Beiträge von BieBoss

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    ..... Und ich denke auch ein Hundeneuling kann solche Hunde führen lernen mit der richtigen Hilfe.........

    DAS ist meiner Meinung nach ein ganz, ganz wichtiger Satz! Denn auch ein heute erfahrener Mensch hat irgendwann mal ahnungslos angefangen. Und glaub mir - lernen tut man am meisten mit einem "Problemhund"! Denn was soll man schon über Hunde lernen, wenn man einen einfachen Hund hat, der den ganzen Tag nur hinter einem herdackelt, problemlos allein daheimbleibt, nicht jagt, nicht wacht etc. Die wenigsten Menschen werden deswegen zum Profi, weil sie das Thema einfach interessiert, sondern meist ausschließlich deswegen, weil sie über einen "Problemhund" zum Thema Hundeerziehung gekommen sind. Will heißen, die heutigen "Profis" standen alle mal vor einem Hund, bei dem sie mit Standard-Methoden oder "einfach-laufenlassen" nicht mehr weiter gekommen sind, sodaß sie sich zwangsweise mit dem Thema Hund wesentlich intensiver auseinandersetzen mußten als das bislang der Fall war oder als es geplant war.

    Ich finde Deine Voraussetzungen für sowas schon ziemlich gut: Du siehst, daß der Fehler nicht beim Hund liegt. Du arbeitest schon lange intensiv mit ihm, bist also bereit, etwas zu tun. Du liebst ihn, und hast daher auch die Bereitschaft, etwas zu tun mit ihm. OK, Du hast Angst, einen Fehler zu machen - aber Fehler machen wir alle, und nach dem, was Du schreibst, bist Du ja sehr vorsichtig mit dem dem Hund und sicherst ihn bestmöglich.

    Fraglich ist natürlich, ob Dein Mann da künftig mitzieht, und diesen Vorfall jetzt als "Schuß vor den Bug" akzeptiert und als Anlaß nimmt, anders mit dem Hund umzugehen und mit ihm zu arbeiten. Alleine wird´s natürlich für Dich schwieriger, vor allem wenn Du noch ein Kind hast, um das Du Dich verstärkt kümmern mußt. Da müssen schon beide in dasselbe Horn blasen. Daß der Hund dann aussschließlich mit Euch beiden (die ihn dann handeln können) geht, nicht mit den Kindern, sollte eh klar sein, denke ich.

    Noch was: als ich meine Frieda geholt hatte, hab ich gesagt, ich weiß, worauf ich mich einlasse. Ich kenn die Jagdis, weiß, daß die schnell mal mit dem "Messer in der Hand" dastehen, wenns nicht nach ihrem Kopf geht, und mit Artgenossen oft nicht ganz "grün" sind. Ich kann damit umgehen und den Hund führen und bin bereit, Zeit dafür zu investieren. Hab ich gesagt.

    Als sie dann nach einer Woche im Auto auf meine Biene losgegangen ist (die hat sich aus der Gitterbox befreit!), und Biene dann mit einem Bauch, der nur noch aus Hämatomen bestand (ausschließlich dank der Tatsache, daß Frieda altersbedingt vollkommen abgenutzte Zahnstummelchen hatte, war nix aufgebissen!), zitternd vor mir lag, war meine erste Reaktion: "der Hund muß weg!"

    Ich hab die Orga verständigt, ob sie den Hund wieder nehmen können, und geschildert, was passiert war. Es folgte mehrfach Mailkontakt - und irgendwann bekam ich von der Frau, die mir Fusselchen vermittelt hatte, die Frage (sinngemäß): "....und DAS verstehen Sie unter der Bereitschaft, sich um den Hund zu kümmern? Weil es erste Schwierigkeiten gibt, die absehbar waren?" (waren sie tatsächlich: die Unverträglichkeit war mir deutlich bekanntgegeben worden). Der Satz gab mir zu denken. Einerseits hatte ich einen furchtbaren Schrecken bekommen, denn ich wähnte Biene in Sicherheit, weil Frieda in der Box war. Wie soll ich für das Leben der anderen Hunde garantieren, wenn die mir jede Box zerlegt?? Und andererseits - die Frau hatte recht, ich hab gewußt, was auf mich zukommen könnte, und hatte zugesichert, mit diesem schwierigen Hund umgehen zu können - und wollte beim ersten ernsthaften Zwischenfall aufgeben. Ich habe mich besonnen, überlegt, wie ich das Zusammenleben künftig managen könnte. Und ich habe eine Lösung gefunden (und bin der Frau bis heute dankbar! Ich weiß nicht, ob ich es geschafft hätte, sie abzugeben, schon nach der kurzen Zeit hatte ich nächtelang geheult allein bei dem Gedanken.).

