Zitat
Da ich gestern nur Zeit für einen flappsigen Kommentar hatte jetzt mal ausführlich
Ich finde, der Auslands-TS geht im Moment in ne völlig falsche Richtung und da klammer ich den Hundehandel sogar komplett aus.
Teilweise empfinde ich es sogar als eine Qual für die geretteten Tiere, Beispiel der Galgo vom Jäger der 2-3 jahre jagen dürfte in absoluter Ruhe in seinem Schuppen lebte, der wird von Tierschützern aufgegriffen, die packen ihn so schnell wie möglich nach D, Frau Schmitze mit 2 Kindern und nem Reihenhäusschen möchte doch eh Pflegestelle machen und was gutes tun.
Jetzt sitzt diese, Pardon, arme Sau in D und hat hier gefälligst klarzukommen, Kulturschock haben ja auch andere überstanden. Oder der Hund der jahrelang auf rumänischen Strassen klargekommen ist wird in die 2Zimmerbude in Berlin Mitte verfrachtet
Welpen mit beschissenster Prägung müssen auch noch rüber, haunse rein es gibt genug Leute die gutes tun wollen.
Wenn man etwas mehr auf die Bedürfnisse der A-Hunde eingehen würde, könnte ich das Dingen konkret streichen aber es wird gerettet was nicht bei 3 auf den Bäumen ist
tja und genau das was du schreibst ist eben NICHT das was die meisten hier unter seriösem ATS verstehen.
was den immer wieder genannten jäger-galgo zu frau schmitz in die 2 zimmer wohnung betrifft:
ich hab im laufe der letzten 4 jahre ungefähr für so 20-30 "auslandshunde" vorkontrollen und vermittlungshilfe gemacht. da war kein einziger aufgegriffener ausm schuppen dabei - oder direkt von der strasse.
die spanien-orga, mit der ich zusammenarbeite, hat ein eigenes tierheim in spanien. dort sind mittlerweile ca. 60% der hunde abgabehunde - sprich von der dortigen bevölkerung ins TH gebrachte hunde - teilweise auch unerwünschte würfe. 20% sind fundhunde, die von den gemeinden eingefangen und abgegeben werden und 20% kommen aus den immer noch existierenden perreras.
die orga bemüht sich, die hunde möglichst im land zu vermitteln. der erfolg ist nicht sehr gross - aber immerhin wirds mehr - ganz langsam. die spanischen mitarbeiter vor ort bemühen sich sehr, den einheimischen die kostenlosen kastras "schmackhaft" zu machen, sie bemühen sich mit vorträgen, gesprächen, führungen durchs TH und und und ein umdenken herbeizuführen - auch nicht immer einfach - aber ab und an sind auch da kleine erfolge zu verzeichnen.
wirkliche strassenhunde, die sich schon jahrelang auf der strasse durchschlagen mussten werden nicht nach deutschland vermittelt - eben wegen der umstellungsproblematik, die durchaus nicht zu unterschätzen ist.
die wie oben schon gesagt grösste anzahl der hunde sind tatsächlich die abgabehunde. die mal angeschafft wurden und die früher schlicht irgendwie entsorgt wurden - in perreras, ausgesetzt, irgendwo angebunden, ertränkt oder oder oder. da hat nun bereits ein kleines umdenken eingesetzt - beileibe noch nicht bei allen! grad die landbevölkerung ist noch nicht bereit, sich die mühe zu machen, den nicht mehr erwünschten hund irgendwo hin zu bringen und abzugeben - obwohl die abgabe der hunde kostenlos ist.
da sind etliche dabei, denen man anmerkt, dass sie schon bessere zeiten gesehen haben.
die mentalität der menschen vor ort muss man ändern. grade das typische denken, dass man sich erstmal einen hund holt und wenn dann das erste kind kommt, entsorgt man den hund oder dass eine kastration von freilaufenden hofhunden keine exotische spinnerei von deutschen ist und dass man überzählige welpen aus einem grösseren wurf nicht wegwirft sondern man es im besten fall gar nicht erst soweit kommen lässt und im schlimmsten fall die welpen im TH abgibt, dass ein "gebrauchthund" aus einem TH nichts minderwertiges ist usw. usw. usw.
