Beiträge von dragonwog

    Natürlich werden Verhaltensmerkmale vererbt, sonst könnte es ja gar nicht die ganzen verschiedenen Hunderassen mit ihren Aufgaben geben.

    Ganz besonders stark von den genetischen Anlagen hängt das Maß an Ängstlichkeit ab. Hunde können also beispielsweise übertriebene Ängstlichkeit veererben, und je nach Hundetyp führt dann Ängstlichkeit sehr schnell zu Aggressionsverhalten. Ebenso können verschiedene Auffälligkeiten der Neurotransmitter und bestimmter Hirnareale zu vererbaren unerwünschten Verhaltenseigenschaften führen.

    Je nach individuellem Hund kann sowas ganz schnell gehen, da reicht bei sehr sensiblen Hunden unter Umständen ein einmalig für den Hund ungünstiges Erlebnis aus (Besucher streichelt Hund, der auf dem Arm ist, beispielsweise) um das vom Schäferhund beschriebene Beispiel zu produzieren. Leider sind sehr viele Weiße Schäferhunde extrem ängstlich und wesensschwach :hust: .

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    Wenn ich den Hund fürs Aufhören bestätige, dann bestätige ich ihn fürs Aufhören und das wird dann verstärkt. Das ist doch ganz einfach.

    Nicht, wenn du das Verhalten mittels Strafe unterbrichst (wenn es denn wirklich eine Strafe ist). Wenn das Verhalten nicht weniger wird, dann war es keine Strafe.

    Problem ist, dass der Strafreiz gegenkonditioniert wird, wenn hinterher eine Belohnung erfolgt (was die meisten Menschen ja machen, weil der Hund sein Verhalten unterbricht) und die Strafe keine Strafe mehr ist und der Hund immer weiter abgehärtet wird und Mensch immer heftiger sein muss.

    Ansonsten ist es trotzdem absolut wichtig, den Hund in seinem Fehlverhalten zu unterbrechen (möglichst nett), wenn es denn nun einmal soweit gekommen ist, dass der Teppich angekaut wurde. Denn mit jedem Mal, mit dem der Hund ein als problematisch bewertetes Verhalten ausführt, wird es etablierter (groooße Autobahnen im Hirn vs. kleine)

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    Wenn man einen Hund für das Aufhören lobt, dann übt man umbewusst auch die Verhaltenkette ein, egal ob man das nun streng unterbricht oder nicht. Besser ist es, denn Hund zu loben, bevor er den Teppich anknabbert.


    Eigenständige Rassen haben mitunter aber keinen "Folgetrieb", nur so als Anmerkung :D

    Nee, wenn der Hund für das Verhalten "Teppich anknabbern" die Konsequenz der positiven/änstigenden Strafe erhält, wird das Verhalten "Teppich anknabbern" weniger intensiv, weniger häufig und kürzer gezeigt. Verhaltensketten entstehen bei Verstärkung und nicht bei Strafe, beispielsweise, wenn man das Verhalten "nett" mit einem über Belohnung aufgebauten Aufmerksamkeitssignal oder dem Marker unterbricht. Verhaltensketten sind aber an sich nicht schlimmes.

    Wenn der Hund gerade ein Bedürfnis zum Nagen hat, ist es natürlich sehr effektiv, das Verhalten VOR dem unerwünschten Verhalten möglichst bedürfnisbefriedigend zu belohnen (beispielsweise mit einem benagbaren Kauartikel) um es zu verstärken.

    Da es aber durchaus kreative Hundekinder gibt, die in sämtlichen Möbelstückchen großartigste Kauartikel sehen, kann man mit dem "vorher" belohnen a) schnell sämtliche Belohnungsressourcen an dieser Baustelle verballern und es bleibt nix für andere wichtige Dinge wie Leinenführigkeit, Stubenreinheit, Grunderziehung...übrig b) muss der Hund je nach Typ permanent unter Beobachtung stehen und c) kann man bei einem hochmotivierten Knabberer auch absolut wahnsinnig werden, weil man die ganze Zeit am Barrieremarkern ist.