    Ich halte den Hund getrennt von den anderen beiden, passe beim Gassi extrem auf, hab anfangs jegliche Hundebegegnung schon auf Abstand gemieden oder verhindert, Hunde geblockt, Maulkorb angezogen. Inzwischen ist es wesentlich besser geworden, sie stürzt sich nicht mehr umgehend auf jeden Hund, der herankommt, sie kann ein Schnuppern ertragen, ohne gleich zuzupacken. Aber: ich gehe immer noch getrennt Gassi, Freunde werden die Hunde trotzdem wohl nicht mehr werden....

    Ich habe es trotz des erhöhten Aufwands bis heute nicht bereut, sie behalten zu haben - sie ist so lieb von ihrer Art her zu Menschen (ok - sie geht zum Glück nur auf Hunde, das ist natürlich nochmal was Anderes als ein Hund, der auf Menschen geht; aber Deiner ist ja nicht grundsätzlich aggressiv gegen Menschen, sondern läßt halt seinen Wachtrieb raushängen), sie nimmt, was sie kriegen kann, hab ich mal weniger Zeit, ist es auch egal, solang sie dann nachts wieder mit im Bett liegen darf *gg Kann alleinebleiben, verträgt inzwischen auch fast alles zu Futtern - wenn diese Hunde-Angst nicht wäre, ich glaub, die Maus wäre der unkomplizierteste Hund der Welt.

    Es ist ein Zusatzaufwand, ja - aber es ist für mich machbar. Und im ersten Schrecken überlegt man natürlich hin und her. Aber die Suppe wird ja bekanntlich nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wird. Und dann muß man halt überlegen, ob ein anderer Umgang mit dem Hund machbar wäre, ob Dein Mann mitmachen würde, indem er sich auch gegenüber dem Hund anders verhält und ihm Sicherheit geben kann (im Sinne von: "das regle ICH, halt die Klappe!" dem Hund gegenüber), alternativ eben einfach nicht mehr geht mit dem Hund (!), ob in den ersten Wochen jetzt die Zeit für ein paar Trainerstunden da ist. Ein neues Verhalten umzusetzen mußt Du dann eh im Alltag machen, das wird keine zusätzliche Zeit kosten. Ich denke nicht, daß Du viel zusätzlichen Zeitaufwand brauchen wirst, und Du wirst sicherlich auch keine 100 Trainerstunden brauchen. Es geht ja grundsätzlich darum, wie Du im Alltag mit dem Hund umgehen kannst. Und ich denke, wenn das vom Prinzip her verstanden ist, muß da kein Trainer mehr alle 4 Wochen herschauen. Ein Seminar wäre z.B. eine Möglichkeit, nicht allzuviel Geld und Zeit investieren zu müssen, denn ich denke, es geht darum, grundsätzlich den Umgang mit dem Hund zu verstehen.

    Könnte mir vorstellen, daß hier z.B. ein Herdenschutzhund-erfahrener Trainer viel weiterhelfen kann. Denn die haben ja meist dasselbe Problem: einen sehr massiven rassebedingten Territorial- und Schutztrieb, den der Halter in den Griff kriegen muß. Und wenn dieser bei Deinem Hund eher gepaart mit Unsicherheit ist, dabei eben noch dem Hund zeigen, daß man selbst für Sicherheit sorgt, damit er nicht mehr aktiv reagieren muß. Ich bin der Meinung, daß das grundsätzlich gut machbar ist, wenn man sich diese Zeit anfangs nehmen kann. Und das ist der Punkt, wo man dann halt ehrlich zu sich selbst sein und abwägen muß. Das kannst letztlich nur Du selbst entscheiden, wie es bei Dir mit der Zeit aussieht, und ob der Mann mitziehen würde, bzw. ob Du in der Lage wärst, zu sagen, dann gehe eben nur ich mit dem Hund raus.

