@Emanuela Wie meinst du das? Kannst du mir ein bsp geben? Wenn ich z.B. einen großen Hund beim spazieren gehen treffe, weiß ich ja schon das er reagieren könnte. Daher hol ich ihn immer schon zu mir her und wir schauen das wir einen Bogen um den anderen Hund laufen. Also ich lass ihn da nicht zu nah ran, aber trotzdem flippt er komplett aus und klefft solange bis der andere Hund auser Sichtweite ist. Leider lässt es sich ja nicht immer vermeiden, auf andere Hunde zu treffen. Wie kann ich dann reagieren?
Anderes bsp. Im Büro: Wir haben einen kleinen Balkon auf dem die Hunde total gerne sitzen, wenn drausen schön Wetter ist. Da können 100 Leute durchlaufen, die Carlo nicht interessieren, er schläft weiter. Dann kommt eine Person und die wird angeklefft bis sie weg ist. Wie kann ich hier reagieren?
Den Ansatz, den Hund zu Dir herzuholen, finde ich schonmal gar nicht verkehrt! So kannst Du ihm Sicherheit geben, indem Du dann andere Hunde abblockst oder wegschickst, Dich so vor ihn stellst, daß die nicht rankönnen etc. Muß er natürlich erst lernen, daß er da bei Dir sicher ist und keiner herkommt (einfach durch wiederholte Erfahrung, daß ihm nichts passiert, wenn Du die Anderen blockst), aber dann wird er bestimmt ruhiger sein können.
Sollte er in einer Situaton trotzdem noch "ausflippen", wars einfach für den Moment noch ein zu geringer Abstand des anderen Hundes. Das kann unterschiedlich sein - manche Hunde gucken Deinen nicht an, trotten vor sich hin, erscheinen ungefährlich - die erträgt Deiner sicher auf größere Nähe als einen Hund, der Deinen sieht, sich aufbaut, freudig zu quietschen beginnt, und fullspeed auf Euch zurast (oder auch nur Anstalten dazu macht). Da kann also die Körpersprache des anderen Hundes, das Tempo etc., Einfluß darauf haben, daß Deiner es mal erträgt, und mal ihm der andere Hund schon zu nah ist und er deswegen dann tobt. Und auch, wie viel der Hund an dem Tag schon hat verarbeiten müssen an Streßsituationen, kann ihn dahingehend beeinflussen, ob er die 10. Begegnung heute auch noch ruhig hinnimmt, oder es ihm jetzt einfach reicht und die Nerven mit ihm durchgehen.
Laß Dir also das Bellen in der Situation dann einfach einen Hinweis darauf sein, daß es ihm jetzt in dem Moment zu viel ist. Vergrößere den Abstand, nimm ihn auf die vom anderen Hund abgewandte Seite, beschleunige das Tempo im Vorbeilaufen (damit er schnell wegkommt vom Auslöser des Stresses). Und überlege dann, was er heute schon alles an Streß hat verarbeiten müssen. Wenn es zB viele Begegnungen waren, dann brich das Spazierengehen an der Stelle ab und geh heim, oder mach den nächsten Gassigang dann einfach im Garten oder nur einmal ums Haus - halt irgendwas, wo er nicht mit so vielen Stressoren konfrontiert wird. Und beim nächsten Mal, wenn Du Hunden begegnest, hälst halt den Abstand zum anderen Hund noch größer, sodaß er damit umgehen kann.
Auch die Idee, den Hund während der Arbeit lieber mal daheimzulassen, finde ich gut. Natürlich muß man das erstmal üben, aber wenn ers kann, könntest Du ihn ja 1-2mal die Woche mitnehmen, und sonst daheimlassen, wenn Du arbeitest. Normalerweise schläft/döst ein Hund 16-18 Stunden am Tag, Welpen bis zu 20 Stunden am Tag - wenn Du jetzt anschaust, was Du alles mit ihm machst, und wie viel, und das mit der Angabe abgleichst, kannst Du selbst am besten beurteilen, obs vielleicht derzeit ein bißchen zu viel sein könnte.
Was Du auch in der Arbeit machen kannst: eine Decke als Platz und Schutzraum trainieren. Hund hat dort zu liegen - und die Kollegen haben zu respektieren, daß da keiner dicht dran vorbeigeht, ihn streichelt oder sonstwie belästigt. Am besten ein Platz hinter Deinem Schreibtisch, wo dann eh net jeder durchschlurft. Das mit dem Balkon: geh mit ihm zusammen raus, und wenn Du reingehst, geht der Hund mit rein. Kläfft er trotzdem, würde ich ihn schlichtweg nicht mehr rauslassen, weils ihn offenbar überfordert. Wenn er Leute komisch findet, dann findet er dort auch nicht wirklich Ruhe, sondern hat immer im Hinterkopf, daß er aufpassen muß, daß niemand "Komisches" an ihn rankommt, d.h. er ist die ganze Zeit da draußen im "Wachmodus". Streß hoch fünf..... Das ist echte Arbeit für den Hund, auch wenns aussieht, als chillt der in der Ecke!