Ich antworte mal bewußt, bevor ich alles gelesen hab - willst ja bestimmt unvoreingenommene Meinungen:-)
..........Es soll hier um Hunde gehen, die aufgrund von starkem Jagdtrieb, Unverträglichkeit, fehlendem Gehorsam,... praktisch permanent und für einen (noch) nicht absehbaren Zeitraum an der Leine bleiben.
Ich selbst habe so eine Hündin und manchmal stellen sich mir da schon gewisse Fragen.Zum Beispiel:
- ist es überhaupt möglich, so einen Hund sinnvoll körperlich auszulasten?
- Wenn sie immer an der (Schlepp-)leine ist, lernt sie überhaupt den Umgang ohne Leine?
- Wann merke ich, dass der Zeitpunkt gekommen ist, sie von der Leine zu lösen?
-....
Also, körperlich auslasten kannst sicher auch an der Leine, mit Laufen/Radeln, oder eben in umzäunten Ausläufen, zB in Hundeschulen mit Umzäunung, oder Gärten etc.
An der Schlepp lernen sie nur, auf Dich zu hören und sich an Dir zu orientieren, aber sicherlich nicht, wie es sich ohne Leine anfühlt. Die Schlepp dient ja erstmal zur Sicherung, damit die Kommandos "ankommen", und der Hund lernt, sich an Dir zu orientieren.
Ob der Hund je ohne Leine wird laufen können, hängt sicher von der Ursache für den Leinenknast ab. Meine Frieda z.B. hängt wegen Unverträglichkeit an der Leine, und die ist nicht ganz wegzukriegen. Wir haben erreicht, daß wir grundsätzlich ohne Panik oder Streß unterwegs sein können und auch kurze Hundebegegnungen ertragen können (sogar DF-Spaziergänge!), oder wenn sie beim Laufen mal der andere Hund streift, sie packt also nicht mehr sofort zu. Das heißt aber noch lange nicht, daß sie jetzt andere Hunde toll findet und mit denen spielen gehen würde :-) Erst gestern wieder: Bossi ist unangeleint (auch nach der 5. Ansprache von mir, bitte nach links rüberzugehen) vor ihr hergetrottet, immer 2 cm vor ihrer Nase. Irgendwann hats ihr (und mir, daher hab ich sie machen lassen) dann gereicht, und sie hat in seine Richtung (Poppers) geschnappt. Aber echt nur geschnappt, weil sie´s genervt hat, glaub ich. Beim Fremdhund ist sie da unduldsamer :-) Ab da ging er anständig, sprich mit Abstand.... Außerdem hört sie nicht so gut, und gehorchen - naja, sagen wir mal, wir hatten lange Zeit genügend Baustellen, an denen wir arbeiten konnten, da war Gehorsam erstmal nebensächlich, denn wenn ein Hund beim Halsbandklimpern eines anderen Hundes komplett austickt vor Panik und sogar wässerigen Durchfall kriegt vor Streß, dann brauch ich net an Sitz oder Komm zu arbeiten. Und dadurch, daß ich sie eh immer sichern muß, weil nicht wirklich hundefreundlich, haben wirs auch gern ein bisserl vernachlässigt, muß ich zugeben.
Aber wenn die Ursache Jagdverhalten ist, denk ich, daß es auf jeden Fall rauszukriegen ist. Alles eine Frage des Trainings und der Konsequenz, der Weitsichtigkeit des Halters, des Managements etc. Man muß ja net um 5 früh, wenns dämmert, im Wald leinenlos laufen, ne? :-) Aber man könnte eine Hundefreilauffläche im Park (da sind ja eher selten Hasen o.ä., weil den ganzen Tag Hunde unterwegs sind und selbige dadurch verscheuchen) für einen Freilaufversuch nutzen, wenn die Orientierung am Halter an der Schlepp gut klappt. Und dann halt Management: sprich, Hund lesen, erkennen können, wenn er zu sehr hochdreht, auf alle Fälle jagliche Auslastung (Fährten, Trailen, Suchspielchen, was auch immer), und ein funktionsfähiges Abbruchsignal. Das ist m.E.n. schon hinzubekommen.
