Man merkt, dass Ihr Vorurteile habt, wie eine Katzenausstellung tatsächlich abläuft. Sonst würdet Ihr wissen, dass man eine Katze unter Beruhigungsmitteln gar nicht ausstellen könnte. Der würden sofort die Nickhäute hochfahren und schon kann man wieder heim gehen.
Natürlich gibt es so geltungsbedürftige Besitzer, die unbedingt auch ein ängstliches Tier ausstellen wollen - nur - wie will man so eine Katze präsentieren ? Die kann man nicht auf dem Arm festhalten, die wird ja zur Furie. Die muss auch auf den Tisch - und wird nicht vom Besitzer festgehalten.
Dort wedelt der Richter mit einem Spielzeug, lässt sich beschnuppern, streichelt die Katze, schaut nach dem Fell, ertastet, ob ein Sternum vorliegt. Dann streichelt er sie wieder, fährt den Schwanz entlang, um einen eventuellen Knick auszuschliessen und schaut nach, ob das Schwänzi die richtige Länge und Breite hat.
Dann wedelt er wieder mit dem Spielzeug, motiviert die Katze, ihn anzuschauen, notiert die Augenfarbe, stellt das Kätzi wieder hin, notiert die Körperproportionen, beurteilt das Wesen (Verhalten beim Richten) und schon ist man fertig.
Das alles dauert vielleicht 2 - 3 min und dann darf Katzi wieder auf Mamas Arm. Anschliessend stellen sich die Besitzer der gerichteten Rasse in einer Reihe auf und man bekommt die Beurteilung in die Hand gedrückt.
Auf dem Platz rollt sich die Katze dann wieder auf Deinem Schoss ein, pennt weiter und man kann in Ruhe in seinem Buch weiterlesen. Irgendwann kommt ein Stuart und teilt Dir mit, dass Deine Katze vielleicht zu den Rassebesten gehört. Du setzt Dir also den Schnurrbacken ein weiteres Mal auf die Schulter, latschst wieder zum Richter, dort stehen noch zwei, drei weitere Besitzer mit ihren Katzen und er fällt nochmal sein Urteil.
Ist die Katze sehr rassetypisch, kommt sie vielleicht noch ins Stechen mit anderen Rassen. Dann kannste Dein Buch wieder nicht fertig lesen, sondern musst nochmal auf die Bühne. Ok, manche Katzen kotzt das dann doch an und sie zappeln auf dem ausgestreckten Arm rum. Ich hab das nicht geübt, weil das nicht zum täglichen Umgang gehört, meine Katze hatte ich IM Arm. Deshalb wurde meine Katze auch nie Best of was weiss ich. Aber das ist ja jedem seine eigene Entscheidung - ich fand es affig, meine Katze "lang zu ziehen", sie wollte halt kuscheln und ich tu nix, was meine Katze nicht auch will.
Dann ist man endlich fertig, latscht ein drittes mal auf seinen Platz, die Katze rollt sich wieder schnurrend ein und wenn die Ausstellung dann endlich fertig ist, hat man auch das Buch durch.
Meine Ambitionen, auf Ausstellungen zu gehen, blieben in dem Rahmen, dass ich der Züchterin einen Gefallen tat, weil sie ihren Nachwuchs bewertet haben wollte. Es blieb bei 5 Ausstellungen, meine Maus und ihre Geschwister wurden Deutscher Premior/Champion (die Geschwister sind auf viel mehr Ausstellungen gegangen) und wir haben unsere Schuldigkeit getan.
Meine Katze hat dabei weder einen Schaden erlitten noch war sie apatisch. Wir mussten auch nix üben, sie liebt den Platz auf dem Schoss. Sie ist so menschenfreundlich, dass sie sich von jedem streicheln lässt und es ihr nichts ausmachte, auf diesem Richtertisch rumzuturnen und dem Wedel nachzuhüpfen.
Meine noch die Katzen meiner Freundin, die Geschwister standen unter Drogen, noch waren sie apatisch. Meine Süsse hat die ganze Zeit gepennt, geschnurrt und ist auf mir rumgekrabbelt. Wir haben den ganzen Zirkus auch nicht geübt. Hätte meine Katze im Kennel Terz gemacht, hätten mir die Umstände der Ausstellung nicht gefallen, hätte Käfigpflicht bestanden - wäre ich grad wieder heim gefahren ;-).
Hier noch ein Bild von meiner Maus während der Ausstellung - natürlich auf ihrem Lieblingsplatz: Meinem Arm
Und nein, sie ist nicht high, sondern geniesst die ungeteilte Aufmerksamkeit ihres Frauchens.