    Ich sehe halt bei Dir die Verantwortung, die Du super übernimmst, und die Bereitschaft, zu arbeiten, und das finde ich tolle Voraussetzungen für ein weiteres Training! Ich sage immer, wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, und Du hast bisher auch nicht aufgegeben. Ich bin überzeugt: wenn Du willst, dann kannst Du auch das noch schaffen! ;-)

    Solltest Du aber zu dem Schluß kommen, daß es einfach nicht umsetzbar ist in Eurer Situation, egal, aus welchem Grund, dann mach Dir bitte keine Vorwürfe - es gibt Tausende, die schon viel früher die Waffen gestreckt hätten, und Du hast bislang getan, was Du konntest.

    Ich wünsche Dir alles Gute, vor allem, daß Du zu der Entscheidung kommst, die für Euch und den Hund die richtige ist! ;-)

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    ...... ich versuche ihn vorher schon von dem anderen Hund fern zu halten und ihm zu zeigen, dass er nichts zu korrigieren brauch, indem ich den anderen Hund korrigiere .....

    Na, da komm mal an den richtigen Halter, wenn Du dessen Hund korrigierst, statt Dich um Deinen Pöbelhund zu kümmern *gg Ich wäre da "not amused", denn wenn einer meinen Hund korrigiert, dann bin ich das! Körpersprachlich abblocken, weil ich mal net schnell genug geschaltet hab - ok. Aber ne Korrektur?

    Da mußt halt daran arbeiten, daß Du Deinen Hund unter Kontrolle behälst, z.B. ausweichen oder abblocken o.ä., und ihm eine Alternative gibst (Fußgehen am Anderen vorbei, im Bogen drumherumlaufen o.ä.). Einfach selbst ruhig bleiben, und damit dem Hund zeigen, wie man souverän durch so ne Situation durchkommt. Im Zweifel hilft es auch, den Halter des anderen Hundes rechtzeitig anzusprechen und zu bitten, daß er seinen Hund zurücknimmt. Wenn dieser nicht auf den Abruf hört, wiederum blocken und damit dem anderen Halter helfen (was ja wiederum Dir hilft, weil der Hund dann wegbleibt bzw. der Andere ihn "einsammeln" kann).

    Abgesehen davon: solange er auf Andere zustürmt UND der Abruf in der Situation nicht funktioniert, hat der Hund meines Erachtens nach ohne Leine unterwegs nix zu suchen..... Evtl. würde ich hier noch ein zusätzliches Abbruchsignal einführen, wenn der so losrennt. Denn wenn unter normalen Umständen das Abrufen funktioniert, nur hier nicht, könntest Du ihn dann evtl. mit dem Abbruchsignal stoppen (hilft aber natürlich nur, wenns absolut konsequent aufgebaut wird). Aber das kann man sich eigentlich sparen, wenn der Abruf selbst schon konsequent aufgebaut ist/wird und künftig durchgesetzt wird ;-)

    PS: Lesen des Hundes hilft hier auch ungemein weiter: wenn ein fremder Hund sich nähert, und Deiner ist gerade dabei, sich aufzubauen und lossprinten zu wollen (das sieht man, wenn man mal genau beobachtet, ganz gut), im dem Moment schon abrufen und ins Fuß bzw. an die Leine nehmen. Meist sind sie in dem Moment noch so weit im Kopf beim Hundeführer, daß man sie noch verbal beeinflussen kann. Wenn die erstmal am Rennen sind, ist es sehr schwierig, sie noch "einzufangen" mit nem Abruf. Voraussetzung: Du guckst unterwegs auf Deinen Hund, statt mit dem Nachbarn zu quatschen oder die Kopfhörer aufzusetzen und vor Dich hinzuträumen - nicht, daß ich Dich schonmal so gesehen hätte, aber solche HH begegnen mir in letzter Zeit zuhauf *gg Dann wundern die sich, wenn der Hund auf einmal verschwunden ist, weil sie vor lauter Musik nichtmal hören können, daß der Hund in der Zwischenzeit mit Hetzlaut hinterm Reh her abgehauen ist ;-) ;-)

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    Du schreibst, euer Hund zeigt ein starkes Territorialverhalten im Haus und drumherum.

