Ich finde, hier wird schon wieder so auf Ausschließlichkeit abgestellt, und nur auf den einen Punkt Kommunikation. Ich las auf der Website nirgendwo, daß man nicht verbal auch kommunizieren darf mit dem Hund.
Bei mir kam die ganze Website so rüber, als möchte da einfach jemand darauf aufmerksam machen, daß Hunde besser körpersprachlich kommunizieren - und wenn ich mir manche Hundeführer ansehe, wie die sich beim Sprechen mit dem Hund bewegen (nämlich gar nicht) und dann eben auch (nicht) kommunizieren mit dem Hund, kann ich mir gut vorstellen, daß deren Hunde sie einfach nicht verstehen.
Und über einen lockereren Umgang und körperliches Spiel mit dem Hund versucht er wohl, die Leute so weit zu bringen, daß sie in der Körpersprache auch mit den Hunden authentischer werden und verstanden werden können. Das ist schon ein ganz anderer Umgang als nur mit Befehlen, oder nur dieses maschinelle: "Hund hat sitz gemacht --> Leckerli rein". Vielleicht macht das den Leuten einfach eher bewußt, daß der Hund keine Maschine und kein Befehlsempfänger ist, sondern sie lernen, daß man mit dem auch Spaß haben kann, ohne gleich einen "Weltherrschaftansichreißer" dabei zu produzieren, weil man zeigt, daß man Spaß hat am Spiel mit dem Hund.
Ich würde da jetzt nirgendwo eine strikte Vorschrift sehen, mit dem Hund künftig nicht mehr zu reden, MT hat da nirgendwo einen Absolutheitsanspruch gestellt.
Für mich wirkt das ganze sehr logisch und durchdacht, und auch nicht fanatisch oder so. Würd´s mir gern mal aus der Nähe ansehen, denn wenn man jemanden im Umgang mit dem eigenen Hund sieht und das an dem mißt, was er erzählt, kann man sich nen viel besseren Eindruck machen und oft auch besser verstehen (bzw. Fragen zum Verständnis stellen), was der überhaupt meint und worauf er hinauswill - oder ob derjenige nur ein Marketingstratege ist ;-)
Ich kann auch gut mit diesen 7 Überzeugungen (die er deutlich als SEINE Überzeugung" bezeichnet, nicht als allumfassende Wahrheit) umgehen, wie dem hier:
"Positive Verstärkung alleine beraubt den Hund seiner natürlichen Ausdrucksweisen" Wichtig ist hier das Wort ALLEINE. Seine Begründung: wenn der Hund lernt, auf Befehl was zu tun und dafür (und NUR dafür) Leckerli zu kriegen, macht er bald nix mehr von sich aus, und kommuniziert nicht mehr mit dem Halter, weil er gelernt hat, bestätigt wird nur Gehorsam, Kommunikation ist für ihn nicht lohnend. Klingt logisch. Heißt aber doch nicht, daß man grundsätzlich nicht mehr positiv bestätigen dürfte!
Oder "Erziehung verhindert Beziehung" - klar - vor lauter Sitzplatzfuß vergißt man oft das Lebewesen hinter dem Befehlsempfänger. Hauptsache, der Hund macht, was gesagt wird. Und schon hat man keine Beziehung zum Hund, sondern einen reagierenden Befehlsempfänger daheim. In einer Beziehung kommunizieren beide Seiten miteinander - MT macht darauf aufmerksam, daß man das Lebewesen dabei nicht vergessen soll, und sich trotzdem um eine Beziehung zum Hund bemühen soll, die man aber nicht über die Erziehungsschiene alleine bekommen wird. Heißt aber doch nicht, daß man den Hund besser überhaupt nicht erziehen sollte!
Und das zentrale Element ist wohl das Spiel mit dem Halter ("Leitwolfspiel"), über das der Hund den Halter und umgekehrt richtig kennenlernen kann, die Körpersprache des jeweils Anderen zu lesen lernt etc. Sozusagen als Basis für eine Beziehung, die über das oft gesehene "Befehlsempfängertum" hinausreicht, und den Hund als Individuum würdigt.
Schön finde ich auch, daß er das auf der Website so ausführlich erklärt, und kein Geheimnis daraus macht, wie er dem Hund zu einer besseren Kommunikation seines Halters mit ihm verhelfen möchte. Von wegen: "kommen Sie zu uns und Sie werden geholfen" ohne nähere Angaben, damit man möglichst viele teure Seminare bucht.
Und am besten find ich, daß er auf Fragen seiner Gäste auf der Website ziemlich jedesmal antwortet ;-) sodaß das Ganze auch hier sehr kommunikativ ist.
Mich würd ja interessieren, was man für so ne Ausbildung bezahlen würde, aber die Preise stehen nicht auf der Website..... ;-) Weil interessant ist der Ansatz schon: erstmal kommunizieren, sich gegenseitig kennenlernen und lesen (das können geschätzt 99% aller Hundehalter nämlich nicht, möchte ich wetten - ok, über den Anteil würd ich mit mir reden lassen.....). Das wird sicherlich viel Erziehung unnötig machen, und schafft andererseits eine Basis für die ansonsten noch notwendige Erziehung.