Zitat
......jeder Blickkontakt zu mir wird da bestätigt (gerne auch mit seinem Trockenfutter, Barf, oder was ihr füttert)
Da würde ich auch ansetzen. Unterwegs wird jedes Anzeichen von Konzentration auf Dich bestätigt. Wenn der Hund was will, muß er vorher sitzen und Dich angucken. Dann kriegt er die Freigabe (wenn Du ein Freigabe-Kommando noch nicht etabliert hast: kann seeeehr hilfreich sein).
Will er Futter daheim: vorher absitzen, Dich angucken.
Hast Du mit einem anderen Hundehalter abgesprochen, daß die Hunde Kontakt haben dürfen: Hund soll erst ruhig sitzen, Dich angucken, dann Leine ab (Halsband mit anderer Hand sichern!), dann Freigabekommando (Halsbandhand loslassen - damit der Hund nicht lernt, das Klicken von dem Karabiner, der abgemacht wird, mit Losrennen zu verknüpfen). Willst Du den Hund zum Freilaufen ableinen, egal, wo, auch wenn kein anderer Hund da ist: erst muß er sitzen, sich auf Dich konzentrieren, dann kommt die Freigabe.
So lernt er erstens, daß er nur über den "Umweg" über Dich (die Freigabe) ans gewünschte Ziel (Freilauf/Futter/anderer Hund/Besuchbegrüßen, wasauchimmer, kannst mit allem so machen, auch daheim) kommt. Und zweitens lernt er das Freigabekommando, sodaß er irgendwann von alleine anfangen wird, Dich um Freigabe anzugucken, bevor er losrennt.
Wichtig: in dieser Zeit absolut sicherstellen, daß der Hund eben nie mehr anders (auf seine Art) zum Ziel kommt. Sprich: wenn andere Hunde kommen, mußt DU sie zuerst sehen und den Hund erstmal rannehmen, bevor er loslaufen kann. Wenn das ein paarmal trotzdem passiert, ist das eine variable Bestätigung für das Einfach-Hinrennen und verstärkt selbiges noch - und das wäre ja nicht ganz das, was Du erreichen möchtest ;-)
Wenn ein 30-Kilo-Hund meint, er müßte mich ignorieren, dann stampfe ich halt mit einem lauten "EY - ich glaub, Du spinnst!"-Anschiß (glaub mir, der ignoriert den nicht.... *gg) ein paar Schritte energisch auf den zu und dränge ihn damit körpersprachlich von dem gewünschten Ziel weg, in die von mir gewünschte Richtung. Notfalls mache ich, wenn ich das stimmlich net hinkriege, irgendein anderes Geräusch, das für den Hund ungewöhnlich ist, und seine Aufmerksamkeit auf mich lenkt. Bei uns ist das z.B. ein Schlüsselklappern. Ich hab den Schlüsselbund ein-zweimal, als Bossi hohlegedreht hat, in seine Richtung neben ihn geworfen. Durch das bis dato ungewohnte Geräusch wurde er auf mich aufmerksam und war wieder ansprechbar (nichts anderes ist das Ziel, also keine Strafe oder so! Und wenn man nen schreckhaften oder gar ängstlichen Hund hat, bitte mit Verstand anwenden, also nicht direkt neben den Hund werfen, nicht so massiv einwirken etc., eben auf den Hund abgestimmt! Also bitte nicht einfach blind nachahmen, wenn so jemand hiermitliest...Wollen ja keine Hunde verstören!). Seitdem reicht ein leises Klappern des Schlüsselbundes in der Jackentasche aus und der Hund weiß, ich mein´s jetzt ernst, und ich muß nimmer wie ne Bekloppte durch die Gegend schreien *gg
Und nochwas: rechtzeitig reagieren! Wenn der Hund den Anderen erst mal entdeckt hat, kann man abbrechen mit: "Nein - weiter!" (Also Abbruch plus Alternative nennen, damit der Hund weiß, was erwartet wird.)
Du schreibst, ihr macht das:
Sehr kurz halten und einfach vorbei gehen und Aus sagen
Das ist genau das, was ich meine (AUS als Abbruchkommando find ich weniger gelungen, da das normalerweise bedeutet, daß der Hund beim Apporiteren oder so was aus dem Maul geben soll - und er hat ja grad nix im Maul, was soll er mit dem Kommando dann anfangen..... *gg AUS heißt "Gib das her", und nicht gleichzeitig "Hör damit auf", also für jedes Etwas, das Du willst, ein eigenes Kommando. Sonst kann der Hund sich aussuchen, was von beidem grad gemeint ist....Z.B: AUS heißt "Gib mir das", und SCHLUß heißt "Hör damit auf oder so. Oder AUS für "jetzt reicht´s", dann mußt halt für´s hergeben was anderes nehmen (Z.B. "Gibs mir")). Weitergehen, aber eben mit Kommando WEITER. Dabei nicht "dumm rumstehen" (man tendiert in so Situationen automatisch dazu, stehenzubleiben, bis der Hund sich bewegt, mußt mal aufpassen *gg), sondern selbst energisch weitergehen, mit Blick nach vorne, um zu zeigen, DA liegt der Fokus, DA will ich hin. Und zwar schon energisch weitergehen, bevor der Hund evtl. stehenbleibt, weil 32 Kilo in Bewegung zu versetzen schwieriger ist, als laufende 32 Kilo mitzuziehen. Noch ein Tip: wenn Du beim Weitergehen schneller wirst (am besten noch mit nem freudigen "Heyyyy!", als hättest da vorne was entdeckt (dann ist die Aufmerksamkeit garantiert bei Dir), hat der Hund weniger Zeit zum Hingeiern, sondern muß sich anstrengen, mit Dir mitzukommen. Kannst z.B. ruhig, wenn ein anderer Hund recht nah kommt, ein "Weiter!" sagen, dabei anfangen, zu rennen, mit Spieli oder Leckerli in der Hand. Sobald er mitkommt, loben, ein Leckerli reinstopfen, nächstes rausziehen (im Laufen). Wenn man vorbei ist, kann man mit dem Hund spielen, loben etc.
Und in der ersten Zeit, aber auch zwischenrein würde ich auch darauf bestehen, daß der Hund erstmal gar nicht zu anderen hinrennt, um ihm einfach beizubringen, daß man nicht zu jedem Hund hin muß, und seine Frusttoleranz in dem Bereich ein bißchen aufzubauen. Er muß das ab können, wenn er z.B. in der Stadt mit Dir ist, nicht jeden Hund begrüßen zu dürfen. Schließlich mögen nicht viele Leute den direkten Kontakt bei angeleintem Hund, da gibt´s zu oft Pöbeleien.
Außerdem würde ich den Ruckruf extrem trainieren, erst mit wenig Ablenkung, wenns da noch net ganz klappt, dann mit mehr Ablenkung, mit Hunden etc. (Hundeschule z.B., unter kontrollierten Bedingungen am Anfang). Ziel: Hund auch abrufbar, wenn er schon im Anflug auf den Fremdhund oder am Spielen ist.
Schön, daß Ihr daran arbeiten wollt - 32 Kilo außer Kontrolle können gefährlich sein (spätestens an der nächsten Straße, wenn gegenüber der Lieblingsfreund kommt, und der Hund nimmer zu halten ist!).
Wird sicherlich ne Weile dauern, das alles zu etablieren. Aber mit dem Gesamtpaket kommt sicherlich ans Ziel.