Hab den anderen post auch durchgelesen. Ich denke, wenn Du den Hund auslasten möchtest, wären ruhige Spiele daheim die beste Wahl. Unterwegs ist der Hund eh schon im Streß, da wird er kein Hobby zum Auslasten erlernen können (sonst wäre z.B. Fährtensuche oder Zielobjektsuche toll, da muß der Hund sich konzentrieren und lernt, andere Dinge auszublenden. Aber wenn der draußen im Streß ist, wird er gar nicht in der Lage sein, sich auf was Neues einzulassen. Wäre evtl. ZOS im Garten möglich?), daher lieber daheim was Ruhiges machen. Suchspielchen zum Beispiel, Leckerli in der Wohnung verteilen und suchen lassen o.ä. Das beschäftigt den Kopf und lastet aus. Ansonsten scheinst Du ja mit dem Radfahren mit ihr ganz gut zurechtzukommen, sodaß sie genug Bewegung auch ohne Laufband bekommt. Unkontrolliertes Rennenlassen puscht den Hund nur unnötig wieder hoch (wobei Laufband ja nicht unkontrolliert ist - das sollte nur ne Anmerkung zum Thema Rennen generell sein ;-) ).
Die Frage ist auch, ob sich die Anschaffung eines Laufbandes dann wirklich lohnen würde - wenn Du so ein Ding kaufst, und der Hund da wenig Begeisterung für aufbringt, ist´s ja auch für ie Katz. Und so wie Du von ihr berichtest, wird sie woanders nicht in der Lage sein, damit umzugehen (z.B. zum Testen in ner Physio-Praxis o.ä.).
Wenn aber der Hund grundsätzlich noch etwas nervös/zu aktiv ist, evtl. die Ausflüge draußen etwas runterfahren von der Intensität und lieber mehr in geschützten Bereichen ruhige Dinge üben. z.B. rausfahren mit dem Auto in den Wald, dort bisserl Gassi, und dann einfach irgendwo auf ne Bank setzen und die Umgebung angucken lassen. So lange, bis der Hund entspannt dasitzt! Dann wieder zurück zum Auto und heimfahren. Dinge wahrnehmen, die Umwelt erleben, die der Hund evtl. früher nie kennenlernen durfte, ist unheimlich anstrengend - das zu verarbeiten, dauert seine Zeit. Daher lieber wenige Eindrücke eine Zeitlang sich festigen lassen, sodaß der Hund entspannt damit umgehen kann, und dann evtl. 1-2 neue dazu - z.B. eine neue Stelle zum Hinsetzen, wo mal jemand vorbeikommen könnte o.ä. Erst wenn er mit solchen Situationen umgehen kann, würde ich an belebteren Stellen kurze Gänge wagen. Auch beim Radeln würde ich mir erstmal ganz ruhige Gegenden aussuchen, und wenns geht, jedes Mal dieselbe bekannte Tour - Streßfaktoren also wo irgend möglich reduzieren.
Und wenn der Hund Sicherheit benötigt, um mit dem "Draußen" umgehen zu können, könntest Du noch anfangen, die Dinge immer zum selben Zeitpunkt zu geben. Das suggeriert Verläßlichkeit, und der Hund weiß jeweils, was auf ihn zukommt. Z.B . jeden Tag nach dem Frühstück die Radrunde. Oder jeden Nachmittag in den Wald - das nimmt nochmal den Unsicherheitsfaktor raus, von "Hilfe, was wollen die jetzt schon wieder von mir" hin zu: "ach, jetzt ist Radeln angesagt, dabei passiert mir ja nix", und der Hund geht evtl. schon von Haus aus ruhiger und mit weniger Anspannung an die Sache ran.
Und erst, wenn er solche Situationen meistert, kannst mal evtl. irgendeine Freundin mitnehmen, die einfach ruhig mit Euch zusammen läuft und den hund weitestgehend ignoriert. Und dabei dann beobachten, wie der Hudn damit zurechtkommt. Eben gaaaanz kleine Steps.... ;-)
Hab zwar selbst keine Erfahrung mit extremen "Angst-vor-allem"-Hunden, aber hab mit meiner Fussel ja auch das Problem, daß sie Panik schiebt vor anderen Hunden. Inzwischen sind wir zumindest von "jeder Spaziergang ist massiver Streß" und "jeder Hund unterwegs bedeutet Schreianfälle mit umgehendem panikbedingtem Durchfall" und "ich muß jeden Hund umbringen, bevor er mich umbringt" gelandet bei "ok - mir ist net wohl dabei, aber schnuppern lassen kann ich den kurz" und einem ganz kurzen "kläffkläff - bäh, da war ein Hund" beim Passieren von Fremdhunden mit anschließend ruhigem Weiterlaufen und Schnuppern an der fremden Spur. Sprich, wir haben den Streß weitestgehend minimiert, erstmal durch Meiden von Hunden, dann aber auch durch Sicherheit geben (ich hab mich davorgestellt, bei zu großer Nähe der Fremdhunde auch Körperkontakt gehalten mit ihr zum Beruhigen - dafür mußte natürlich erstmal das Vertrauen in MICH da sein- hab Hunde angekündigt (sie ist ja blind) und bin dann zügig in größerer Entfernung dran vorbeigelaufen etc.). Und ich hab ihr versucht, mittels Ruhe zu zeigen, daß ich die fremden Hunde jetzt nicht als große Gefahr für uns sehe und die Situation managen kann. Irgendwann hat sie eben angefangen, mir zu vertrauen, und zu lernen, mit den Situationen umzugehen.
Sie wird sicherlich nie ein "Juhu, da kommt ein Hund - Spielen will!"-Hund werden. Aber wer braucht schon sowas - Hauptsache ist doch, daß der Streß für den Hund minimiert wird (weil dieser die Lebensqualität massiv einschränkt für den Hund), daß irgendwann nicht mehr jeder Gassigang ein Spießrutenlauf ist, und daß man den u.U. auch selbst irgendwann wieder genießen kann. Und das ist bei uns der Fall.
Inzwischen kenne ich sie einfach besser, kenne ihre Reaktion, weiß, worauf sie reagiert (Bellen war z.B. voll der Angstauslöser bei Fremdhunden, weil sie durch ihre Blindheit die Körpersprache nicht sehen kann und daher nicht weiß, ob das ne Spielaufforderung sein soll oder eher bedrohlich), habe gelernt, daß und wie ich sie in Situationen im Zaum halten kann (Kunststück, wiegt ja nur 7,5 Kilo *gg) und ihr Sicherheit geben kann, und gehe deswegen auch selbst viel ruhiger in Hundebegegnungen, suche diese sogar inzwischen ab und an gezielt auf, um weiter zu üben (wir sind ja für weitere Verbesserungen offen *gg), und diese Haltung färbt natürlich auch auf den Hund ab. Dazu kommt die Tatsache, daß ihr eben, seit ich sie habe, nie mehr irgendwas passiert ist, kein Hund hat versucht, sie anzugreifen o.ä.