Von der Leine lösen? Das kannst nur selbst einschätzen. Ich würde gucken, daß der Hund aktuell gut ausgelastet ist, und dann evtl. am Ende eines ruhigen Spaziergangs (wenn er nimmer so hochgedreht ist wie beim Verlassen des Hauses und erstmal Energie ablassen muß), nicht in der Dämmerung (also zu Wildzeiten), in einem Freilaufgebiet (s.o., da gibts weniger bzw. kein Wild), oder großem umzäuntem Grundstück, mit wenig Ablenkung durch andere Hunde oder Personen den ersten Freilauf wagen. Erstmal nur kurz - weil man wahrscheinlich selbst erstmal Herzklopfen hat beim ersten Versuch. *gg Während des Freilaufs immer wieder mal den Rückruf testen - aber nur, um dem Hund ein Leckerli reinzustopfen und Freigabe fürs Weiterlaufen zu geben.
Achja - das bringt mich zu dem Punkt, daß der Abruf natürlich sitzen muß... Also, Abruf bedeutet in 99% der Fälle SPAß bei Fraule, weiterrennen, Leckerli oder was auch immer. Jedenfalls darf der Hund niemals die Verknüpfung kriegen, daß ein Abruf bedeutet, daß der Spaß ein Ende hat. Weil er dann schon im Alltag nicht zuverlässig klappen wird; wie soll ers dann im Freilauf auf ner Wiese gehen? Niemals nach dem Abruf "zur Strafe" oder mit schlechter Laune anleinen, weil der Abruf sonst mit schlechter Laune und Ärger verbunden ist. Ich bestätige immer erstmal beim Abruf, zieh dabei schon die Leine raus, und frage dann ganz spannend: "hey, wollen wir zusammen gehen??" und zeige die Leine. Die Hunde kommen wedelnd her, um sich anleinen zu lassen- und anschließend gibt´s Spaß - zusammen ein bisserl rennen, oder schlendern und dabei schnuppern - auf jeden Fall halt irgendwas, das dem Hund vermittelt, Anleinen ist toll, weil dann machen wir was zusammen. Abruf und Anleinen müssen so toll sein, daß sie, wenn sie an einer wildreichen Wiese erfolgen, nicht automatisch zu Meideverhalten oder Ausweichen/Weglaufen führen. Also auch nicht nur dann anleinen, wenn der Hund den Hasen scon in der Wiese hat sitzen sehen, sonst hast ganz schnell die Verknüpfung "die Alte zückt die Leine, hier muß also ein Hase sein!" Abrufen, bestätigen, anleinen, Spaß haben, und gleich wieder laufenlassen. Dann wird Anleinen auch nicht zum "Achtung, da ist was"-Signal.
Wenn der Freilauf da geklappt hat, immer mal wieder kurz üben. Nach ner Weile kann man vorsichtig verlängern. Aber Hund immer beobachten, erkennen, wenn er zu sehr hochdreht (Rennspiele oder langes Schnuppern können hochdrehen), und lieber früher als zu spät wieder abrufen, und dann zum Spiel/Buddeln o.ä. (angeleint) auffordern.
Und wenn hundi heut amngels Auslastung bisserl hochgedreht ist - dann gibt´s halt erst morgen wieder Freilauf, da stirbt er net von . Lieber auf Nummer Sicher gehen. Man muß nichtimmer und überall leinenlos laufenlassen können, wichtig ist, daß es (unter guten Bedingungen) ab und an möglich ist, das reicht ja schon, damit der Hund sich körperlich mal austoben kann.
Vorsicht: bei manchen Hunden ist ein Jagdverhalten auch eine Übersprungshandlung bei zu viel Streß. Hab ich bei Bossi gemerkt, wenn er in zu großen Hundegruppen drin ist - dann setzt der sich auf ne Spur und geht, weils ihm einfach zu viel ist, und er zu weit hochdreht. Lieber weniger Aufregung, dafür aber Hund unter Kontrolle. Und wenn man Gassi geht, guuut asusuchen, mit wem man mitgeht. Ist der andere Hund ebenfalls ein Jäger, dann ist das Risiko höher, denn auch wenn Dein hund hören würde, der andere aber lossprintet, hast sehr wahrscheinlich verloren. Dann lieber ein jagdlich überhaupt nicht interessierter Hund dabei, dessen Nicht-Anspringen auf jagdliche Reize Deinen Hund dann eher da hält.
Und ich würde vielleicht lieber einen ruhigen Spaziergang machen, als länger an einer Stelle zu bleiben, wo der Hund irgendwann das ganze Gebiet abgeschnuppert hat, udn irgendwo dann zwangsläufig auf die einzig vorhandene Spur stößt und der nachgeht, weil alles Andere schon abgeschnuppert ist. Wenn Ihr in Bewegung seid, muß er mehr auf Dich achten, Dich nicht zu verlieren, ist also auch eher ansprechbar für Deine Kommandos und damit einen Rückruf.