Wenn mein Hund einem Reh hinterher rennt, bewege ich meinen Hintern so schnell wie möglich da hin, um meinen Hund wieder einzufangen
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DAS möcht ich sehn, daß Du nem Reh-hetzenden Hund hinterherkommst..... *ggg Was bist Du von Beruf - Sprinter?
In so nem Fall kannst nix machen als: hoffen und beten, daß keine Straße (bzw. kein Auto auf ebendieser) und kein Jäger dem Hund in die Quere kommen. und wenn hundi zurückkommt, freu Dich wie Schnitzel - der hat nix falsch gemacht, denn er hat bislang nicht gelernt, was er stattdessen tun soll.
Sprich: Alternativverhalten trainieren (angeleint). Man nehme den angeleinten Hund, gehe auf eine Lichtung in der Dämmerung (Waldrandgassi oder so), wenn man weiß, da werden Rehe kommen. Hinsetzen in einem Abstand, daß Hundi grad noch erkennt, wenn da was läuft, und in dem Moment die Alternative abverlangen - Sitz, Abrufen oder Platz oder Stelldichtot, was auch immer, und hochwertigst belohnen. Am Anfang, wenn er auch nur auf dieses Kommando hin zu Dir guckt, später nur noch, wenn er an der gewünschten Stelle/in der gewünschten Position bleibt bzw. herkommt, wie auch immer. Das geht aber nur, wenn anfangs der Abstand auch groß genug ist, sonst isser gleich wieder auf 180 und nicht in der Lage, einen Gedanken ans andere Ende der Leine zu verschwenden. Abstand im Laufe des Trainings verringern.
Wenn Hundi nach der Hetzjagd zurückkommt, darfst Du Dir auf den Kopf hauen (bei Dir selbst gibts keine positive Belohnung, ätsch!), weil Du den Hund nicht rechtzeitig gelesen und ausgebremst hast.
Künftig trainieren, daß Du rechtzeitig erkennst, daß Dein Hund losrennen will, und in dem Moment abbrechen, noch bevor er losläuft. Abbruchsignal oder Abruf intensivst trainieren (s.o., Abbruch mit Sitz, Abruf, oder was auch immer) in allen vorstellbaren und unvorstellbaren Situationen. Ohne und mit Ablenkung - der Hund sollte im Platz bleiben können, während Du ein wildes Ballspiel vor seiner Nase lieferst, der sollte stehenbleiben, wenn Du ihm nen Ball wirfst, bis Du den zur Suche freigibst, etc. (Impulskontrolle!). Am besten, Du wirfst den Ball, er wartet auf Freigabe, Du gibst Freigabe, und wenn er losläuft - wieder abrufen. Wenn das klappt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, daß es beim Reh leichter ist für ihn als derzeit, sich auf Dich zu konzentrieren, wenn Du in dem Moment rufst.
Was tust Du, um den Abruf zu Dir toll zu machen? Nicht immer aus dem Spiel rufen, um selbiges zu beenden (dann wird der Abruf bäh, weil er den Spaß beendet), sondern 90% nur zu Dir rufen, um mit dem hund Spaß zu haben - Leckerli geben, Zerrspiel, rennspiel, Streicheln, wieder freigeben zum Rennen! Nur ganz selten, um weiterzugehen oder gar anzuleinen. Und selbst das kann man noch als Spaß "verpacken": "Hey, komm, laß uns zusammen weitergehen" beim Anleinen, und dann zusammen in die gewünschte Richtung losstürmen, vielleicht noch hinter einem Balli her. Einfach, damit der Rückruf an sich äußerst positiv verknüpft wird, das erleichtert es dem Hund, zu kommen, wenn er von sowas Attraktivem wie nem hübschen Reh abgerufen werden soll. :-)
