Die Anforderungen ... naja ... Sind das nicht normale Anforderungen? - Bis auf die Arbeit vielleicht, aber, wie gesagt, notfalls kann er auch zuhause bleiben. Ich meine: Jeder Hund sollte doch bei Aktivitäten dabei sein, oder? Und mal allein bleiben können? -
Das sind normale Anforderungen - aus Menschensicht! Genau das meine ich mit, Anfänger haben manche Sachen nicht im Blick.
Für einen Hund, der von kleinauf mit Menschen zusammenlebt, sorgfältig auf so ein Leben vorbereitet wurde und dessen charakterliche Disposition dazu passt, ist das auch durchaus machbar.
Es ist aber nicht vorinstalliert.
Wenn die Rasse nicht dazu passt, kann das mit manchen Sachen schon schwierig werden (Wachtrieb z.B.)
Und wenn der Hund auf so ein Leben nicht vorbereitet wurde, kann es ihn durchaus überfordern. Ein Hund der Angst vor Menschen hat, tut sich evtl. schwer mit einem Büroalltag (außer, man hat ein Einzelbüro und niemand kommt rein).
Einen Tierschutzhund zu holen, ist eine tolle Sache - aber dann sollte unbedingt der Tierschutzgedanke im Vordergrund stehen. Also: dann muss man den Hund so nehmen können und wollen, wie er ist. Mit all seinem Gepäck und seiner Vorgeschichte.
Wenn der Hund möglichst gut ins eigene Leben passen soll, finde ich es persönlich fairer, sich einen gut aufgezogenen Welpen einer passenden Rasse zu holen, der ins eigene Leben reinwächst.
Klar kann es sein, dass der TS Hund direkt ganz wunderbar zu allem passt. Oder ein Welpe ultra schwierig ist. Es kann immer alles sein.
Ich finde aber, einen gut gezogenen Begleithundewelpen aufzuziehen, idealerweise mit Trainerbegleitung, ist für einen Anfänger nicht schwieriger, als sich auf einen TS Hund mit bereits gefestigten schlechten Erfahrungen einzustellen.
Dass ein an sich netter, mittelgroßer Hund nach einem Jahr nicht vermittelt wurde, wirft halt Fragezeichen auf, bei mir.
Ich will euch nicht den TS Hund ausreden! Aber ich will dir gerne das Mindset ausreden, dass das was ihr von diesem Hund erwartet, ganz normal ist.
Und das mit dem "Probewohnen" finde ich auch kein gutes Herangehen. Klar, wenn was gar nicht klappt, dann ist Rückgabe eine gute Option - aber mit der Einstellung "Geb ich ihn halt zurück" sollte man nicht drangehen. Für diesen Hund ist das eine sehr stressige Erfahrung, kein "probier ich halt mal".
Ich würde lieber sagen, geht wirklich erst mal ein paar Wochen regelmässig Gassi mit ihm.
Nach einer Woche Probewohnen kann man auch nicht viel sagen. Das wäre ja gerade mal der Anfang der Eingewöhnungszeit.
Wenn ihr einen Tierschutzhund wollt, dann lasst euch auch drauf ein und seid vorbereitet, dass eure Erwartungen EVTL nicht erfüllt werden, und dass es auf jeden Fall, im besten Fall, eine Weile dauern wird.