Inzwischen gehe ich alle paar Wochen (wie halt grad paßt) mal auf ne Hundewiese mit ihr, die sehr groß ist, und viele Möglichkeiten zum Ausweichen hat. Ich kündige den anderen Hund an, der darf herkommen (ich suche aus - Hunde, die nicht heranstürmen, sondern sich eher vorsichtig nähern, andere werden geblockt oder ich weiche aus. Denn auf stürmische Hunde würde auch mein Bossi evtl. mit einer Korrektur reagieren, aber völlig gerechtfertigt, und das mag ich nicht unterbinden, auch bei Frieda nicht. Kann aber bei Frieda nicht sicher unterscheiden, ob sie nur korrigieren möchte, oder ihr übliches Schnappverhalten zeigt, daher laß ichs nicht dazu kommen, daß einer ranstürmt, damit ich net falsch reagieren kann), es wird kurz beschuppert. Mehr als 2-3 Sekunden geht noch nicht, dann schnappt sie - aber das ist im Gegensatz zu dem anfänglichen Toben allein beim HÖREN eines Hundes ein Klacks, das kann ich abblocken, indem ich ihren Kopf wegschiebe mit den Fingern. Ruhiges Schnuppernlassen bestätige ich, u.a. mit Weggehen und verbal (möchte da keine Leckerlis reinwerfen zwischen sie und nen Fremdhund.... *gg Nicht daß ich mir wegen Ressourcen das bislang Erarbeitete kaputtmache). Jeder Versuch zu schnappen wird mit einem "Nanana!" oder "äh-äh...." geahndet. Wenn ich also zu langsam war mit Weggehen, und sie kommt tatsächlich zum Schnappen (sie schnappt eher in die Richtung, aber nicht gezielt in den Hund! Früher hat sie den Hals zum Ziel gehabt....), gehe ich auch weg - aber ohne verbale Bestätigung (wobei das Weggehen ja trotzdem bestätigt - bisserl doof...), und lasse beim nächsten Mal weniger lange schnuppern.
Es ist immer ne Gratwanderung, je nachdem, wie gechillt oder gestreßt der Hund in dem Moment ist, muß ich mich anpassen, ob ich das nur einmal zulasse, oder es 2-3mal üben kann bei der Gelegenheit. Keinesfalls darf die Situation mal so ausarten, daß sie sich genötigt sieht, sich komplett zu verteidigen, dann könnten wir wahrscheinlich von vorn anfangen.
Es war viiiiel Arbeit - aber wir waren beim letzten DF-6er-9er-Treffen tatsächlich mit ihr dabei! Sie war ein bißchen aufgeregt, aber ich habe sie aus dem gröbsten Hundeknäuel rausgehalten, sie konnte problemlos mitlaufen, solange keiner direkt an sie ran ist, sie ist paarmal gegen einen Hund gerempelt, als es eng wurde (bin also bewußt nicht mit nem Abstand gelaufen, sondern hab nur geguckt, daß es nicht zu eng wurde innerhalb des Haufens, weil ich sonst mit ihr nicht ausweichen kann), oder wurde gerempelt, wenn Andere rannten - sie lief einfach weiter ohne zu schnappen. Nur, wenn einer vor ihr stehenbleibt, muß ich bisserl aufpassen und sie außenrumführen oder zu mir nehmen. Sie ging mit ins Wasser zum Schwimmen, neben den Anderen - kein Problem. Ein einziges Mal ist ein Hund im Vorbeirennen voll gegen sie gerannt (weil er im Kopf grad woanders war, war ein Versehen), da hat sie dann ein Verhalten gezeigt, daß ich aber eher als Korrektur gewertet habe in der Situation. Hat halt geschimpft und kurz 2 Sprünge nachgesetzt (an der Leine nicht weiter wild, ich kann sie ja halten), und hinterhergebellt. Ist aber umgehend wieder "runtergefahren" und hat sich beruhigt, daher tippe ich auf Korrektur, nicht auf Aggro-Verhalten. Und das darf sie weiterhin. Bin ja froh, wenn sie Korrekturen irgendwann sauber zu setzen lernt (und ich lerne, das zu erkennen *gg damit ich nicht fälschlicherweise eingreife), statt zu glauben, gleich jeden Hund töten zu müssen wie früher. Und die wollte Ernst machen, was bei nem Jagdterrier kein Spaß ist.... (schönes Wortspiel *g)