Was tust Du, um Dich interessant zu machen, sodaß er es für lohnenswert hält, zu Dir zu kommen? Wenn das nichtmal im Alltag klappt, und er vor sich hin dödelt, wie solls angesichts eines Rehs klappen - daher würde ich versuchen, unterwegs mit dem Hund was zu machen. Ab und an ein Suchspiel, mal abrufen für ein Leckerli oder zerrspiel, mal ne Runde zusammen rennen - es muß beim Hund ankommen, daß sich der Blick zu Fraule/Herrle immer wieder lohnt, weil immer mal wieder was dabei rumkommt - Spaß oder Leckerli. So guckt Hundi auch öfter zu Dir, orientiert sich generell mehr an Dir, kommt (noch) lieber her zu Dir, und hat Dich viel mehr im Hinterkopf und ist immer irgendwo empfangsbereit für Deine Kommandos, als wenn er einfach nur hinter Dir herschlappen und "sein Ding machen" würde beim Gassi, und Du wärst halt dabei, weil irgendwer muß ja den Hausschlüssel tragen.... *ggg
Bis der das alles kann: Management! Keine leinenlosen Besuche von Waldrändern oder Wäldern in der Dämmerung/nachts, auf dem Feld immer wieder auf den Weg holen, den er nicht verlassen soll (Hasengefahr!), raus aus dem Gebüsch, das so verlockend duftet (weil dort ne Wildschweinspur beginnt!) (das Kommando raus ist generell sehr hilfreich...), und Rundumblick beim Fraule beim Gassi - DU mußt solche "Gefahren" und Herausforderungen vor ihm sehen, dann kannst ihm rechtzeitig das Alternativverhalten abverlangen. und wenn er das gut macht - dann kannst wiederum Deine positive Belohnung einsetzen :-) Radius (über die Schlepp oder Rückruf oder Kommando, was auch immer) trainieren (je dichter er bei Dir bleibt, desto größer ist Dein Einfluß, wenn ne aufregende Ablenkung auftaucht. Will heißen, der Hund ist, wenn er näher bei Dir ist, noch in Deinem Einwirkungsbereich.).
Wenn ich weiß, der Hund geht manchmal ab: vorsichtshalber Leucht-Halsband, besonders nachts, damit kein Jäger hinterher (wenns doch wieder mal passiert - ein HH ist ja auch nur ein Mensch) erzählen kann, er hätt an ein Wildschwein geglaubt und deswegen geschossen, dann immer ein Namensschild mit Deiner Telefonnummer (Handynummer - das Du künftig immer dabei hast beim Gassi! - Ich hätte es damals mehrfach ausgerechnet dann, als ichs daheim vergessen hatte, gebraucht, weil Hundi jagen ging.... *nerv), sodaß ein evtl. Finder Dich umgehend benachrichtigen kann.
Wenn Du Familie hast, die mitsuchen können - per Handy Bescheid geben, welche Richtung Hundi eingeschlagen hat (bei Bossi hört man das gut, weil hetzlaut...). Und Du selbst - bleibst genau dort, wo der Hund Dich verlassen hat, und rührst Dich net vom Fleck! Bisher ist noch jeder jagende Hund wieder dorthin zurückgekehrt, wo er abgehauen ist (wenn Du dann net da bist, verunsichert ihn das, und er wird anfangen, suchend herumzuirren - und dann findet den kein Mensch mehr). Evtl. wenn Du unbedingt die Stelle verlassen mußt, ne Jacke o.ä. dalassen, was nach Dir riecht, sodaß er dort bleibt, wenn er zurückkommt. Aber dann schnellstmöglich wieder dorthin zurückkehren.
Meine Erfahrung: komischerweise war mein Hund angesichts eines Rehs immer so von den Socken daß er "nichts" mehr wahrnahm, und anfangs mehrfach abgehauen war - aber den Rückweg fand er trotzdem immer. Daher hab ich irgendwann nimmer so ganz an das "nichts wahrnehmen" geglaubt. Und siehe da - mit ein bisserl (viel) Training bewahrheitet sich´s: der Hund kann "plötzlich" auch bei Reh in Sicht auf ein Abbruchsignal hören *gggg
Viiiiiel Arbeit - aber es lohnt sich, wenn man dann mit nem ehemals jagenden Hund im Wald irgendwann wieder leinenlos spazierengehen kann...