Beiträge von alsatian00

    Ich wäre arm geworden, hätte ich den Hund auf den Kopf gestellt. Bin ich ganz ehrlich.
    Dass das Hecheln jetzt vorbei ist, ist nur wegen einem Zufallsbefund.

    Darf ich fragen, was es dann im Endeffekt war?

    Es war sicher eine Mischung aus allem: Stress wegen Hormonen und Schmerzen wegen Prostata.
    Irgendwann im September hat er sich eine Blasenentzündung geholt. Die artete dann aus, er hat irgendwann nur noch Blut gepinkelt.

    Hier kann ich sagen, dass er Schmerzen hatte. Aber nur, weil ich wusste das etwas nicht in Ordnung war. Er hat nicht gequietscht, sich nicht komisch verhalten, er hat gefressen und getrunken. Ganz normal.

    Beim US hat man dann gesehen, dass seine Prostata vergrössert war. Wie stark weiss ich nicht mehr, aber sie hat jedenfalls schon sehr auf den Darm gedrückt und das wohl schon länger... aber ich habe nie was gemerkt. Anscheinend erkennt man das ja auch am Stuhlgang, aber frag mich nicht wie.

    Er bekam Hormonspritze und es normalisierte sich alles. Die Prostata wurde kleiner, die Entzündung ging weg und die Hormonspritze begann zu wirken. Und damit hörte sein Hecheln einfach auf.

    "Bist du dir sicher, dass du einen Hund willst? Du musst dann immer mit ihm raus. Auch bei Regen, gell?"

    Wenn die Wolken so am Himmel hängen und es schüttet, dann hallen mir diese Worte lautstark im Schädel nach. Und dann schaue ich meinen Hund an, der schon mit Rucksack und Propeller-Cap vor der Haustür wartet und ich weiss genau:

    Sogar wenn die Welt draussen untergeht, will er raus. Und er freut sich darauf. Immer.
    Egal, ob es schüttet. Ob es schneit. Ob Frösche vom Himmel fallen. Er will immer rausgehen.

    Und darum ist schlechtes Wetter hier kein Grund, nicht mit dem Hund rauszugehen.
    Das Gute ist: Man hat meistens draussen auch seine Ruhe. Ehrlicherweise habe ich auch diese "Null-Bock" Momente. Vor allem im Winter: Es ist kalt, die Strasse ist glatt und es ist früh dunkel. Aber wenn ich sehe, wie sehr er sich freut wenn ich nur aufstehe mit dem Gedanken, dass ich 'jetzt mit dem Hund müsste', dann ist auch "keine Lust" kein Grund, nicht mit dem Hund rauszugehen.

    Ich schaue eigentlich, dass ich immer mit dem Hund rausgehe und Zeit mit ihm verbringe. Tage mit nur kleinen Löserunden gibt es eigentlich nur dann, wenn die Nacht für ihn sehr kurz war oder, wenn die zwei Tage Bürozeit mich mental sehr konsumiert haben.


    Gibt es dafür Tipps?

    Leinenpflicht und durchhalten.
    Habe ich soeben mit meinem durchgemacht. Kurze Leine und dann halt schauen das er nicht rumrennt und warten. Die zwei Wochen haltet ihr durch. Besser, als wenn es sich dann 6 Wochen zieht.

    Bei meinem Hund war das nicht so einfach.
    Wenn er sich etwas angestossen oder geprellt hat, hat er das körperlich gezeigt. "Innere" Schmerzen habe ich nicht gemerkt, obwohl sie anscheinend lange da waren. Ich wusste, dass etwas komisch mit ihm war. Das einzige Indiz, das ich hatte, war sein Hecheln.

    Dieser Hund hat ständig gehechelt.
    Ohne erkennbaren Grund und einfach so. Es gab kein Muster dahinter. Er sass Abends da, hat gehechelt und das wars. Irgendwann hat er sich hingelegt, ausgeschnauft und geschlafen.

    Ich wusste nicht, ob es Stress war, ob ihm heiss war, ob er Schmerzen hat, ob ihm Übel war oder oder.

    In dieser Hinsicht finde ich es wirklich sehr schwer zu erkennen, wann ein Hund Schmerzen hat und dann noch abzuschätzen, was für Schmerzen und woher sie kommen könnten.