Ja - sie ist (einzig!) in der Hinsicht noch nicht ganz das, was ich mir mal erträumt habe - einfach der Dritthund, der zu den anderen beiden gehört - aber was wir erreicht haben, ist eh schon Wahnsinn, so wie die sich früher aufgeführt hat. Und nachdem ich den Eindruck habe, daß sie jetzt sehr gechillt und entspannt Gassigehen kann, und nichts vermißt, forciere ich das mit den Hundebegegnungen auch nicht, ich denke, würde ich massiv dran arbeiten, ginge da noch mehr. Aber ich eile da lieber mit Weile, wie das Sprichtwort so schön sagt - das Eisen ist mir zu heiß, um da nen Rückfall zu riskieren, nur weil ich der Meinung bin, die müßte mit meinen anderen beiden kuscheln.... Überstürzen bringt nix.
Und ich wette - so interessiert, wie Bossi immer mit Frieda ist, wird, wenn überhaupt, er derjenige sein, der das Eis bei ihr brechen kann.... Neulich auch wieder: wollte Gassi mit Frieda alleine, Biene und Bossi waren zuvor. Da stand Bossi neben mir und wollte uuuunbedingt mit uns nochmal mitlaufen. Wir gehen auch zu Dritt (naja, zu Viert, halt mit allen drei Hunden *gg) schon Gassi, und es stört Frieda nicht im Mindesten, daß die beiden Anderen um sie herumwuseln. Und Bossi guckt daheim immer mal wieder zu Frieda, wenn die abends in der Box ist, oder kommt eben zum Spazierengehen mit und guckt dabei, was sie unterwegs so macht.
Einmal war ich bei ner Freundin letztes Jahr imSommer grillen und hatte beide dabei. Bossi und deren Hündin durften frei laufen, Frieda war am Baum mittels Leine festgemacht, war im Schatten. Die Hündin hat einfach abstand gehalten. Aber Bossi: Bossi ist immer wieder in Friedas Nähe gelaufen, sie hat sich wieder aufgeführt und gebellt, Bossi ging wieder weg - man hat richtig gesehen, wie er den Abstand auslotet, den sie zuläßt. Irgendwann hat sie ihn dann tatsächlich ihn auf nem Abstand von ca. 3-5 Metern akzeptiert und sich ganz einfach ruhig hingelegt und ist entspannt eingeschlafen. Hat offenbar gemerkt, der will ihr nix. Dann hat auch er sich hingelegt, nachdem sie verstanden hatte, mit Blick zu ihr. Als wollte er aufpassen... :-) Das lief über den ganzen Nachmittag, bis die sich entspannen konnte....
Ich würde bei Dir ähnlich vorgehen: erstmal keinerlei Hundekontakt, bis der Hund ruhig Gassigehn kann. Denn wenn der immer auf 180 ist, weil es könnte ja ein Hund kommen, dann steht der unter Dauerstrom. Also Gassigegend anpassen, wenn möglich, deutlich Hunde blocken, und ihm zeigen, was er tun soll - Fußgehen, hinter Dich gehen, oder Du drehst um mit ihm, was halt grad paßt und Dir am günstigsten vorkommt für Euch in dem Moment. Sodaß er halt lernt, DU hälst Hnde fern, er braucht sich nicht zu ereifern.