    Vermutlich hat er auch einen Schutztrieb, hat sich erschrocken, als die Fahrräder plötzlich vor ihm aufgetaucht sind, und ist dann unangemessen vorgegangen, um deinen Mann zu schützen???? :???:

    Keine Ahnung, sonst fällt mir gerade auch nichts dazu ein. Ohne den Vorfall beobachtet zu haben, kann man nur mutmaßen.

    Das mit dem Maulkorb finde ich eine gute Idee erst einmal.

    In die Richtung ginge mein Verdacht auch - nur nicht, um den Mann zu schützen, sondern (Territorialtrieb) eher, um das eigene Grundstück zu verteidigen. Vielleicht sind die recht plötzlich aufgetaucht und in Richtung Eures Grundstücks geradelt? Warum er dann auf das Kind ging, - könnte mir höchstens vorstellen, daß ihm das Kind näher war oder in greifbarerer Höhe als der große Erwachsene. Keine Ahnung..... Aber ich würd auf jeden Fall mal den Trainer dazu befragen, der den Hund ja kennt....... Bis dahin einfach sichern, langsam an Maulkorb gewöhnen - und erstmal dem Hund gegenüber ganz normal auftreten - ich bin fast sicher, daß der irgendein Zeichen so gedeutet hat, daß sein Schutz benötigt wird, und nicht nach eineinhalb Jahren plötzlich auf Kinder geht!

    Wenn dann der Hundeführer der Polizei vorbeischaut, auch den befragen, was das sein könnte- erzählen, was passiert ist, und dann um Rat fragen, was er für die Zukunft empfiehlt etc. - wenn die sehen, daß Ihr euch bemüht, solche Vorfälle künftig zu verhindern, wird da gar nichts passieren! Die sind ja froh, wenn die Leute sich rechtzeitig informieren, um sowas zu verhindern! Naja, ok - rechtzeitig wäre, bevor was passiert ist - aber das konnte ja keiner ahnen, nach so langer Zeit.... Da denkt man ja, man sollte den Hund kennen.....

    Daß ein Hovi rassebedingt Schutztrieb und Territorialtrieb mitbringt, ist ja klar...... Jetzt müßt Ihr ihm halt zeigen, daß Ihr den Schutz nicht benötigt, sondern er das getrost Euch überlassen kann. Das Wie zeigt Euch bestimmt Euer Trainer.

    Tut mir leid, daß Euch sowas passiert ist, trotz aller Vorsicht, und ich finde es toll, daß der Mann jetzt im Nachhinein so gelassen reagiert! Ich würd aber trotzdem nochmal nachfragen, ob alles ok ist mit dem Kind, evtl. könntet Ihr ja noch ein kleines Spielzeug mit einer Entschuldigung für´s Kind besorgen und ihm vorbeibringen, und mit dem Kind darüber sprechen, daß der Hund wahrscheinlich einfach erschrocken ist und sich verteidigen wollte oder so - damit es sieht, das Tier hatte einen Grund. Ein bißchen Verständnis für ein Tier hilft vielleicht, künftige Ängste einfacher zu überwinden. Und macht der Familie gegenüber ganz deutlich, daß Ihr jetzt daran arbeitet - das zeigt ihnen, wie leid es Euch tut, und daß Ihr den Ernst der Lage verstanden habt. Nur zur Vorsicht - immerhin könnte er Euch immer noch anzeigen.... Und je mehr Einsicht man bis dahin gezeigt hat, desto glimpflicher wird das Ganze abgehen.

    Drücke Euch die Daumen, daß Ihr Euer Vertrauen zum Hund schnell wiedergewinnen könnt, und ihm erfolgreich klarmachen könnt, daß Ihr für den Schutz zuständig seid, bzw. auch künftig etwas schneller reagiert, wenn Ihr jetzt wißt, worauf der Hund abgeht.....