    Ich wäre arm geworden, hätte ich den Hund auf den Kopf gestellt. Bin ich ganz ehrlich.
    Dass das Hecheln jetzt vorbei ist, ist nur wegen einem Zufallsbefund.

    Wir habens auch hier schon mit aufstehen, hinsetzen, aufstehen, hinsetzen versucht, nachdem Motto, das muss ja mal langweilig für ihn werden.
    Auch konsequentes zurückschicken hilft nicht.

    Da lernt der Hund halt einfach nichts dabei.
    Wegschicken klingt immer so einfach, aber wenn der Hund nach dem wegschicken wieder kommt, dann ist entweder das Signal nicht gut genug aufgebaut oder der Hund schafft es einfach noch nicht.

    Mich hat das damals bei meinem Schäferhund aber gar nicht so gross gestört. Er kam sogar mit aufs Klo. Das hat sich mittlerweile gelegt. Im Büro wird er aber gezielt begrenzt, weil er mir selbst heute noch überall hin folgen würde. Das tue ich mit einem Innenzwinger bzw. einer riesigen Box, der davor einfach positiv belegt wurde ohne grossartig bewusst Training dafür aufzuwenden. Ich habe ihm einfach nur Futter, Kausnacks und Co da reingestellt und die Tür zugemacht. Klappt problemlos und er geht da auch von alleine rein.

    Hätte ich heute wieder einen Welpen, würde ich ebenfalls mit einer Box als "safe space" arbeiten. Kindergitter wären mir jetzt zu umständlich, aber unsere Türen lassen so was auch gar nicht zu ohne das man da Abdrücke im Holzrahmen hinterlässt.

    Vielleicht muss man sich auch einfach klarmachen, dass gewisse Hunde auf Druck in Konfliktsituationen sehr sehr sensibel reagieren und dieser Hund hier vielleicht einer von der Sorte ist.

    Man kann das aus der Ferne natürlich nur eingeschränkt beurteilen, aber das, was ich aus den Beschreibungen lese, wirkt für mich weniger wie "plötzlich aggressives Verhalten" oder ein Hund, der "einfach testet", sondern eher situatives Verhalten und immer mit derselben Funktion: Distanz herstellen. Die Eskalationen scheinen jeweils dort entstanden zu sein, wo Nähe (z. B. Halsband greifen) oder Reize (der Handschuh) ungefragt in seinen Raum kamen und der Hund keinen klaren Ausweichweg hatte oder halt nicht wusste, was er stattdessen tun soll. Für uns Menschen ist das heftig, wüüüürde aber erklären, warum es eher punktuell auftritt und warum Abschnappen in diesen Momenten offenbar das letzte verfügbare Mittel war, nachdem andere Signale nicht zum Abbruch von eurem Verhalten geführt haben.

    Es gibt Hunde, die reagieren in solchen Konstellationen schneller und deutlicher. Wenn es wirklich ein Schäfer/Husky-Mix ist, reagiert er aus meiner Sicht halt sehr rassetypisch vorwärtsgerichtet. Das sollte man ernst nehmen, euer Hund kommuniziert aus meiner Sicht da sehr deutlich, dass er auf Druck mit Eskalation reagiert.

    Wegschicken funktioniert aus meiner Sicht nur dann gut, wenn es für den Hund konfliktfrei möglich ist: Also wenn er von selbst gehen kann und weiss, was die Alternative ist. Sobald der Mensch den Hund bewegen muss, entsteht Druck und das scheint er nicht gut zu vertragen.

    Für mich würde hier ein Trainer Sinn machen, der zuerst über gutes Management und klare Abläufe geht: Struktur reinbringen, zeigen, wie man Situationen konfliktfrei auflösen kann, Rituale aufbauen, Kooperation fördern usw. Also gar nicht erst in diese Konflikte kommen. Und sein Ruheort = absolute Tabu-Zone! Wenn er sich dort zurückziehen kann, soll er das auch bitte tun ohne das er an diesem Platz auch bedrängt wird.

    Alles, was mit regelmässigen Korrekturen, Bestrafung, "Durchsetzen" im Konfliktmoment zu tun hat, würde ich unbedingt meiden. In einer konflikthaften Situation mit so einem massiven Stress schaltet das Gehirn um, da lernt der Hund nix mehr. Das betrifft für mich alle Trainer, die ausschliesslich mit körperlicher Korrektur arbeiten und sich um jeden Preis immer durchsetzen wollen sowie ständig mit Druck auf den Hund gehen.