Mit welchen Methoden sollten Jagdhunde heutzutage ausgebildet werden? Anlass zur Bestürzung gab mir der Lehrfilm Die Grundausbildung des Jagdhundes (DVD, 2005). Der Lehrfilm entstand in einer renommierten Jagdhundeschule. Eigentlich hatte ich mir die DVD besorgt, um mit älteren ausgebildeten Jagdhunden bekannte Arbeiten genau so üben zu können, wie sie sie einst kennen und lieben gelernt hatten – ODER?! Ich wollte mir auch Tricks für meinen alten arbeitsfreudigen Pflege-Terrier aus dem Tierheim abgucken. Ich war auch scharf darauf zu erfahren, wie heute von Jägern mit jungen Hunden das Apportieren mit positiver Motivation eingeübt wird, wie der Enthusiasmus der arbeitsfreudigen Tiere herausgekitzelt und genutzt wird. Meine Erwartungen wurden enttäuscht, ich war schockiert.
Auch heute noch tierschutzrelevante Jagdhunde-Ausbildung?!
Der Traum von positiver Motivation war ganz schnell vorbei: Mittels Korallenhalsband lernte der Hund schnell bei Fuß zu gehen, mittels Zwangsapport lernte er schnell das Aufnehmen und Bringen. Durch Strafreize (an den Behängen ziehen) gewöhnte sich der junge Hund ganz schnell ab, das Apportel fallen zu lassen. Durch wiederholtes grobes Drücken auf den Boden traute der Hund sich bald, nicht mehr, die befohlene "Platz"-Position zu verlassen.
Der Anblick war bitter. Die Starkzwang-Zeiten sind also noch längst nicht vorbei, sondern nach wie vor gesellschaftsfähig?! Diese Bilder kenne ich nun knapp 40 Jahre, und es ändert sich NICHTS.
Mit Starkzwang geht es natürlich fix, dachte ich. Ist die Ausbildung mit positiven Methoden wirklich so viel langwieriger, uneffektiver, nicht machbar, so dass man auf so veralteten und tierfeindlichen Methoden beharrt? Weil der Mensch sich ein Ziel stellt, muss sein Tier Schmerzen und Leiden ertragen!? In Angst leben?
Wissen Sie was? Ziehen Sie einen Hund in der Öffentlichkeit an den Ohren, und Sie haben berechtigt den Tierschutz im Nacken. In der Jagd aber heiligt der Zweck die Mittel.
In den Filmen war deutlich zu erkennen, dass die Hunde lediglich gehorchten, um der Strafe zu entgehen. Sie liefen mit geduckter Haltung, eingeklemmten Ruten und erwarteten Gewalt von ihren Besitzern. Sie zeigten Angst und eine generelle Verunsicherung, nicht aber Vertrauen, selbst als sie "abgelobt" wurden. Die Hunde zahlen für ihre wirksame Ausbildung einen recht hohen Preis: sie leben in viel höherer Unterwürfigkeit, als im Rudel angebracht ist, und in Angst vor ihrer Bezugsperson. Diese Erfahrungen hat der Hund gemacht, sie sind nicht mehr rückgängig zu machen.
Später erst, wenn der wiederholte Erfolg diese ersten Erfahrungen überdeckt, spielen bzw. arbeiten sich die Hunde frei. Dann haben sie so etwas wie Selbstvertrauen. Sie kennen ihre Rolle bei der Jagd und können etwas, was ihre Besitzer nicht allein leisten können. Sie spüren, dass sie für den Jagderfolg wichtig sind.
Was aber immer bleibt, ist beim erzwungenen Gehorsam die Angst vor der Unterdrückung, die sich stets in problematischen Situationen wieder zeigt. Ist der Hund entsprechend gelagert, beißt er irgendwann doch mal zu. Und dann wird er "entsorgt" (Wort ist bewußt gewählt!), oder er landet im Tierschutz.
Für positive Erziehung!
Meines Erfahrung nach bieten die Hunde die eigens selektierten Eigenschaften und erforderlichen Verhaltensweisen im Ansatz geradezu selbst an. Sie kooperieren gern für einen tollen Zweck, sie springen regelrecht ins "Platz", in Erwartung einer Belohnung oder einer weiteren interessanten Teilübung! Sie schulen gern ihre Ausdauer, Konzentration und ihre komplexe Arbeitsweise! Das gilt nicht nur für Jagdhunde.