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    .....
    Ähm. Ist es jetzt schon so weit, dass Kinder nur noch auf Spielplätzen spielen dürfen? Wozu ist ein Forst denn sonst da, doch nicht nur zum Spazierengehen für Hundehalter :???: .....

    Hmmmm - also, ich hab meiner Tochter damals eingeimpft, daß sie allein nix im Wald zu suchen hat, und dort auch nicht gespielt wird. Weiß ja nicht, ob Du noch nie was davon gehört hast (oder kein Kind hast?), aber man kann heute die Kinder nunmal nicht mehr überall unbeaufsichtigt rumlaufen lassen - zu oft schon sind einfach mal eben welche verschwunden......

    ist off topic, sorry - aber bei der Fragestellung konnt ich net anders ;-)

    Heißt natürlich noch lange nicht, daß Kinder niemals in den Wald dürfen sollten - aber halt evtl. in Begleitung...

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    ....... es kann auch gut helfen, ihn schwimmen zu lassen,falls es also ein Gewässer in der Nähe gibt - regelmässig rein mit ihm.......


    ... und das mit nem Hund, der einen evtl. ansteckenden Hautpilz hat? :roll: Hmmmmm - da wär ich erstmal vorsichtig. Erstens hat der nächste Hundehalter, der seinen Hund dort schwimmen läßt, sicherlich keinen Bock auf diesen Pilz, zweitens könnte ich mir vorstellen, daß es dem Pilz anschließend in dem feuchten Fell-Milieu noch viel besser gefällt als vorher. Das würde ich lieber erstmal nicht machen, bis der Pilz weg ist.

    Hm - also ich finde die Idee ganz toll, aus dem Ausland einen Hund zu nehmen. Aber wenn Du auf Nummer sicher gehen möchtest in Sachen Gesundheit etc., weiß ich nicht, ob das ideal ist.

    In einer Auffangstation im Ausland sind oft mehrere hundert Tiere untergebracht. Deren Wesen einzuschätzen, Jagdtrieb zu prüfen oder gar Katzen-/Hundeverträglichkeit ist oftmals entweder gar nicht möglich aus zeitlichen und personellen Gründen, zum Anderen verhalten sich die Tiere unter solchen Umständen manchmal ganz anders als dann bei Dir daheim später, wenn sie mal auch im Kopf "angekommen" sind. Kann sein, daß die sagen, der Hund ist verträglich - weil er dort mit der Masse an Tieren schlichtweg sich nicht traut zu pöbeln - und dann holst Du ihn, er ist alleine und flippt plötzlich bei Hundebegegnungen aus....

    Auch in Sachen Gesundheit - bei mehreren hundert Hunden dort kannst Dir in etwa vorstellen, wie oft der jeweilige Hund einen Arzt gesehen hat - wenn überhaupt! Die Ärzte sind dort teilweise nicht so qualifiziert wie hier oder haben einfach mangels Finanzen und Geräten nicht die Diagnostischen Möglichkeiten, wie wir sie hier hätten.

    Es kann also generell der Hund vom Wesen her ganz anders sein als geschildert, oder einfach (chronisch) krank sein, ohne daß die Orga Dich deswegen besch... hat - einfach, weil sie wegen der Menge an Hunden die Info nicht anders geben konnten, die können nur erzählen, wie der Hund sich dort benimmt, aber nicht hellsehen, wie er sich bei Dir benehmen wird.

    Beispiel: meine Frieda - sie war blind, das wußte ich. Aber was ich nicht wußte, daß die Augen entzündet waren, sie eine bakterielle Hautinfektion hatte und verwurmt war (ok, das ist wohl keine Seltenheit bei so vielen Hunden dort), und v.a. einen mittelgroßen Knubbel hatte in der Leiste, der später zu weiteren "hübschen" Knubbelchen und in Folge einer kostspieligen OP geführt hat. Waren bösartige Tumore lt. pathologischem Befund hinterher. Das alles kann man nicht ahnen. Und wenn Du sowas finanziell nicht einplanen kannst, ist das schon ein bisserl Roulette.....

    Dann lieber nen Tierschutzhund hier aus D, oder einen, der aus dem Ausland schon in eine Pflegestelle nach D gebracht wurde und hier auch komplett durchgecheckt wurde, dann kannst Du eher abschätzen, was auf Dich zukommen könnte.

