Erstmal hallo ;-)
Du hast also 2 Probleme: das Anbellen von Autos und das Geknurre.
Zum ersten Punkt: das kenne ich von meiner Frieda. Sie ist blind, und wenn anfangs ein lautes Fahrzeug (auch Fahrräder klappern manchmal komisch, Motorräder sind auch "supergefährlich"...) kam, ist sie anfangs volle Kanne in die Leine gesprungen in Richtung Fahrzeug, hat mich damit die ersten Male zu Tode erschreckt! Fast wäre sie dabei mal unters Fahrzeug geraten.....
Ich hab das so gemanaged, daß ich ihr das Kommando "weiter" beigebracht habe. Immer, wenn sie irgendwo stehenbleiben wollte, einfach mitgenommen mit der Leine (incl laute Schrittgeräusche, damit sie merkt, ich laufe weiter) und dazu "weiter" gesagt, bis sie verstanden hatte, daß das Wort weiterlaufen bedeutet.
Dann habe ich dieses Kommando immer gegeben, wenn so ein lautes Fahrzeug kam, und sie sich zum Absprung vorbereitet hatte - man sieht das ja deutlich genug und kann darauf achten, wenn man es jetzt weiß. In ganz ruhigem, aufmunterndem Ton gegeben. Ich gehe davon aus, daß so laute Dinger für den Hund einfach erschreckend sind (die hören ja auch tausendmal besser als wir!), und es daher keinen Sinn macht, mit aversiven Methoden zu arbeiten, sondern ihnen einfach anfangs noch das Vertrauen in uns fehlt, das Vertrauen dahingehend, daß wir sie vor diesen "lauten oder komischen Monstern" beschützen.
Daher kommst Du sicherlich weiter mit einem souveränen "weiter" als einem Würgehalsband - das ist an der Stelle echt nicht angebracht in meinen Augen (ob man sowas überhaupt braucht, laß ich mal dahingestellt, mit dem Vermerk, daß jemand mit 30 Jahren Hundeerfahrung auch 30 Jahre lang Schei.e gebaut haben kann, und auch die Jäger in der Ausbildung nicht unbedingt immer die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Hab neulich erst einen mit nem Stachler getroffen - erst den Dt. Drahthaar auf 43 (! ich hab gefragt!) Kilo hochfüttern, dann mit Stachel gehn, weil man ihn nicht halten kann, statt an der Leinenführigkeit zu arbeiten... Und wenn es eine andere Methode gibt, warum dann gleich zu den harten Sachen greifen??).
Bis Du das "weiter" etabliert hast, geh einfach nen größeren Bogen, wenn möglich, oder weich an die Hauswand aus und laß den Hund absitzen und stell Dich schützend davor - nicht, daß der Dir mal unter die Räder gerät..... Oder meide Straßen, wo solche Fahrzeuge öfter fahren. Und die Leine dabei natürlich kurz halten, daß er nicht auf die Straße kommt.
Zum zweiten Problem: das Knurren ist völlig normal. Der Hund ist neu in der Umgebung, kennt Dich nicht und weiß nicht, was er zu erwarten hat von Euch. Dann gibst Du ihm was, und willst es ihm wieder wegnehmen. Will heißen, Du präsentierst Duch ihm da gerade völlig unberechenbar (also ohne jegliche Führungsqualitäten in dem Bereich). Daher muß er Dir mit seinem Knurren sagen (Knurren ist Kommunikation, nicht Aggression!!), daß Du ihm das bitte lassen möchtest. Daß das mit Maulkorb funktioniert hat, ist klar: Du bist stehengeblieben, also nicht gewichen auf das Knurren hin, und hast ihm damit gezeigt, daß es Dir ernst ist, Du willst das Ding haben, bist aber auch erstmal nicht näher dran gegangen, sodaß er sich nicht noch stärker bedroht gefühlt hat, und er nicht nach Dir zu schnappen brauchte (wurde ja auch mittels Maulkorb verhindert, er hatte also keine Alternative, asl zu gehen).
