Zitat
Ich werf mal ein: Hast du es schonmal mit einem Halsband versucht? ...
DANKE - endlich, nach 4 Seiten, mal einer, der auch auf die Idee kommt ;-)
Ein einfaches breites gepolstertes Halsband mit Klickverschluß, das ist in ner Sekunde drangemacht. Und dann bleibt´s halt dran. Bevor ich es anlege (dann klickts nur einmal in Ohrennähe), noch ne 1-Meter-Hausleine dran und fertig. Die bleibt dann einfach am Hund - daher ohne Schlaufe o.ä., womit der Hund hängenbleiben könnte. Und schon mußt den Hunde erstmal nicht mehr anfassen. Das Problem ist halt auch, wenn man sich nicht zuzulangen traut beim Anziehen, signalisiert man dem Hund in dem Moment dieselbe Unsicherheit, die er empfindet - blöde Kombination. Ich glaub fast, es wäre für den Hund einfacher, wenn er ganz ruhig und souverän kurz von Dir gehalten wird und ohne großes Gedöns halt das Halsband angezogen kriegt. So merkt er, Du weißt, was Du willst, das Ganze passiert schnell und schmerzlos, Du strahlst dabei keine Unruhe o.ä. aus, das hilft glaub ich eher als 5 halbherzige Versuche, ein Geschirr anzulegen ;-)
Gassi die ersten Wochen im Garten, wie hier schon geschrieben. Wenn der Hund mutiger wird, mal ne Mini-Runde. Straße auf und ab, wieder rein. Ein-zwei Wochen lang immer dieselbe Runde, dreimal am Tag oder so. Dann (wenn der Hund da schon entspannt laufen kann oder sich sogar zu freuen anfängt, wenns raus geht) etwas verlängern/variieren (zB erstmal links von der Haustüre und dann zurück, dann auch mal rechts lang und zurück). Immer wieder dasselbe gibt dem Hund Sicherheit, er weiß, womit er unterwegs zu rechnen hat. Jeder mit wenig Streß bewältigte Spaziergang (und das geht nur, wenn die Umgebung schon sehr vertraut ist) gibt Selbstbewußtsein beim Hund, läßt ihn gelassener werden und gibt ihm Vertrauen in Dich, weil er lernt, mit Dir zusammen diese Schwierigkeiten zu bewältigen. Da ist quasi weniger mehr.
Ich würde den Hund auf alle Fälle jetzt schon mit ins Haus nehmen - klar ist der Zwinger anfangs evtl. streßärmer, weil da nicht dauernd Menschen rumrennen - aber wie soll der Hund lernen, daß Menschen hierzulande normalerweise nix tun und ganz normal sind, wenn er die nur ab und an sieht? Im Haus könnte er Dich den ganzen Tag beobachten und feststellen, Du tust ihm nichts, und Eure Abläufe durch Beobachten kennenlernen.
Außerdem würde ich einen so ängstlichen Hund erstmal komplett in Ruhe lassen (außer, er krabbelt auf den Tisch oder will die Katzen fressen *gg), und mich nicht ungebeten ihm annähern oder ihn gar von Hand füttern. Selber kommen lassen, wenn er es für richtig hält und sich traut - und das wird erst der Fall sein, wenn er merkt, die Wohnung ist nicht gefährlich, kein Schrank stürzt sich auf ihn, und der Staubsauger frißt ihn nicht. Dann wird er so langsam entspannen und kann sich dem größeren Angstfaktor widmen - dem Menschen, der da mit drin wohnt.
Mein Idee wäre, dem Hund halt immer Futter und Wasser hinzustellen mit dazugehörigem "Kommentar". Sodaß er nach ner Weile merkt, wenn dieses Wort kommt, gibts was Gutes. Dieses Wort könnte man dann gleich als positives Markersignal nutzen. Damit wäre der erste Schritt zum gemeinsamen (ER-)Arbeiten von Dingen getan.
Futter holen, es 2 Meter neben ihn stellen, Wort dazu sagen, und gucken, ob er dann gleich hingeht auf das Wort hin. Dann hat ers verstanden/verknüpft. Dann kannst auch mal in die Küche gehen, das Wort sagen beim Futterhinstellen und gucken, ob er sich traut, Dir zum Futter bis in die Küche zu folgen, oder mal in den Garten o.ä. und dann bitte mit Lob nicht überschwemmen, sodaß er die Krise kriegt (damit kann Hundi sicherlich noch nicht umgehen), sondern das Fressenlassen (und selbst vom Napf weggehen, um den Streß zu minimieren) reicht als Bestätigung. Er kann fressen, ohne daß ihm was passiert - ist ein Erfolg und bestätigt damit, daß er zu Dir gekommen ist aufs Rufen hin. Aber dabei Raum lassen, daß er gehen könnte, wenn er mag, also nicht den Rückweg versperren oder so, indem Du im Weg stehst. Mußt halt gucken, wie das in Deiner Wohnung machbar ist.
