Also generell ist die Reaktion für nen Hund erstmal normal, wenn etwas spontan mit wehenden Fahnen auf ihn zurennt, erschrickt er halt. Und frontal auf ihn zurennen ist erstmal aggressiv, vom Eindruck her, ist einfach so. Körpersprache eben.
Das Verhalten an sich würde ich als Zeichen von Unsicherheit werten. Ja, was heißt schon potentiell gefährlich? Der Hund wird sich jetzt sicherlich nicht aufs nächstbeste Kind stürzen um es aufzufressen - aber aus diesem Verhalten kann natürlich, je nach Deiner Reaktion jetzt, eine Gefahr werden. Nämlich, wenn der Hund in weiteren ähnlichen Situationen lernt, daß Du ihn nicht vor solchen "Gefahren" beschützen kannst und in der Situation souverän reagierst. Insofern würde ich es auch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn sonst wird er irgendwann solche Situationen in seinem Sinne selbst regeln - wie das aussehen kann, brauch ich nicht zu erklären.... Insofern würde ich das Verhalten nicht einfach als "passiert halt mal" ad acta legen.
Du kannst das Kind bei einer weiteren Begegnung natürlich aufmerksam machen, daß es den Hund so erschrecken und sich in Gefahr bringen kann, wenn der Hund im Reflex schnappt. Aber in der Pflicht bist eher Du, solche Situationen künftig zu verhindern. Also an unübersichtlichen Stellen Leine kurz (hast ja schon gemacht) und Hund so plazieren, daß er nicht an die Leute ran kann und die auch nicht an ihn. Also vorausschauend Gassi, wenn man schon weiß, der Hund ist gern mal unsicher. Management sozusagen.
Andererseits kann man natürlich auch dran arbeiten, daß dort, wo schnelle Bewegungen vorkommen, nicht notwendigerweise auch egfahr droht - indem man z.B. in der Nähe einer Schule/eines Kindergartens einfach mal auf ner Bank sitzt und dem Trubel zusieht. Und indem man mit dem Hund und Kindern übt- daß Kinder nicht notwendigerweise gefährlich sind - natürlich bitte mit den Eltern der Kinder absprechen, bevor man sie dem Hund z.B. mal Leckerlies ruhig anreichen läßt o.ä.
Alternativ kann man dem Hund für solche Situationen ein Alternativverhalten beibringen, bis er es von selbst macht - z.B. hinter Dich gehen und dort absitzen und Schutz finden. Erstens fühlt sich der Hund sicher, weil er weiß, was er tun kann, und zweitens erreicht er sein Ziel damit - nämlich (in seinen Augen) nicht weiter bedroht zu werden. Zweitens kann er so lernen, daß Du da vorne Dinge für ihn zu regeln imstande bist, die er komisch findet, und wird dies evtl. auch in anderen Situationen so akzeptieren.
Meine Biene erschrickt schon auch mal, wenn wer unerwartet ums Eck kommt, und kläfft die Person dann unsicher an. Aber bei ihrer Größe weiß ich, daß nix Schlimmes passieren kann, und ich versuche immer, sie rechtzeitig zu mir zu rufen an Ecken, wo das passieren kann, und das funktioniert gut. Dadurch, daß sie so klein ist, hat sich bislang auch kaum wer bedroht gefühlt durch ihr Verhalten - bei nem großen Hund könnte sowas schon mal ne Anzeige zur Folge haben, weil die Leute Angst haben. Also ist es schon wichtig, daran zu arbeiten.
Den Eltern dieses Kindes und dem Kind kannst Du ruhig erklären, daß das eine Reaktion aus Unsicherheit und Erschrecken heraus war und ein Hund ein frontales auf-ihn-Zugehen als aggressiv empfinden kann (laß sie sich ganz konkret vorstellen, frag sie direkt, wie sich das für sie anfühlen würde, wenn mal wer bedrohlich frontal auf sie zurennt und bitte sie, sich vorzustellen, derjenige wäre grad mal dreifach so groß wie sie - so wie halt ihr Kind auch größer als Dein Hund ist). Und sag ihnen, daß das Anknurren selbst in keinster Weise böse ist - ein Knurren hat lediglich die Funktion, zu zeigen, daß dem Hund grad was net paßt, und er aus der Situation raus möchte. Ziel des Knurrens ist also, die Situation zu beenden (indem das Gegenüber versteht, daß er nur seine Ruhe will und deswegen langsamer wird, nen Bogen geht oder ganz weggeht), nicht, das Kind zu beißen. Knurren ist Kommunikation - nicht Aggression!