Ich möchte euch hier einen Bericht geben über die vergangen Tage mit einem ach-so-tollen-Hundeflüsterer :kopfwand:
Wie einige von Euch ja schon wissen,
hat Bruno einige Probleme wenn es um das Thema Leinen-Agression geht.
Aus diesem Grund hatten mein GG und ich beschlossen noch einmal einen Trainingskurs mit unserem „Kragenbären“ zu absolvieren.
Nach langem Suchen und endlosen Diskussionen haben wir einen 3-Tages-Kurs mit dem edlen Slogan: „Der Herr bin ich“ in einer Ferienwohnung in Österreich gebucht. Der Veranstalter des Kurses wurde als der „deutsche Hundeflüsterer G.W.“ angepriesen.
Selbstverständlich habe ich mich über G.W. informiert. Er unterrichtet absolut gewaltfrei, ohne Starkzwang und ähnliches. Stachelhalsbänder und Teletak, selbst der Leinenruck sind laut Internetpräsentation verpöhnt.
... Es hörte sich alles toll an. !!!!
Also fuhren wir am 30.4. los. Den GG auf den Beifahrersitz, den Hund auf die komplett umgebaute Lupo-Rückbank und den Jet-Bag rauf aufs Dach .... und weg waren wir.

Frauchen durfte fahren, Herrchen saß entspannt mit Bierchen in der Hand und gab weise Ratschläge zur Streckenplanung während Bruno auf seiner Hundematratze im Fond des Lupo für sich Hinpupste und Schnarchte.
4 Stunden später ....geschafft. Wir waren am Ziel ....in 1100 m Höhe, bei stolzen 6°C.
Gibt es eigentlich außer uns noch andere Blöde, die dem Winter hinterher fahren ?
Kein Blatt am Busch oder Baum, die Osterglocken öffneten gerade ihre Blüten und die Tulpen schauten immerhin schon 10cm aus der Erde.
Egal .... was machen Hundehalter nicht alles für ihre Fellnasen
– und tatsächlich, es gab noch 6 andere Hunde, die von ihren Haltern als „Hunde mit Ausbildungsdefizit“ nach Österreich verfrachtet wurden.
Abends ging es dann das erste Mal richtig zur Sache. Man traf sich (10 Hundehalter + 7 Hunde + 3 Hundeausbilder) in einem „kleinen gemütlichen Raum“ von 20 m².
Jeder stellte sich und seinen Hund vor und natürlich auch das Problem des Tieres.
Dann gingen die 3 Trainer (1 Hundetrainerin, 1 Problemhundetrainer und 1 Azubi) im Raum herum beugten sich über unsere Hunde, sprachen Fach-Chinesisch miteinander, machten kluge Gesichter, nickten weise und setzten sich wieder hin.
„Wir treffen uns dann morgen um 11 Uhr auf der Hundewiese. Planen Sie pro Tag ca. 800 g Fleischwurst in erbsengroßen Stücken ein – und füttern Sie Ihren Hund heute Abend und morgen Früh nicht.“ – sprachen sie und waren weg.
Die 7 Problemhunde waren:
2 Labbi: ohne Probleme – Herrchen hatte den Urlaub bereits gebucht und dann festgestellt, dass ein Hundetrainer zu dieser Zeit da ist – Fazit vom Herrchen: Schaden kann es ja nicht
1 Retriever-Ridgeback-Mix in braun: 5 Jahre, erfolgreich in Agility – Problem: manchmal, besonders wenn läufige Hündinnen in der Nähe sind, ist der Mix abgelenkt und zeigt anderen Rüden die Zähne
1 Altdeutsche Schäferhündin: 9 Monate; ängstlich und unsicher– wahrscheinlich wegen der 3 Lausbuben im Haushalt
1 Münsterländer-Labbi-Hündin, 10 Jahre; die Hundedame ist passionierte Jägerin – vll. kann man ja was lernen
1 AmStaff Rüde: 8,5 Monate, es hapert an der Leinenführigkeit – er zieht.
1 Bruno: die wahrscheinlich einzigste echte Baustelle; 3,5 Jahre, leinenagressiv, ängstlich und mißtrauisch gegen Fremde
Am nächsten Morgen um 11 Uhr:
6 Hunde auf den Zimmern, man holt die Schäferhündin: versucht 45 Min. lang, den Hund mit Leckerchen von einem Trainer zum nächsten zu locken. Dann pfeift einer mit ner Trillerpfeife .... das war´s.
So gegen 13.30Uhr war Bruno dran: der Problemhundetrainer holt einen Stahlmaulkorb raus (NylonMaulkorb kennt Bruno – mach ich beim TA immer drum) – ich soll den Maulkorb anlegen:
Frage: Warum
Antwort: nur zur Sicherheit des Trainers, er möchte Brunos Agressionsverhalten prüfen.
Also hab ich Bruno den Maulkorb anglegt und dem Trainer die Leine in die Hand gegeben.
Mein Hund hat gezittert und gesabbert vor Angst.
