Beiträge von Lisa mit Emma

    Das Hauptproblem ist, dass wir an der Donau wohnen und sie total gerne badet und ich ihr vor allem im Sommer diese Erleichterung gerne gönnen würde. Leider ist der Hundestrand eine relativ kleine Fläche, mit vielen Hunden im Sommer...

    Aber wenn ihr meint Fremdhunde zu umgehen ist das Beste, vielleicht finde ich eine Stelle wo sie alleine mit Schleppleine rein kann.

    Und irgendwie hab ich das Gefühl sie mag es trotzdem auch mit anderen Hunden zu laufen, warum geht sie sonst hin im Freilauf? Oder lässt sich das auch durch Unsicherheit und Stress erklären?

    Liebes Forum,

    ich lese hier schon längere Zeit, seit ich meine erste Hündin habe, still mit. Nun habe ich drei zusammenhängende Fragen an euch mit einer kurzen Einführung.

    Zur Vorgeschichte:

    Ich habe eine 22 Monate alte Wällerhündin (Briard-Australian Shepherd-Mischling, falls ihr bei dieser Mischung die Augen verdreht (ist mir leider schon zu oft passiert, bin da etwas vorgeschädigt) lest bitte zuerst meinen Nachtrag).

    Sie ist sowohl im Umgang mit mir (unter der Woche Bürohund), als auch im Umgang mit den Reizen im städtischen Umfeld ein sehr entspannter Hund (durch Training).

    Um in Richtung meiner Fragen zu kommen: Hundebegegnungen waren am Anfang schwierig, sie ist an der Leine schnell ausgeflippt (in die Leine gesprungen, fiepen, nicht bellen, Frust ect., später hat sie die anderen Hunde dann beobachtet, ist aber nicht steif geworden), wenn sie einen anderen Hund gesehen hat, auch auf größere Entfernungen. Durch Management, Umorientierung zu mir, einzelnen Hunden länger hinterhergehen, bis sie ihr egal sind, dem Einbringen von viel Ruhe meinerseits bei Hundebegegnungen und dem Beobachten von Hundezonen aus der Ferne funktioniert es inzwischen sehr gut, solange der andere Hund sie nicht anbellt. Dann wird sie hibbelig und unruhig, sie bellt aber nicht (mehr) zurück und geht eher nicht nach vor, sondern will weg.

    Wenn wir beim Training sind (egal ob auf dem Hundeplatz oder beim Rettungshundetraining) ignoriert sie die anderen Hunde inzwischen komplett.

    Im Freilauf ist sie eher unsicher, unterwürfig und fiddelt öfters anderen Hunden gegenüber, ist aber dennoch interessiert an anderen Hunden (sie läuft im Freilauf gerne zu anderen hin (nach meiner Freigabe), egal ob diese in Bewegung sind oder statisch). Eine komische Mischung?

    Sie wurde auch schonmal von einem Rottweiler vollkommen überzogen zurechtgewiesen, am Rücken fixiert und gebissen, seitdem ist sie bei allen Hunden die optisch einem Rottweiler gleichen besonders unterwürfig.

    Wenn sie die Hunde näher kennt, spielt sie zwar körperlich manchmal etwas grob (wobei ich einschreite), aber eigentlich sehr ausgeglichen mit Rollenwechseln, wobei sie mit ihrer besten Freundin am liebsten Laufspiele macht mit Wechsel zwischen Jäger und Gejagtem.

    Meine Fragen:

    1. Kann ich irgendetwas tun, damit sie anderen Hunden gegenüber nicht so unsicher ist, sie möchte ja anscheinend trotzdem andere Hunde kennenlernen (oder lässt sich das Hingehen auch durch Unsicherheit erklären? Ein Fiddle-Angriff ist die beste Verteidigung?). Würdet ihr den Freilauf mit fremden Hunden einfach meiden (tue ich im Moment)? Wie kann ich es im Freilauf aufbauen, dass sie nicht zu anderen Hunden hinwill?
    2. Wenn sie auf fremde Hunde trifft, die anfangen zu laufen, läuft sie gerne hinterher, bietet auch Rollenwechsel in den Pausen an (nach 50 bis 100 m), wenn diese nicht angenommen werden, hat sie aber auch kein Problem darin in der Rolle des Jagenden zu bleiben. Sie rammt oder zwickt die anderen Hunde aber auf keinen Fall, packt aber ihr schnellste Geschwindigkeit aus, sie stellt aber auch nicht ihren Kamm auf. Seht ihr etwas Problematisches in diesem Verhalten? Dazu muss ich noch sagen, dass sie als Welpe viel auf Bewegungsreize reagiert hat, inzwischen kaum mehr. Kann das auch etwas mit kontrollieren (Hütehund) oder jagen zu tun haben, oder mag sie einfach gerne Laufspiele (mit ihrer besten Freundin spielt sie hauptsächlich so, auch mit ihrem Spielzeug läuft sie gerne durch die Gegend)? Sollte ich da einen Hundetrainer fragen, oder sie einfach frühzeitig abrufen in diesen Situationen (die Situation ist sehr selten) und gut ist?
    3. Habt ihr vielleicht einen Tipp, wie ich ihr noch mehr Sicherheit und Ruhe geben kann, wenn sie Hunde anbellen? Unser größtes Problem ist im Moment, dass bei ruhigen Hunden ein Abstand von zwei bis drei Metern gut klappt, wenn der andere Hund genau auf unserer Höhe anfängt zu bellen ist das natürlich ziemlich kontraproduktiv.