    Aber generell sollte man natürlich ein kleines Polster haben, weil natürlich auch ein anfangs gesunder Hund mal ein Zipperlein haben kann oder ne OP brauchen kann...

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    ....Toll, Jette hat gelernt, dass ihr Angst berechtigt ist.....

    Das sehe ich etwas anders: Jette hat gemerkt, wenn sie sich trotz Angst hinsetzt (wenn auch notgedrungen, weil kein Ausweg da war) und eben NICHT mehr panisch wegläuft, passiert ihr nix - die Hunde sind ja dann weggegangen von ihr! Schließlich sind die genau dann abgerufen worden, als sie saß.

    Wegen dieser einen Situation würde ich mir jetzt keine Gedanken machen... Schlimmstenfalls lautet die Verknüpfung aus der Begegnung: "panisch wegrennen und irgendwann hinsetzen --> nix passiert", aber sicherlich nicht "panisch wegrennen --> nix passiert". Wenn man jetzt noch das panische Wegrennen unterbindet (z.B. indem man den Hund rechtzeitig - also, bevor er nicht mehr aufnahmefähig ist vor lauter Panik!) zu sich ruft und SITZ als Alternativverhalten etabliert), dann wird das schon. Ich würde sie wahrscheinlich generell an die Schlepp nehmen, bis das Gerenne weg ist, weil sich sonst mit jedem Wegrennen wieder festigt, daß das ein adäquates Verhalten ist. Lieber Schlepp, dann kannst sie, wenn wer auf sie zu rennen sollte, zu Dir holen und ihr damit zeigen, daß sie bitte künftig bei Dir Schutz suchen soll und kann.

    Ansonsten: für einen Angsthund braucht´s meiner Meinung nach beides: Schutz durch den Hundeführer, aber auch Training mit anderen Hunden. Aber es macht keinen Sinn, mit anderen Hunden zu trainieren, wenn der Hund noch kein Vertrauen in mich hat.

    So hab ich mit Frieda gearbeitet, und die ist ja nochmal ein anderes Kaliber, weil sie andere Hunde verletzt, sie greift aus Panik an, bevor ihr was passiert. Wenn ich früher mit ihr gegangen bin, und irgendwo hat´s gebellt uin der Nähe, ist die in Kreischen ausgebrochen, stand in der Leine wie blöd, zog in Richtung des Geräuschs in der Absicht, den anderen Hunde zu meucheln, bevor ihr was passiert..... Hab mir so manche dumme Bemerkung reinziehen dürfen in den ersten Monaten, von wegen, ich solle doch mal "den Köter erziehen", bis hin zu "schlecht sozialisiert" etc...... (ach ne - hätt ich fast net gemerkt... *g) War sehr "lustig"..... Nach Hundebegegnungen hatte sie umgehend Durchfall, so richtig wässerig, vor lauter Panik. In so nem Zustand brauchst Du einen Hund keiner Begegnung auszusetzen, um zu lernen, ihr passiert nichts! Da ist er schlichtweg nicht aufnahmefähig für irgendwas!

    Im Gegenteil: anfangs hab ich dann echt jeglichen Kontakt versucht, zu vermeiden. Bin mit ihr ausgewichen, umgekehrt etc., hab sie hinter mich genommen, wenn kein Ausweichen möglich war, z.T. an engen Stellen sogar auf den Arm genommen, damit dem anderen Hund nichts passiert, oder bin eben im Notfall, wenn nichts anderes möglich war, ganz schnell vorbeigelaufen mit ihr, mit einem freudigen "Heyyyyy, schnellllll! Komm mit!". So hat sie gesehen, ich nehme ihr Problem wahr und halte sie fern von anderen Hunden, ich gerate nicht in Panik, sie bekommt Schutz von mir. So konnte sie lernen, ich lasse nicht zu, daß ihr was passiert.