Ihm nen Rückzugsraum geben im Haus (offene Box, die für alle tabu ist außer dem Hund o.ä.), der ihm Sicherheit gibt, es ihm aber auch ermöglicht, aus der sicheren Warte heraus zu beobachten, was im Alltag so geschieht bei Euch, und zur neuen "Normalität" gehört. Bis er den Mut hat, dazugehören zu wollen. Also eher das, was man normalerweise (besonders bei Kontrollfreak-Hunden) nicht macht: ein strategischer Platz, von dem aus der Hund ganz viel beobachten kann.
Ich denke nicht, daß der Hund gleich nen Deprivationsschaden hat, nur weil er als Straßenhund Menschen als gefährlich kennengelernt hat, und die hiesige Umgebung nicht kennt. Kann sein, muß aber nicht. Du hast den Hund ja auch erst seit 4 (!) Wochen. Der muß Dich doch erstmal kennenlernen, bevor er Vertrauen entwickeln kann. So ein Straßenhund wurde wahrscheinlich eher bislang von Menschen mit Tritten vertrieben oder Schlimmeres, sowas sitzt schon tief. Und je mehr er im Zwinger sitzt, desto länger wird es dauern, Vertrauen aufzubauen, weil er Dich (wie oben geschrieben) im Haus den ganzen Tag über beobachten könnte, und im Zwinger eben nur begrenzte Zeit mit Dir verbringt. Ist kein Hindernis, aber Du würdest Dir mit ihm in der Wohnung wahrscheinlich einfacher tun, was das Kennenlernen betrifft. (draußen in den Zwinger, wenn Du weg bist, ist in meinen Augen übrigens vollkommen ok, solange der Hund noch nicht 100% sauber ist oder so - aber natürlich nimmer bei 30 Grad unter null, klar...)
Ansonsten kann man tagsüber versuchen, sich möglichst deeskalierend zu verhalten - nicht rumschreien, nicht frontal auf den Hund zulaufen oder gar rennen, nicht mit Tellern um sich werfen, keine tausend Besucher, Reaktionen bei "auf den Tisch klettern" o.ä. Unarten immer gleich halten (z.B. ein-zwei Schritte dosiert (!) auf ihn zugehen mit ruhigem Befehl "RUNTER", oder sich einfach im Sitzen kurz aufbauen mit einem ruhigen NEIN, wenn er dazu ansetzt, das wird schon reichen, ihn zum Ablassen zu bringen, wenn er so ängstlich ist - und nach ner Weile reicht das Kommando alleine, wenn ers verknüpft hat. Anschließend in Ruhe lassen (maximal ein ruhiges nicht quietschendes "feiiiine Maus"), das ist die Bestätigung, wenn er abgelassen hat, wird er wieder in Ruhe gelassen, keiner verlangt mehr was von ihm) - immer gleiches Verhalten gibt Sicherheit. Hund nicht dauernd beobachten, auch nicht aus dem Augenwinkel in gespannter Erwartungshaltung- das merkt der ;-) und schon gar nicht anstarren. Und auch nicht überall mit hinnehmen, solange er selbst daheim mit Dir/Euch noch Streß hat. Erst muß er Dir vertrauen, dann kann er Situationen, die ihn hinaus führen und mit anderen Menschen in Kontakt bringen, auch mit Dir zusammen bewältigen.
Das wäre so, was mir spontan einfallen würde mit so einem Hund. Hab selbst noch keinen richtigen Angsthund gehabt, meine Frieda, die mit Hunden panisch reagiert(e), ist mit Menschen eher sehr freudig und lieb (wenigstens was *ggg), aber ein bisserl was liest man ja doch im Laufe der Zeit hier und dort - und im DF natürlich *gg
So, vielleicht hilft Dir die ein oder andere Idee davon - wünsche Dir jedenfalls viel Erfolg. Und laß Dir/Euch Zeit, bzw. dem Hund Zeit! Setzt Euch nicht unter Druck, dann kommt der schon von alleine irgendwann.