    Was sagt ihr generell zu ihrem Sozialverhalten? Ergeben die Einzelteile ein Bild für euch?

    LG
    Lisa (sorry für den ausführlichen Text und danke fürs lesen)

    (Nachtrag zum Thema Wäller, da ich besonders in unserer Anfangszeit vielen begegnet bin, die ungefragt massive Kritik an der Mischung geäußert haben: Ich weiß, dass diese Mischung häufig nicht sehr beliebt ist, und einige denken, dass es ein komplett überdrehtes Monster ist, das niemand geschenkt haben möchte. Ich bin sehr glücklich mit meinem Mädchen, sie ist ein toller Alltagshund in einer großen Stadt, 8 Stunden ruhig im Büro unter der Woche und am Wochenende macht sie großartige Arbeit beim Rettungshundetraining. So viel zum schlechten Ruf der Wäller.)

    Wir hatten zwei sehr aufgeweckte Junghunde gleichzeitig im Haushalt, aber mit unterschiedlicher Hauptbezugsperson...
    Bevor die jüngere eingezogen ist habe ich für meine Hündin die Regel aufgestellt, dass im Haus nicht wild gespielt/gelaufen wird. Das hat die Hündin meiner Mutter dann komplett auf den Kopf gestellt :face_with_rolling_eyes: und ich wollte nicht gegen Windmühlen kämpfen, es war schlicht nicht durchsetzbar.

    Inzwischen ist die Impulskontrolle von beiden ziemlich gut und die Regel wurde wieder in Kraft gesetzt. Seit geraumer Zeit ist laufen und abfangen spielen verboten (wird unterbrochen), Maulrangeln bzw. im Hundebett balgen ist erlaubt... Obwohl die Regel erst später eingeführt wurde, haben sie sich recht schnell damit abgefunden.

    Ich habe mit dem Thema "Zweithund mit großem Altersunterschied" zwei verschiedene Erfahrungen gemacht:

    1. Meine Emma zog bei mir ein als meine Eltern einen 7-jährigen Rüden hatten, der eigentlich gut mit anderen Hündinnen konnte. Unter der Woche war Emma alleine mit mir, am Wochenende (oder auch mal für ein bis zwei Wochen am Stück) waren wir bei unseren Eltern.
    Von dieser Situation haben nach und nach beide Hunde profitiert. Unser älterer Hund fing wieder an zu spielen und lustig zu sein, auch wenn er am Anfang etwas brummelig war.
    Meine Emma lernte etwas Respekt vor älteren Hunden, hatte einen fixen Sozialpartner, lernte mit ihm das alleine bleiben, mit ihm blieb sie sogar ganz entspannt in einem Hotelzimmer (Nannycam). Trotzdem habe ich das "Ganz-alleine-sein" auch unter der Woche trainiert. Zudem hat sie (Australian Shepherd-Mischling) auch ein bisschen Ruhe von ihm gelernt, wobei ich hier aber trotzdem den Großteil des Trainings selbst übernehmen musste.
    Der einzige Nachteil war, dass sie mit ihm einmal abgehauen ist, einem Reh hinterher. Das war aber mein Fehler, ich kannte seine Schwäche, das ist mir auch kein zweites mal passiert.
    Unser Rüde verstarb dann leider sehr jung, Emma war kurz etwas verändert im Verhalten, aber nicht für lange, sie kannte es ja schon, dass er manchmal nicht da war, außerdem zog kurz danach, durch einen Zufall, wieder ein Welpe bei meinen Eltern ein.

    2. Meine zweite Erfahrung zu dem Thema ist recht konträr, was die Verhaltensveränderung nach dem Tod des älteren Hundes betrifft. Ich bilde Emma als Rettungshund aus und in unserer Staffel hat sich folgender Fall zugetragen: Mein Kollege hatte zwei weiße Schäferhunde mit einem Altersunterschied von 5 - 6 Jahren. Die Hunde wuchsen sehr eng zusammen, und der jüngere durfte manchmal mit der älteren Hündin mitkommen, wenn sie gesucht hat. Die Hündin ist nun vor einem Jahr verstorben und der Rüde hatte einen totalen "emotionalen Zusammenbruch". Zuhause war er sowieso die ganze Zeit traurig, hatte zu nichts mehr Lust und schlief nur mehr dort, wo sie immer geschlafen hat. Draußen konnte der Besitzer ihn etwas ablenken, aber auch bei der Rettungshundearbeit fehlte ihm plötzlich der Antrieb. Er suchte nicht mehr oder nur mehr sehr halbherzig, und löste teilweise auch nicht aus, wenn er dann doch gefunden hatte. Ich weiß nicht ob es damit zusammenhängt, dass er manchmal mit der Hündin mitlaufen durfte (im Aufbau) und der Trieb quasi unweigerlich mit ihr verknüpft war. Bei sowas wäre ich auf alle Fälle vorsichtig.

    Auch ich bin schon am überlegen bzgl. eines Zweithundes in den nächsten 3-4 Jahren (Emma liebt Hunde, sie würde sich ziemlich sicher freuen), ich bin aber auch noch nicht schlau geworden aus meinen recht unterschiedlichen Erfahrungen mit der Trauer des jüngeren Hundes... Vielleicht hilft es aber ja jemand anderem....