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1. Was könnten Rassekenner aus dieser Verpaarung als Zuchtziel nennen?
Gebrauchshund als Jagdapportierhund.
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2. Warum (abgesehen vom finanziellen Aspekt) ist gerade diese Zucht
so umstritten?
weil es keine Zucht ist und die Art und Weise, wie diese Mischlinge vermarktet werden alles andere als seriös ist.
Das ursprüngliche Zuchtziel war eine reine Gebrauchskreuzung, kein "Familienhund" oder sonst was in der Art. Sondern eine reine Gebrauchskreuzung zum Kombinieren bestimmter Eigenschaften der Ausgangsrassen um den "idealen, allergikerfreundlichen Blindenführhund" zu erhalten. Also einen Arbeitshund, einen Gebrauchshund.
Das hat leider so nicht funktioniert und damit wurde die eigentliche Gebrauchszucht weitestgehend wieder eingestellt.
Denn leider sind Hunde keine Erbsen. Man kann nicht einfach einen kurzhaarigen, stark haarenden, nicht gerade allergikerfreundlichen Labrador mit einem wollhaarigen, "nicht" haarenden, relativ allergikerfreundlichen Pudel verpaaren und erhält dann einen kurzhaarigen, nicht haarenden, allergikerfreundlichen Blindenführhund.
Die beiden Rassen wurden durchaus auch deshalb ausgewählt, weil sie von den Eigenschaften her recht ähnlich sind. Beides Wasserapportierer, also Jagdhunde, die v.a. nach dem Schuß arbeiten. Wobei beide Rassen idR trotzdem einen recht hohen Spiel- und Beutetrieb mitbringen, was ja für die Ausbildung zu einem Gebrauchshund ideal ist. Bei beiden Rassen gibt es Linien mit mehr und mit weniger stark ausgeprägtem Jagdtrieb.
Beiden Rassen sagt man eine gewissen "Menschenfreundlichkeit" nach. Der Grosspudel hat im allgemeinen noch ein relativ intaktes Sozialverhalten, sprich er wird im Laufe des Erwachsenwerdens etwas reservierter im Verhalten, während der Labrador idR zeitlebens "everybody's darling" bleibt. Betonung auf "idR" - die Bandbreite der individuellen Eigenschaften ist natürlich bei beiden Rassen genauso gegeben, wie bei allen anderen Rassen.
Im Grunde genommen also zwei Ausgangsrassen, die sich sehr ähnlich sind - sie neigen sogar dazu, die gleiche Sprungtechnik zu haben :/ (und das ist jetzt nicht positiv gemeint).
Könnte aber, wenn man das so betrachtet, vielleicht daran liegen, dass diese Sprungtechnik bei einem Wasserjagdhund die "idealere" ist?????? Müsste mal darüber nachdenken.
Also wie geschrieben, die gewünschte Gebrauchsfähigkeit, sprich das gewünschte Zuchtziel, wurde nicht erreicht.
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3. Gibt es eine Doodle-Art, die bereits von einem Verband anerkannt ist?
Definiere "Verband".
Die Doodle-Mischlinge und generell alle Designer Dogs sind von seriösen, weltweit anerkannten Zuchtverbänden wie der FCI, dem AKC, CKC (dem Canadian Kennel Club, nicht dem "Dissidenzverband", der sich mit der gleichen Abkürzung "schmückt"), KC usw. nicht anerkannt.
Aber da ja grundsätzlich die Möglichkeit besteht, einen eigenen Verein/Verband zu gründen, gibt es natürlich Verbände, die diese Designer Dogs anerkennen, also extra dafür gegründete Verbände, damit man sagen kann "seht her, wir sind in einem Zuchtverband, wir sind anerkannt".
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4. Wenn nein. Warum nicht? Wenn ja, warum nur diese Art?
Weil sie die Voraussetzungen der "Rasse" nicht erfüllen. Und zur Anerkennung etwas mehr gehört als nur mal ein paar Generationen Doodle-Mix mit Doodle-Mix zu verpaaren.
Wenn ich das richtig weiss, braucht es bsp. bei der FCI mindestens 8 Linien, die unabhängig voneinander sind. Also mindestens die letzten 5 Generationen absolut keine gleichen Ahnen haben. Kann auch sein, dass es mehr Generationen sind. Ich werf das mit den Generationen immer wieder durcheinander.
Dann müssen mindestens 1000 Tiere in einem Zuchtbuch eingetragen sein. Und zwar Tiere, die NICHT durch Kreuzung der Ausgangsrassen entstanden sind, sondern ebenfalls bereits mehrere Generationen Vorfahren haben, die "rein" gezüchtet wurden.
Dann müssen die Produzenten dieser "Rasse" erst mal einen FCI-Landesverband finden, der die Rasse zumindest national anerkennt.
Und damit wären wir bei der ersten grösseren Hürde. Die rein technischen Geschichten wie mindestens 8 unabhängige Linien, 1000 eingetragene Tiere usw. sind ja nicht mal so tragisch. Braucht halt Zeit, Planung und entsprechend Aufwand.
Aber für die nationale Anerkennung bei einem Landesverband braucht es einen stimmigen Standard, ein vernünftiges Zuchtziel und last but not least die Zustimmung der Mitglieder des entsprechenden Landesverbands. Und da dürften die jeweiligen Pudel- und Labrador-(bzw. allgemein Retriever)-Verbände auch noch ein paar Takte mitreden.
Tja und selbst wenn ein Landesverband eine "Rasse" national anerkennt, dann heisst das noch lange nicht, dass die FCI als Ganzes diese Rasse anerkennen muss. Denn die gleichen Hürden von wegen Standard, Zuchtziel, Zustimmung der Mitglieder usw. muss auch nochmal bei der Anerkennung durch die FCI "durchlaufen" werden.
Im Prinzip ist es bei den anderen Verbänden wie AKC, CKC usw. ähnlich.
Vor Jahren/Jahrzehnten war es meines Wissens wohl leichter, neue Rassen anerkennen zu lassen. Aber die Verbände haben dazu gelernt. Und damit nicht jeder Hinz und Kunz, der sich über eine Bestimmung im Standard "seiner" Rasse ärgert, mal eben hergehen und eine "neue Rasse" kreiieren kann, wurden die Bestimmungen in den letzten Jahren/Jahrzehnten immer weiter verschärft.
Dagmar
mir geht es da wie Murmelchen. Es gibt genügend Hunderassen, die ich hässlich finde - na und, muss ich mir ja nicht anschaffen. Und zeitweilig ändert sich auch der Geschmack. Ich kann mich erinnern, dass ich vor 15 Jahren über Windhundartige gesagt habe "mein Gott wie häßlich diese mit Haut überzogenen Knochengestelle sind". HEute finde ich die meisten dieser Hunde sehr grazil, elegant und überhaupt nicht mehr hässlich.
Kaufen würde ich mir trotzdem vermutlich keinen.
Denn, auch da stimme ich Murmelchen zu, zunächst muss mir das Aussehen gefallen. Und daraus dann suche ich mir die Rasse mit den Eigenschaften, die am besten zu mir passen.
Es gibt viele Hunderassen, die mir gefallen würden, die ich aber aufgrund ihrer Eigenschaften nicht halten würde. Andererseits würde ich mir auch keinen Hund halten, der mir nicht gefällt, nur weil die Eigenschaften passen.