Meinte der Trainer: das muss sein, Hunde sind nicht nachtragend, die vergessen schnell.
Ich hab meinen GG angeschaut – Frage in meinen Augen – Antwort: versuchen wir es – vll. hilft´s ja
Wir wurden hinter einen Busch geschickt damit Bruno uns nicht direkt sieht.
Dann hat der Trainer versucht, Bruno mit Leckerchen (bitte den Stahlmaulkorb nicht vergessen) langsam zu sich hin zu locken.
Bruno hat den Typ eigentlich ignoriert – er hat ihm den Rücken zugedreht. Daraufhin hat die Trainerin Bruno umgedreht zum Trainer hin. Ich glaube in dem Moment hat Bruno die Nase gekräuselt. Nach gut 30 Min. bin ich hin, hab dem guten Mann die Leine und meinem Hund den Maulkorb abgenommen. (Ich hatte die Schnauze voll!)
Die Trainer-Elite meinte dann: Bruno sei zu agressiv – da könne man in 3 Tagen nichts machen – da muss ein privater Trainer von ihnen her – 2 Tage lang – 600 Euro; aber das Problem wäre behoben.
Auf meine Frage, warum 1 Trainer in 2 Tagen mehr schaffen soll als 3 Trainer in 3 Tagen habe ich keine Antwort bekommen.
Nach uns kam der AmStaff dran, natürlich auch mit Stahlmaulkorb; der arme Kerl hat gejault und gewinselt, der hat die Welt nicht verstanden.

Am nächsten Tag wurde dann der Staff dran genommen: gesichert mit 2 Leinen und einer Kette !!!! :kopfwand:
Der Trainer sah aus wie ein Michelin-Männchen – gepolstert ohne Ende
Dann hat der Problemhundtrainer den armen Hund so lange attakiert, geschrien, ihn erschreckt, Tritte vorgetäuscht usw, bis der gute Staff endlich zugebissen hat .... er ist auf die Füsse des Trainers los.
Keine 3 Sekunden später kam dann das vernichtende Urteil: der Hund ist aggressiv, er braucht einen privaten Trainer – allerdings 3 Tage – macht 900 Euro.
Ich wusste es: Bruno ist ein Schnäppchen 
Die nächsten Tage waren Spielerei:
Wie erlange ich die Aufmerksamkeit meines Hundes ?
Futter auf weißen DIN-A 4 Blättern verteilt: Hund dürfen nichts nehmen (Hundi blieb aber an der Leine!)
Leinenführigkeit: da hätte ich mir beinahe in die Hose gepieselt. Die Trainerin nahm den Jagdhund-Mix und wollte Leinenführigkeit demonstrieren – hat aber übersehen, dass die gewählte Route an einem Hasenauslauf vorbei ging ---- nix mit Leinenführigkeit – die 10 jährige Hündin stand da wie eine EINS
Ach und was ICH noch alles Wichtiges gelernt habe ?
Dank der täglichen 2-stündigen Power-Point-Präsentation weiß ich jetzt:
Hunde spielen nicht
Hunde sind Egoisten
Hunde bauen keine Bindung zu ihren Sozialpartnern auf
Hunde freuen sich nicht – sie handeln nur zweckgemäß
Hunde können bis zu 12 Std. täglich lernen ...
Hunde brauchen keinen Auslauf (10 Min. morgens, 10 Mittags und 10 Abends – das reicht völlig aus)
Hunde sind nicht nachtragend (siehe oben) – aber ... – Bruno hat den Problemhundetrainer immer angeknurrt und sich hinter mir versteckt ... ich weiß, er ist aggressiv, aber dafür liebe ich ihn.
Als diese 3 Tage endlich rum waren, hat unser Urlaub begonnen – und er war richtig toll.
Gut, ich habe fast eine Woche gebraucht, um Brunos Vertrauen wieder zu gewinnen und sein Mißtrauen umzupolen ... die 3 Tage Fleischwurst (ich habe 2 Tage lange gekochte Hühnerbrust genommen – dann war der Laden leider leer) hat Bruno noch auf den Rippen.
Aber was soll´s – wir haben den Urlaub ohne größeren Schaden überstanden – und die restliche Zeit genossen.
Hoffentlich trifft das auch auf die Besitzer des AmStaff zu („Vegas“ hieß die Schlabberbacke)
Kurzfassung: das Programm von G.W. liest sich gut. Ich glaube auch, dass er selbst viel von Hunden versteht. Allerdings hat er mittlerweile ein Verkaufsprinzip entwickelt, man findet es unter HundeW.... im I-Net, welches man leider nicht empfehlen kann.
Ich persönlich hatte das Gefühl, man arbeitet nach dem bewährten „Schneeball-System“.
Obertrainer, Problem-Trainer, Trainer, Azubi ... suchen Sie ein neues berufliches Standbein ? Werden SIE Hundetrainer bei HW.
Weitere Bilder findet ihr https://www.dogforum.de/viewtopic.php?…rk_post#7105127