nen Kompromiß im Urlaub: alle Hunde zusammen, Tochter kümmert sich um die 2 Räuber und ich um Frieda. Aber wir könenn zusammen gehen, alles ist ruhig inzwischen - aber sind auch seitdem 6 Jahre vergangen..... :-)
Das kann mögicherweise über Jahre gehen, oder gar, so lange dieser Hund lebt. Und man sollte natürlich auch berücksichtigen, was der Hund noch für Chancen hat in seinem Leben, wenn der als "unkontrolliert beißend" ins Tierheim zurückgeht. Die eigenen Finanzen sind auch nicht ganz ausschlaggebend, denn die Trainer arbeiten ja auch net alle umsonst, und auch der Doc wird den Hund nicht umsonst durchchecken.
So ein Hund ist ne Aufgabe - und man muß echt gucken, ob man sich dem gewachsen fühlt. Aber wenns hinterher halbwegs entspannt läuft, ist es umso schöner, die gemachten Erfolge zu sehen. Aber Ihr allein entscheidet, ob Ihr das bereit seid, auf Euch zu nehmen, oder das Eure Möglichkeiten übersteigt. Frage ist halt dann, wohin mit dem Hund..... Das Tierheim - könnte sein, daß jetzt in der Urlaubszeit die Leute nicht oft da sind im Büro, da würd ich erstmal noch abwarten, ob ne Rückmeldung kommt. Notfalls mal dort persönlich aufschlagen, und anfragen, ob die weitere Infos zum Hund geben könnten, oder der Tierheimtrainer zur Verfügung stünde - kostenlos, selbstverständlich! (Ob der was taugt, müßt Ihr halt gucken.....) Wenn die sich aber gar nimmer melden, dann könnt Ihr Euch an drei Fingern abzählen, warum..... (dann haben die wahrscheinlich vorher schon gewußt, was das für ein Hund ist).
Was auch herauszufinden wäre (unter Aufsicht des Trainers und Maulkorbsicherung!), ist, wie der Hund auf andere Hunde reagiert. Vielleicht ist´s nur euer Ersthund, auf den er so reagiert?
Und laßt den Trainer auch mal draufschauen, was hier schonmal angedeutet wurde: evtl. sieht der Hund sich einfach als "Chef" unter den Hunden, was den Übergriff auf Mica beim Anleinen von diesem erklären könnte. Sprich "Erst ICH, dann der da" oder so. Wenn dem so ist, könnten Ihr mit Eurer Bevorzugung Eures Ersthundes diese Aggro-Anfälle auch erst provoziert haben. Daß der Hund sich dann mal rumdreht und den Menschen packt, kann einfach nur ne Überspungshandlung im Eifer des Gefechts sein, der muß deswegen net generell auf Menschen aggressiv reagieren: er korrigiert den anderen Hund, der sich in seinen Augen "vordrängt", irgendwas will ihn daran hindern - daß das Eure Hand ist, hat er dann evtl. einfach erst zu spät gesehen..... Würde auch erklären, warums schlimmer wird: Ihr versteht einfach nicht, daß ER der Chef ist (sein möchte *hust...), also muß er jedesmal deutlicher werden, wenn Ihr WIEDER den Ersthund zuerst anleint, statt ihn zuerst zu nehmen. Aber das ist nur eine von vielen Möglichkeiten, das muß man echt vor Ort sehen und (möglichst unter Ausschluß von Risiken) austesten.
Mit Baumann seid Ihr dabei sicher nicht schlecht aufgehoben. Jedermann würde ich da nicht ranlassen, daher oben auch die Bemerkung, daß ich nciht weiß, ob der jeweilige Tierheim-Trainer dann was taugt.
Übrigens: wenn die Attacken nur auf Euren Hund gehen, dann ist eigentlich ne gesundheitliche Ursache eher auszuschließen, denk ich, dann liegts am Verhältnis der Hunde (also auf Ersthund bezogen), oder generell an ner Hundeunverträglichkeit (alle Hunde). Vielleicht gibt das dann nach ner Weile schonmal nen Anhaltspunkt, wenn der echt nur bei Situationen mit anderen Hunden abgeht. Wäre cool, weil das einfach leichter zu handhaben ist als ein Hund, der auch Menschen grund- und wahllos mal angreift und mal nicht (und da dran glaub ich net - irgendeinen Grund gibt´s immer - man muß nur rausfinden, was, und was der Hund vorher zeigt - das kann halt schwierig sein).
So - so viel erstmal für den Anfang. Eure wichtigste Entscheidung, denke ich, ist schon gefallen, denn sonst würdet Ihr keinen Trainer suchen, wenn Ihr nicht bereit wärt, das anzugehen.
Seid mutig, traut Euch, laßt Euch von kleinen Rückschlägen nicht beeindrucken... Ich werde weiter mitlesen und hoffe, ihr kommt schnell auf die Ursache. Schützt den Ersthund erstmal, vorerst kein Kontakt mehr mit dem Großen ohne Aufsicht und Maulkorb- am besten gar kein Kontakt (bis der Trainer draufgeschaut hat), dann kann keiner der beiden was mißverstehen und irgendwelche Sachen, die er am Anderen nicht "mag", im Hinterkopf aufstauen....
Ich bin heute froh, daß ich es gewagt habe, wir leben relativ entspannt, meine Hunde gehen aber auch net drauf, wenn Frieda mal schnappt, sondern weichen aus (ja, auch der Terrier *gg) und machen einen Bogen um sie beim Spazierengehen. Sie haben gelernt, uns zu vertrauen, daß wir Frieda im Griff haben, und Frieda hat gelernt, daß Ihr bei uns nichts passiert und sie nicht immer gleich selbst aktiv werden muß. Ich habe ein Zeitfenster bei ihr, in dem ich eingreifen kann, sodaß nichts mehr eskaliert.
Aber man muß sich natürlich auch bewußt
sein, wenn die Ursache für das Verhalten in Deprivation oder solchen
Dingen liegen sollte, daß man nicht alles wegtrainiert bekommen
könnte... Solltet Ihr noch weitere Fragen haben, immer her damit - ich
helf gerne mit Ideen weiter. Ein Trainer bin ich selbst ja net, aber ich
denke, in den 6 Jahren mit Frieda bisher haben wir viel erreicht, und
noch mehr dazugelernt :-) Manchmal reicht es ja auch, gemachte
Erfahrungen zu teilen.... :-)