das alles ist aber eine sehr langwierige geschichte - denn auch die spanischn behörden sind da nicht immer leicht zu überzeugen, die ältere generation so gut wie gar nicht - aber wenigstens die jüngeren informieren sich mittlerweile.
wenn nun die hunde in die vermittlung kommen, dann wird immer der spanische interessent vorgezogen - und die einheimischen die sich bereiterklären, einen tierheimhund aufzunehmen, zahlen fast nix dafür - bzw werden oft sogar noch weiter unterstützt.
die, die nach DE oder Ö vermittelt werden, finanzieren das alles zu einem grossen teil. die orga bemüht sich, nicht blindwütig hunde zu exportieren - sondern versucht, passende menschen zu finden.
nicht immer einfach, denn man kann schlicht nicht immer wissen, wie die vorgeschichte der hunde war - man kann vermuten, man kann gucken, wie sie sich im TH verhalten - aber eine 100% aussage gibt es nie. die gibt es auch in TH in DE nur selten.
der "jäger-galgo ausm schuppen" wird nicht zu frau schmitz in die mansarde vermittelt. der kleine wuschel, der mal in einer spanischen familie lebte und abgegeben wurde, als das kind kam, schon eher.
der überzählige und übern zaun der perrera entsorgte gosso-welpe - auch der wird nach DE vermittelt. der kam übrigens hier mit 10 wochen an - bei mir - und sein kulturschock hielt sich in grenzen. nach 4 jahren zusammenleben mit eben diesem welpen wage ich zu sagen, der ist so "normal" wie ein gos dAtura nur sein kann.
eine freundin von mir lebt in ungarn. sie hat dort einen hof und mittlerweile 23 hunde. alles ungarische tierschutznasen - teilweise hat sie sie selber irgendwo gefunden, teilweise von tierheimen übernommen - ich hab sie letztens besucht - alles ganz normale hunde und die meisten (nicht alle) könnte ich mir sofort bei mir zuhause vorstellen - auch ohne kulturschock.
alle hunde, bei denen ich bisher mitvermittelt habe, sind hier in DE ohne grössere probleme. natürlich brauchts aufklärung vor der vermittlung, natürlich brauchts zeit und ab und an auch arbeit - aber das ist doch fast immer so. bisher war noch kein problem so gross, dass man es nicht lösen konnte. (stubenreinheit z.b., autofahren lernen, leinenführigkeit lernen - das ist so das übliche).
ich möchte damit nicht sagen, dass ALLE auslandshunde ach so dankbar, ach so lieb, ach so unkompliziert sind - denn das stimmt definitiv nicht. aber wenn man seitens der orga bei der vermittlung sorgfältig vorgeht, wenn die neuen besitzer wissen, was auf sie zukommen kann und wenn man nach der vermittlung noch als ansprechpartner zur verfügung steht - dann ist die problemfallquote auch nicht viel höher, wie bei der vermittlung aus deutschen tierheimen.
was keine orga dieser welt allerdings leisten kann ist, den interessenten psychologisch zu durchleuchten und rauszufinden, ob er tatsächlich informiert werden will und wirklich weiss was auf ihn zukommt. aber auch das problem haben die deutschen THS genauso.
und ja - auch da geht leider immer mal wieder eine vermittlung schief. sei es, weil der mensch nicht zum hund passt, sei es, weil die problematik unterschätzt wurde, sei es, weil der hund sich doch ganz anders entwickelt als erwartet, ab und an ändern sich auch die lebensumstände der adoptanten dramatisch - eine 100% garantie gibts einfach nie.
und keine orga dieser welt kann verhindern, dass die "wir-retten-alles-tierschützer" und die "wir machen kohle tierschützer" mitmischen. man kann nur immer wieder warnen und inforimeren so gut es geht - und hoffen, dass es irgendwann mal keinen auslandstierschutz mehr geben muss. aber bis dahin ist es noch ein weiter weg.