Er hat sich selbständig entschieden, Dir das Teil zu überlassen und vielleicht daraus gelernt (vielleicht nur, daß Knurren nichts bringt - aber: was kommt dann als Nächstes, wenn das Knurren nicht hilft, den Knochen zu behalten??? Erklärung siehe unten.). Daher eigentlich die beste Variante, wenn man das schon falsch macht *gg.
Jedoch in meinen Augen nicht die richtige Lösung. Ich habe damals, als Frieda neu kam, nur einmal versucht, ihr nen Knochen wegzunehmen, und konnte dabei die gesamte Warnkette an ihr beobachten: u.a. steif werden, Lefzen hochziehen, in einer Haltung, die ganz klar sagte, wenn Du noch einen Schritt näher kommst und den Knochen anfaßt, pack ich mir den Knochen - bis hin zum Schnappen nach meiner Hand, als ich das ignoriert hatte....
Ist mir kein zweites Mal passiert. Ich habe dann angefangen, immer, wenn der Hund futterte, mich in der Nähe hinzusetzen, mit ihr zu reden, damit sie mich orten konnte (sie ist blind). Auf Abstand. So daß sie merkte, von mir droht keine Gefahr, auch wenn ich beim Fressen in der Nähe bin. Dann habe ich ihr nach dem Fressen was Leckeres dazugeworfen. Den Abstand hab ich nach und nach verringert, bis ich heute direkt neben der fressenden Frieda stehen kann, und sie weiß genau, ich nehm ihr nix weg. Sie ist vollkommen entspannt, weil sie nichts zu verteidigen braucht, und genau weiß, sie kriegt höchstens noch was dazu von mir, während des Fressens und danach.
Außerdem Tausch-Training: ich geb ihr was Tolles, sage AUS dazu, und dafür kriegt sie was viel Tolleres:
mit der Tolleren Alternative vor den Hund stellen, dran riechen lassen, dann wird er das untinteressantere Teil aus dem Maul fallen lassen, weil er das andere haben will. in dem Moment UAS sagen, dann verknüpft der Hund das nach ein paar Malen: AUS heißt loslassen. Und weil er immer was viel Besseres kriegt, wenn er losläßt, wird er jederzeit gerne loslassen. Und daß Du keine Bratwurst o.ä. dabei hast, brauchst Du ihm ja in nem Notfall (Gift auf der Straße, das er UAS lassen soll) nicht gleich dazuzusagen..... *gg So oft kommt das ja nicht vor, daß der Hund nach einem Mal, wo er nichts dafür kriegt, dann nicht mehr AUS machen würde beim nächsten Mal.
Frieda läßt sich heute problemlos etwas Gefundenes wegnehmen, weil sie so gelernt hat, daß sie von mir nichts unnötig weggenommen kriegt, und wenn ich was nehme, sie dafür was viel Besseres kriegt.
Generell würde ich aber, bis der Hund gelernt hat, daß bei Euch keiner was wegnimmt, sichern, wenn Besuch da ist o. ä., um einfach zu verhindern, daß einer zu dicht vorbeigeht, und der Hund reagiert. Denn wenn Ihr bis fast ran dürft an ihn, darf ein Besuch das noch lange nicht, und schon ist ein Unheil evtl. vorprogrammiert...
Das mit dem Knurren und Maulkorb halte ich übrigens deswegen für falsch, weil er so nicht lernt, daß Ihr ihm nichts wegnehmt, und er daher dann nicht mehr entspannt fressen kann. Außerdem wird er dann irgendwann, wenn er gelernt hat, daß sein Knurren nichts bringt (und der Maulkorb wieder ab ist), "weitere Maßnahmen" ergreifen (wenn der mal ein halbes Jahr bei Euch ist, weiß er, wie weit er gehen kann bei Euch, und hat so viel Vertrauen, daß er sich das evtl. leisten kann!). Und wie solche Maßnahmen beim (noch dazu großen) Hund aussehen können, das muß ich glaub ich nicht näher ausführen, oder? ;-)