    Erst dann, als der Streß etwas nachgelassen hatte und das Vertrauen da war, war sie in der Lage, daß ich mal die ein oder andere Hundebegegnung zuließ, einfach im Alltag, wenn mal einer entgegenkam ohne Leine, und der recht ruhig erschien, und vorsichtig auf sie zuging. Dann nehme ich sie zwischen meine Beine/vor mich ins SITZ, lege ihr die Hand vor die Brust, rede aufmunternd mit ihr, lobe, wenn sie ruhig ist, und lasse tatsächlich den anderen Hund mal ein paar Sekunden schnuppern und gebe dann das Weiter-Kommando und gehe wieder. Ab und an gehe ich sogar in nem Hundeauslaufgebiet spazieren, wir "sehen" uns das Ganze (mittels Nase und Öhrchen *gg) aus der Entfernung an, und wenn ich einen meiner Meinung nach "geeigneten" ruhigen Hund sehe, gehe ich ein bißchen in die Richtung mit ihr. Setze sie vor mich, laß den Anderen rankommen (sage ihr dazu, daß Hund unterwegs ist, sie sieht ja nicht, was auf sie zukommt), der darf schnuppern, und wieder fertig. Wenn zu wilde Hunde unterwegs sind, bleiben wir weit genug weg, und mir gelingt es komischerweise immer, zu stürmische Hunde mit einer deutlichen Körpersprache abzublocken. Neulich war auch ein großer Hund im Schweinsgalopp im Anmarsch - da hab ich mich aufgerichtet, ganz abrupt die Richtung gewechselt, von ihm weg, und dabei auch weggeschaut, und aus den Augenwinkeln sah ich noch, daß er ganz verdattert stehenblieb in größerer Entfernung und dann abdrehte - das geht schon.....

    Inzwischen hatten wir schon ein paar Situationen, wo ich mit ihr gezielt an Markttagen durchs "Getümmel" ging. Einmal hatte ich mich mit jemandem unterhalten, Frieda (natürlich angeleint) zwischen meinen Füßen sitzen vorsichtshalber, da kam ein ebenfalls angeleinter Hund von hinten (!) an sie ran - sie wurde nervös nach einer Weile (dadurch hab ichs erst gemerkt) - aber sie hat nicht sofort zugepackt, sondern konnte es aushalten (in der Situation wär wahrscheinlich selbst Bossi sauer geworden....*gg). Die Halter konnten gar nicht verstehen, daß ich sie bat, den Hund bitte wegzunehmen, wenn sie schon so demonstrativ zwischen meine Füße genommen wurde, und meinten noch, mich anmaulen zu müssen, bevor sie reagieren. Hab dann freundlich gefragt, ob sie den Hund wieder heil mit heimnehmen wollen, dann kam plötzlich Bewegung in sie *gg (klar, war böse in dem Moment, denn wenn das Fusselchen wirklich noch so schlimm wäre, würde ich sie da garantiert nicht durchschleppen, denn dann hätte sie da nichts zu suchen - aber diese Frage hilft halt immer, die Belästigung umgehend loszuwerden, und das war mir in dem Moment wichtig, daß sie sieht, sie bekommt die Unterstützung, wenns ihr zu viel wird, ich setze sie nicht ungeschützt dem fremden Hund aus).

    Sicherlich könnten wir schnellere Fortschritte machen, wenn ich täglich dran üben würde. Aber andererseits möchte ich auch nicht, daß das wieder stressig wird für sie und sie an jeder Ecke unterwegs wieder umschaltet auf "Umgebung nach Hunden scannen und Angst haben", weil Fraule dauernd "nicht aufzupassen" scheint und sie Begegnungen aussetzt, und es war mir einfach wichtig, den Streß rauszukriegen aus dem Hund- Fusselchen ist 13, und mein Ziel war nie, aus ihr unbedingt einen "ich-finde-alle-Hunde-toll"-Hund zu machen, sondern ich wollte ihr ein Leben ohne Streß ermöglichen, in dem sie einen Hund mal ertragen kann, ohne panisch zu werden. Daß die mal mit nem anderen Hund zu spielen lernt - so weit hab ich anfangs nicht zu denken gewagt. Daß ich irgendwann mit ihr und meinen 2 anderen Hunden gleichzeitig an der Leine gehen kann, ohne daß sie die anderen zwei auffrißt, darauf hoffe ich jedoch immer noch ;-) So was wie gegenseitige Akzeptanz wär schon ganz nett *gg