Richtig, der Ansatz des Trainings ist Desensibilisierung. Nach Rücksprache mit dem Trainer werden wir jetzt viel kleinschrittiger arbeiten. Er war gestern da und es lief wieder deutlich besser. Das heißt, wir arbeiten erst mal mit so geringem Reiz, dass Lucy noch nicht in die Gegenwehr geht, und steigern dieses Minimalpensum dann langsam. Mit dem Ziel, dass es dadurch nicht mehr eskaliert. Das könnte z. B. so aussehen:
Woche 1: täglich 1x an- und ableinen
Woche 2: täglich 2x an- und ableinen
usw.
Ausschließlich mit Geduld, Liebe und Abwarten Vertrauen aufzubauen, hat mein Partner ja 3 Monate lang versucht und die Aggression nahm zu statt ab. Dieser Weg führt meiner Meinung nach bei Lucy nicht zum Ziel. Ob der neue, kleinschrittige Weg zum Ziel führt, ist ebenfalls ungewiss. Aber er ist die einzige Option, die uns bleibt.
Kurzfristiges Ziel (bis Mitte Januar) ist: Der Hund soll sich ohne mein Beisein an- und ableinen lassen (es geht nur um die Leine, das Geschirr anlegen schaffen wir bis dahin wahrscheinlich noch nicht) und mit meinem Freund eine kurze "Pinkelrunde" drehen können. Draußen an der Leine lässt sie sich von meinem Freund ganz gut führen, löst sich problemlos und hat weder den Vorwärts- noch den Rückwärtsgang drin.
Mittelfristiges Ziel (bis Juli 2026) ist, dass Lucy ohne Gegenwehr alle normalen Alltagshandlungen durch meinen Freund zulässt: Geschirr anziehen, Pfoten abputzen, anfassen, kurz festhalten, auf die Decke schicken.
Wer welche Rolle spielt, hatten wir vorab klar festgelegt: Es ist MEIN Hund, ich bin hauptverantwortlich. Mein Freund unterstützt mich als Backup, indem er gelegentlich die Betreuung des Hundes übernimmt, wenn ich verhindert bin. Ursprünglich sollten meine Eltern ein weiteres Backup sein, z. B. als Urlaubsbetreuung. Diesen Wunsch habe ich schon aufgegeben, denn auch gegen sie hat sie schon mehrfach geknurrt und das wäre mir echt zu gefährlich.
Dass mein Partner und ich das mittelfristige Ziel (siehe oben) erreichen, ist für mich alternativlos, damit wir als 3er-Team zusammenleben können. Einen Hund +10 Jahre lang völlig alleingestellt zu versorgen und gleichzeitig immer mit einem Auge darauf achten zu müssen, dass Lucy den wichtigsten Menschen in meinem Leben nicht durch einen Biss verletzt, wäre für mich persönlich keine tragbare Variante des Zusammenlebens.