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Da muss ich mit meiner Jägerin (die vermutlich vor allem deswegen so krass auf Bewegung abgeht, weil sie für ihr Leben gern rennt!) mal nachharken: Wie sieht das gemeinsame "jagen" denn bei euch aus? Was/wie "jagt" ihr gemeinsam?
Bossi, Frieda und ich jagen Menschen *gg: wir trailen! Es ist definitiv so, daß das hilft, den jagdlich interessierten Hund besser auszulasten, sodaß er nicht jedem Knacksen im Gebüsch hinterhergeht. Außerdem strengt es auch körperlich an - nach dem Trailen liegen die 2 in ihren Körbchen für den Rest des Tages gemäß dem Motto: "nur ein schlafender Terrier ist ein guter Terrier" *gg
Hasenfell etc. würde ich selbst für eine Suche nicht nehmen - Wildgeruch jeglicher Art ist bei uns tabu, lasse ich ihn Hasenfell suchen, bedeutet das für ihn die Freigabe, Wildgerüchen zu folgen - ne danke! Macht er so schon zu viel..... ;-) Dann lieber ein Spieli, bei Bossi sein Zerrseil (ist für ihn DAS spielzeug überhaupt), oder Alltagsgegenstände, die nach mir riechen. Man kann unterwegs nen Futterbeutel im Baum verlieren und suchen (=jagen!) lassen. Man könnte mit Wurst eine Spur in der Wiese zeihen, und diese SPur verfolgen lassen - hat den Vorteil, daß es auch ohne Trainingspartner geht!
Wenn Du partout Fell haben möchtest, kriegst Du´s beim (Land-)Metzger, der noch selbst schlachtet. Da hab ich auch schon mal ne Rehdecke für´s Anti-Jagdtraining besorgt.
Ansonsten wir haben ein funktionsfähiges Abbruchsignal, ich achte darauf, daß gerade Bossi in Reichweite für Einwirkungen ist (wenn der 50 Meter weit weg ist, und ein Reh springt auf, brauch ich nimmer zu schreien, auf die Entfernung würde ich auch das Abbruchsignal nicht mehr verwenden wollen, ums mir nicht kaputtzumachen, weils mit ner gewissen Wahrscheinlichkeit ignoriert werden könnte, ohne daß ich dies verhindern kann auf größere Entfernung. Daher bleibt er in geringerem Radius, je nach Tagesform.). Wie´s beim Autofahren immer heißt "fahr nicht schneller als Dein Schutzengel fliegen kann", würde ich hier sagen: "laß den Hund nicht weiter weg, als Dein Abbruchsignal todsicher funktioniert" *gg
Ansonsten hab ich anfangs jeeede noch so kleine Orientierung an mir bestärkt, immer wieder, jeder noch so halbherzige Blick in meine Richtung, jede Temporeduzierung des vorauslaufenden Hundes bestätigen (und NEIN, ich lasse nen Jäger NICHT hinter mir laufen, weil ich dann keine Körpersprache mehr sehe, wenn er auf dumme Gedanken kommt und nicht mehr eingreifen kann!), und Grund geben, zu Dir zurückzukommen (=interessant sein): ich hatte anfangs fast immer Leckerli oder Spieli dabei, und habe oft einen Blick zu mir mit Spieli-werfen nach hinten (also hinter mich, nicht in Richtung vorne - der lief eh zu weit voraus anfangs...) bestätigt. Bossi apportiert das Teil, seitdem er festgestellt hat, daß ich mit ihm zerre mit dem Teil, und dann gibt´s ne runde Zerren als Belohnung für´s Bringen. Oder mit den Leckerli: ne Handvoll ins Gras, Hund darf suchen = Jagdsequenz, Hund glücklich ;-)
Und: der Hund darf schlichtweg keinen Erfolg mehr haben, wenn er irgendwas hinterhergeht. Das Dumme ist, daß er den schon hat, wenn er 20 Meter an der Schlepp hinterherhetzt! Und dabei ist es sch..egal, ob Du noch stehst, hingefallen bist oder wegfliegst, es ist ein Erfolg für ihn, weil Hetzen selbstbelohnend ist, dafür muß er das Wild nicht schon gerissen haben. Will heißen: nimm die KURZE Leine, wenn Du zum Üben in wildgefährdetes Gebiet gehst. Aber übe das Abbruchsignal etc. natürlich wie alles Andere erstmal in wenig belebten Gebieten mit wenig Ablenkung, vorher brauchst Du damit nicht an Wild zu üben - darfst Du nicht, weil Du´s Dir damit wieder kaputtmachen kannst, wenn es dank hoher Reizlage nicht funktioniert oder der Hund nicht aufnahmefähig ist.