    Daher halt ich die Lösung mit Bitterpaste, die an den unerwünschten Knabberstellen aufgetragen wird, in Kombination mit genügend Möglichkeiten zum Kauen durch Kauknochen, Kauwurzeln, Seilen, Geweihstückchen usw. für sehr pragmatisch und praktisch.

    Folgetrieb...ja, hatte mein Pointer ab einem Alter von acht Wochen, von da an hat er zuverlässig die Vögelchen am Wegesrand verfolgt...

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    Ich meine mich an eine amerikanische Studie zu erinnern, aber das wurde mir nur mündlich auf einem Seminar mitgeteilt, daß Halsbandträger im Alter zu Blindheit neigen.

    Drückt euch dochmal selber leicht auf den Kehlkopf. Super unangenehm.

    Mal die ganze Studie gelesen? Der mit der Blindheit verbundene erhöhte Augeninnendruck steigt auch beim Ziehen im Geschirr. Und nicht das Tragen vom Halsband ist gefährlich, sondern der Zug, wie im Geschirr auch (nur n bisschen weniger).

    Es gibt allerdings auch Rassen, die generell nicht so empfindlich bezüglich des Zuges/und Augendruckes sind, wie beispielsweise Huskys.

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    Diesbezüglich finde ich leider keinerlei Parallelen zu meiner Manila, da ihr Grundtempo schon einmal völlig davon abweicht.
    Sie ist und bleibt ein unvorstellbarer Flitzebogen, der aber dennoch ( in exponierten Lagen und Gebieten) auch durchaus leinenfrei unterwegs sein kann und auch darf.

    Jedenfalls ist jeder, wer auch immer mit uns mitläuft, baff erstaunt, was diese Laufenergie betrifft, sie ist wohl kaum zu toppen und fast nicht vergleichbar.

    Erhalte dir das bitte. Du könntest Manila mit einem entsprechenden "Training" auch ganz schnell dazu bringen, genauso durch die Welt zu tippeln (sprich, es wird weniger Orientierungs- und Neugierverhalten gezeigt). Das ist bequem für den Halter, für den Hund geht allerdings ein großes Stück Lebensqualität verloren. Das Herumwuseln und Flitzen ist ganz natürlich und Manila hat es supergut mit euch getroffen!!

    Zu diesem Thema gibt es auch eine größere Studie, aber egal. Mach einfach so weiter, Hundi wird es euch danken!

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    :lachtot:

    Danke, schön geschrieben!

    Also...blöd gesagt ist bei uns Küchentür zumachen sowohl eine bekannte, als auch gleichermaßen unnötige Maßnahme, da meine Hündin - durch wiederholtes Lernen - nicht in die Küche geht, ohne dazu aufgefordert zu werden. Und Kommando "raus" kennt sie auch.

    Und in der von dir beschriebenen Situation gibts von mir tatsächlich nen scharfen Anschiss - und ja, das IST dann negative Verstärkung, wenn man wieder auf Lerntheorie gehen will! Sie tut was und bekommt was negatives dafür Ganz einfach, ganz intuitiv, ganz alltäglich - und auch für nen normalen Hund kein Grund, zusammen zu brechen.
    Und natürlich ist das teil einer Konditionierung: Klauen = Ärger. Und die ist gut, schnell, klar und völlig okay so.

    Ähm, das ist dann eben keine negative Verstärkung...ich dachte du hast das so ausführlich in der Uni behandelt? :???:

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    Ich STUDIERE Psychologie und kenn den ganzen Lerntheorie-Kram ja leider nur zu gut.

    Habt ihr das so vermittelt bekommen? :verzweifelt:

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    Ps: Immer wieder erstaunlich - und sehr positiv im Grundzug! - wie gut und intensiv sich manche hier mit Lerntheorie und Konditionierung beschäftigt haben und ganze Bücher darüber schreiben könnten. Doch wie selbst mein Psychologie-Professor zu dem Thema schon sagte: "Theorie ist schön, Praxis überm Tellerrand ist schöner!"


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    Dann sollte der gute Mann sich etwas mehr mit Wissenschaftstheorie auseinandersetzen...

    Und wenn man ernsthaft an Verhalten in der Praxis arbeiten möchte, kommt man um die funktionale Verhaltensanalyse nicht herum...