Mein Ziel wäre im ersten Step, genau diese Gleichgültigkeit mit anderen Hunden, wie sie Frieda heut beim Gassi hat, zu erreichen. Weg mit der Erwartungshaltung, weg mit dem Zustürmen - ich glaube, daß Deiner Beschreibung nach der Hund glaubt, er müsse Hundebegegnungen für Euch regeln, damit aber einfach überfordert ist, weil er das Verhalten anderen Hunden gegenüber nie richtig gelernt hat. Und daher würde ich erstmal klarmachen, daß er gar nix zu regeln hat, indem ich alles übernehme und ihm den entsprechenden Schutz geben, daß er sich damit nicht auseinandersetzen muß.
Erst dann ist er aufnahmefähig genug unterwegs, wenn er nimmer unter Dauerstrom steht, um daran zu arbeiten, die Abstände zu verringern. Und um ihm ein Alternativverhalten beizubringen. Fußgehen, langsam im Bogen um Hunde herumlaufen, etc. Dann darf er auch mal, wenn ein Hund wo gepieselt hat (und er dabei zusehen konnte und ruhig blieb), (als Bestätigung) an der Stelle schnuppern. Quasi "wenn Du ruhig bleibst, darfst Du schnuppern" (aber halt erstmal nur an der Pipistelle)...
Wenn Du mit etwas Abstand an anderen Hunden vorbeigehen kannst und er ruhig bleibt, kannst auch mal kurze (!) Gassiteilstrecken mit anderen Hundebesitzern im Feld machen, wo man den Abstand entsprechend großzügig variieren kann, je nachdem, wie der Hund drauf ist, damit er nicht ins Pöbeln gerät. Wird er nervös - allein weitergehen (am besten aber vorher abschätzen, wie lange Strecke zusammen er verträgt, ohne nervös zu werden, und rechtzeitig abbiegen).
Wenn das alles so geht, ist er eh von sich aus schon ruhiger und wird nicht mehr so auf andere Hunde zustürmen, und Du kannst ihm auch zeigen, daß man (nur) langsam laufend zu anderen Hunden hin kann - und gehst halt dann erstmal nur so weit hin, wie Deiner komplett ruhig bleibt. Fängt er auch nur an, hochzufahren, drehst postwendend um - "mit Hochfahren komm ich da nie hin" muß ankommen.
Du kannst Dich dann auch mal an ne Hundewiese etzen (außerhalb der Umzäunung), und den Hund einfach ne Zeitlang den anderen Hunden zugucken lassen. Kommunikation beobachten, etc. Bitte Abstand so halten, daß er ruhig bleiben kann und gar net erst hochfährt durch die Anwesenheit anderer Hunde.
Und dann halt austesten, mit ganz ruhigen souveränen Hunden, Begegnungen mit ganz langsamer Annäherung, evtl. an der Schlepp gesichert, und wenn es freundlich und ruhig zugeht, darf er kurz schnuppern, und weitergehen - damit er nicht wieder aufgeregter wird. Irgendwann lernt der das dann, daß es auch längere Zeit geht, ruhig zu bleiben.....
Und für Dich als Trost: es muß nicht jeder Hund mit jedem dauernd "spielen gehen" - meist wollen die Hunde das gar net so dringend, wie die Menschen glauben. Solange der Hund mit ausgewählten befreundeten Hunden problemlos Kontakt hat, würd ich Fremdhunde eh grundsätzlich meiden.
Für den ein oder anderen Hund ist es einach streßfreier, mit seinem Menschen alleine zu gehen, als wilde Toberunden mit immer wieder fremden Hunden zu absolvieren. Dieses sich immer wieder auseinandersetzen müssen mit fremden Hunden setzt die bloß unnötig unter Streß... (das hast ja in der Hundeschule gesehen, hast Du ja geschrieben)
Menschen
haben oft die irrige Vorstellung, das sei ein Hund, und der müsse mit
jedem Hund, der ihm begegnet, erstmal ne runde "Spielen", und die
meisten von denen sehen gar nicht, wie sie ihre Hunde damit unter Streß
setzen oder überfordern.