Wichtig: bereits im Alltag schauen, daß der Hund nicht zu sehr hochfährt. Gehst Du z.B. mit ner ganzen Gruppe Hunde spazieren, die toben wie blöd und machen Rennspiele - dann reicht oft schon ein Rascheln von Blättern im Wald, und die ganze Meute stürzt los, weil sie halt schon "auf 179" sind - dann fehlt net viel für die 180, die´s braucht, um durchzubrennen. Generell bin ich ne Zeitlang gar nicht mehr mit anderen Hunden gelaufen. Eben aus diesem Grund, weil Hundi sich hochgespult hat. Außerdem neigt man dann doch dazu, zu quatschen, und sieht die Zeichen des Hundes (die es sehr wohl meist gibt!) dann nicht oder zu spät, und der Abruf kommt zu spät - nämlich, wenn der Hund schon unterwegs ist. Du mußt Dir ein Zeitfenster aufbauen, in dem Du noch eingreifen kannst (z.B. Vorstehen klickern und dann zeitlich verlängern, damit das Zeitfenster für Dich größer wird), und dieses auch in vollem Umfang nutzen können --> dann gibt´s halt nur noch solo-Spaziergänge für ne Weile, bei denen die Augen zu 100% auf dem Hund liegen, sodaß Du rechtzeitig reagieren kannst.
War ich schlecht drauf, oder es dämmerte bereits abends, war der Hund immer an der Leine. War ich in Gruppen unterwegs, war der Hund an der Leine. Hatte ich ne Woche nix mit dem Hund gearbeitet, war er die ersten (Kilo-)meter erstmal an der Leine. Gab es Wild, war der Hund an der Leine. usw. halt.... ;-)
Lern Deine Umgebung kennen, guck nach Spuren (Wildschweinsuhlen, Futterstellen für Schalenwild, Lichtungen, Dickichte, Ausschiedungen von Rehen/Hasen etc.), und schätze so ein, wo Du den Hund bei Euch gefahrlos laufenlassen kannst, und wo besser nicht.
Lern Deinen Hund kennen und schätze ein, wann Du ihn laufenlassen kannst und wann nicht. Hat er am Vortag gehetzt, bleibt der mal ein paar Tage an der Leine, bis alle Streßhormone wieder abgebaut sind. Denn dann genügt ein Blätterrascheln oder knacksender Ast, und er ist wieder weg. Ist er gut ausgelastet, kann er laufen. Hört er heute Vormittag erst auf den 3. Rückruf - zack, Leine dran. Nachmittags dann erstmal angeleint, dabei checken, wie gut er "bei Dir!" ist, bevor Du Freilauf gewährst. etc. etc. Gehst Du im Wald spazieren, gibt´s grundsätzlich Leine, und die Wege werden nicht verlassen. "Raus!" ist nicht nur dafür ein sehr nützliches Kommando. Raus aus dem Blumenbeet im Garten, raus aus Nachbar´s Vorgarten, raus aus dem Gebüsch...... ;-)
Such Dir Hunde-Auslaufgebiete (Parks o.ä.) - hier sind tagsüber kaum Hasen anzutreffen (die sind ja nicht doof *gg), und der Hund kann mit großer Sicherheit frei laufen, ohne auf Wild zu treffen (und wenn doch tatsächlich welche dort sind, die rennen dank Hune-Gewöhnung eh nimmer weg, und der Hetztrieb wird somit nicht so angesprochen wie durch fliehende Beute)
Und wenn´s denn Gruppen-Spaziergänge sein müssen: nehmt solche Gebiete dafür, macht nur kleine und überschaubare Gruppen, vereinbart, die Hunde ab und an auszubremsen und runterzufahren (mal 500 Meter gehen an der Leine zwischendurch), und quatscht nicht, sondern beobachtet die Hunde dabei. Einfach selbst einschätzen, wann und wie lange Freilauf der Hund verträgt, und wann´s zu viel wird.
Guter Lesetip: Pia Grönings Anti-Jagdtraining! Man muß nicht alles umsetzen, aber sie gibt viiiiele Tips, die gut umsetzbar sind.
Wenn Du magst: ich hab schon -zigmal ewig viel geschrieben zum Thema Anti-Jagdtraining, kannst ja mal die Suche austesten, was die in der Richtung hergibt.....