Ich finde die Idee an sich nicht schlecht. Sicherlich muß man sich jetzt nicht explizit hinsetzen und diese Liste anfertigen. Aber allein der Gedanke - "moment mal, da gibts noch mehr -außer Leckerligeben-, was der Hund toll finden könnte", führt doch, wenn man ehrlich ist, beim Hundeanfänger oder bei dem, der sich damit noch nie beschäftigt hat, zu neuen Erkenntnissen - allein dann hat es sich doch schon gelohnt. Der Hund wird von der "Maschine, die alles gegen Leckerli tut", zum Individuum mit eigenen Bedürfnissen, auf die man sogar je nach Situation unterschiedlich eingehen kann.
Für mich ist es inzwischen selbstverständlich - es gibt viele Dinge, die mein Hund gerne tut, tausend Möglichkeiten, ihn zu bestätigen. Und diese Bestätigungen sind auch wiederum (wie alles, was man dem Hund beibringt) situationsabhängig oder abhängig von der aktuellen Motivationslage und Laune des Hundes, und davon, was ich damit erreichen möchte.
Will ich Biene toll bestätigen, werfe ich Leckerli, die sie sich jagen darf. Will ich, daß sie ruhig und konzentriert arbeitet, versuche ich, nur verbal zu bestätigen. Für Futter springt sie nämlich ausm Fenster, wenn nötig, da dreht sie hoch. Will ich sie pushen, gebe ich ultralecker Würstelbestätigung und lobe quietschend. Sie freut sich auch wahnsinnig, wenn sie mir etwas apportieren darf. Und da ist es egal, ob das draußen auf der Wiese der Schlüssel ist, ein Ast, ne Tempo-Packung, Bossis Kettenhalsband oder meine Matschestiefel. Oder wenn sie wo drauf klettern darf (Baumstämme, Bänke, Betonpoller, Baumstümpfe, etc.).
Bei Bossi komme ich unterwegs mit Zerrspiel-Angeboten an jedes Ziel. Er nimmt auch mal ein Leckerli (in Anwesenheit anderer Hunde würde ich ihn nicht mit Zerrspielen hochpushen, das könnte Krach geben beim Terrier). Will ich konzentriert arbeiten mit ihm, nehme ich Leckerli. Möchte zu nem anderen Hund, ich will das aber erst mit dessen Halter absprechen, dann hat er zu warten und darf dann zur Bestätigung hinlaufen - weil es das ist, was er in dem Moment am meisten möchte. Ein Leckerli wär ihm in dem Moment wurscht (schönes Wortspiel *gg). Hat er gerade frisch ausgeschlafen, kann auch ein Rennspiel ne Superbelohnung sein für ihn. Hat er Hunger, dann nimmt er auch druaßen mal ein Leckerli oder rennt kullernden Leckerlies hinterher.
Bei Frieda kommt Futter an allererster Stelle. Immer und überall. Aber daheim kann ich ihr auch mit Bauchikraulen und raufen Freude bereiten. Draußen ist es ihre größte Freude, ungestört weiterschnuppern zu können. Das ist ja ihre Art und Weise, die Welt wahrzunehmen, nachdem sie blind ist, und daher darf sie das immer. Hundepipistellen schnuppern, Gras riechen, Bäume identifizieren, die macht quasi Vollzeit-Nasenarbeit. Daher tun wir unterwegs fast nix an Beschäftigung, wenn ich trailen möchte, gibts dafür nen eigenen Termin, beim Gassi wird nur geschnuppert, und MAL ein Sitz oder so abverlangt für ein Leckerli, dann geht´s wieder schnuppern. Bei ihr, die andere Hunde nicht mag, ist es unterwegs z.B. auch eine Bestätigung fürs bei-mir-sitzen, wenn ich den anderen Hund geblockt bekomme, damit er nicht an sie hinkommt, sodaß sie nichts zu regeln braucht und sich sicher fühlen kann. Trotzdem gibts dann verbales Lob und ein Tätscheln obendrauf.
Insofern: ich könnte sicherlich eine Liste anfertigen, was meine Hunde so alles toll finden - aber eine Rangfolge festzulegen, ist schlichtweg nicht möglich, da die Hunde in jeder Situation eine andere Bestätigung als höherwertig ansehen. Aber zu wissen, was z.B. draußen wichtiger ist (Lob oder Spiel) kann schon wichtig sein. Denn wenn verbales Lob draußen net wichtig ist, brauche ich kein Antijagdtraining darauf aufzubauen. Und wenn ich weiß, daß der Hund beim Spielen total hochdreht, weiß ich, daß ich in der Unterodnung damit nicht anzufangen brauche, wenn Hundi sich grad konzentrieren soll.
Also wichtig ist das Wissen auf jeden Fall, und auch, sich mal darüber Gedanken zu machen, wenn dies bislang noch nicht bekannt war. Wer mit seinem Hund regelmäßig arbeitet, wird irgendwann zwangsläufig auf das Thema stoßen, da man ja immer nach DER Belohnung sucht, die am effektivsten ist und einen dem eigenen Ziel am schnellsten näherbringt. Sei es, daß der Hund schneller SITZ macht, oder höher springt, oder Dinge ausdauernd sucht.
Aber explizit eine Liste zu erstellen, wie so ne Hausaufgabe, das erscheint mir persönlich dann schon ein bisserl übertrieben.... *gg Aber wie gesagt: wem das so hilft - warum nicht? Ich denke, der Artikel richtet sich auch eher an HH, die noch nicht so viel Erfahrung mit dem Thema haben.