Man wird hellhöriger - und mir kommt es vor, als ob es sehr sehr viele Schattierungen bei der Anschaffung eines Haustiers gibt.
Der eine überlegt lange, was er denn für ein Tier haben will, sucht einen Züchter aus und gibt viel Geld für ein Rassetier aus, das aber einwandfreie Papiere besitzt und eine lange Ahnenreihe vorweisen kann.
Der nächste hört, dass die Nachbarn junge Kätzchen haben und übernimmt spontan eines oder zwei, weil sie so süss sind.
Der dritte bekommt das Tier von nett meinenden Leuten geschenkt.
Der vierte bummelt über einen Flohmarkt, sieht dort so süsse Welpen in einer schmuddeligen Decke und nimmt spontan ein Tier mit, weil er es ja retten will.
Der fünfte schaut sich im Fernsehen "Tiere suchen ein Zuhause" an und geht in sein örtliches Tierheim, um sich dort umzusehen. Nach längerer Zeit als "Gassigeher" zieht dann einer seiner Lieblinge bei ihm ein.
Der sechste blättert auf den einschlägigen Vermittlungsseiten herum (Zergportal etc.) und verliebt sich irgendwann in seinen Wunschhund..
Einer will ein Tier zum kuscheln und streicheln, der andere zum Beobachten und Anschauen, der nächste als Begleiter bei sportlichen Aktivitäten, wieder andere wollen irgendwann selbst züchten usw. usw.
Und dann gibt es natürlich noch die, die ein lebendiges Accessoire benötigen - sei es, um das Bild der glücklichen Familie (Vater, Mutter, zwei propere Kinder und ein Labbi oder Golden Retriever im Eigenheim mit Garten) zu vervollständigen, sei es, weil man in einschlägigen Kreisen zu mopsfidelen Parties geht oder den Chihuahua tanzen lässt.
Die Beweggründe sind so vielschichtig wie die Menschen an sich - und jeder hält seinen Grund, ein Tier anzuschaffen für den richtigen. Und immer wird es andere geben, die etwas dagegen zu argumentieren haben.
Man kann hier nicht sagen, dass die eine oder andere Ausdrucksweise für die Familienergänzung durch ein Tier richtig oder falsch ist. Egal, ob ein Tier nun irgendwo gekauft wird, aus dem Tierheim übernommen wird (wobei die dort zu entrichtende Schutzgebühr ja auch so ähnlich wie ein Kaufpreis ist) oder ob der eigentliche Erwerb kostenlos ist - jeder übernimmt mit der Anschaffung eine Verantwortung, derer er sich bewusst sein sollte.
Ich habe z. B. für Leika nichts bezahlt - aber sie musste zuerst einmal vom Tierarzt grundimmunisiert werden, es mussten vernünftige Leinen/Halsbänder/Geschirre, ein guter Schlafplatz und anständiges Futter angeschafft werden. Wir haben sie recht spontan mitgenommen, wollten zu dem Zeitpunkt eigentlich noch keinen Hund. Aber dort, wo sie war, konnten wir sie nicht lassen - also sind wir spontan "auf den Hund gekommen" - und können es uns heute gar nicht mehr ohne sie vorstellen.
Was ich eigentlich sagen wollte: Man sollte nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, sondern darauf vertrauen, dass auch diejenigen, die "sich einen Hund holen" oder "anschaffen" oder "kaufen" dies tun, um dem Tier ein angemessenes Leben zu bieten und um sich selbst die Freude zu geben, ein Tier bei sich aufzunehmen.
Gruss
Gudrun