ich hab nochmal nachgedacht über das zum Gassi zwingen. Und ja, es kann durchaus Sinn machen bei manchen Hunden, einfach souverän zu wissen, was man macht. Dem Hund Führung und Sicherheit zu geben. Das ist dann durchaus gelegentlich Zwang, aber manche Hunde kann man anders nur schwer aus ihrem eigenen psychischen Gefängnis heraus holen. Was nicht gleichbedeutend mit hinterherschleifen ist, damit ich nicht falsch verstanden werde. Aber es kann schon einen Unterschied für den Hund machen, ob man dann eben mit zögert oder vermittelt, daß es passt wenn man ein Stückchen noch weiter geht.
Sagen wir mal so: Es gibt Hunde, da kann sich der Hundehalter dran versuchen und mit dem Hund zusammen wachsen, ist ja bei Ersthundehalter und Welpen zb der Fall.
Und es gibt Hunde, da sollte man von Anfang an in etwa wissen und spüren, was man macht und was für den individuellen Hund richtig sein wird. Bonnie ist so der Hund, wo ich dann sag: "Komm, wir machen das (durch die Wohnanlage durchgehen zb), und das fand sie lange Zeit ziemlich schlimm. Ich habe da auch nicht gelockt, rumgedutzid oder so, sondern wir sind da einfach durch. Weil ich das sage und ich als Mensch weiß, daß das möglich ist und für Bonnie auch zu verarbeiten.
Mit meiner ersten Angsthündin wäre das unmöglich gewesen auf diese Art, man hätte sie wie einen nassen Sack hinterhergezogen, weil sie vor Angst schlicht und ergreifend gelähmt war. Da war unser Anfang so: Zum Auto tragen (weil Auto fand sie toll), in den einsamen Wald fahren (weil Garten nicht vorhanden), dort hinsetzen, den Hund die für sie völlig unbekannte Welt 5 - 10 Minuten fühlen lassen und dann wieder heim. Das waren unsere Anfänge. Ein zweites Leben für einen Hund, der 6 Jahre lang eingesperrt war.
Meinen Angsthunden gemeinsam ist, daß der Alltag mit ihnen eigentlich nicht normal ist. Ich hab des öfteren überlegt, ob ich in dem Thread "Leben mit schwierigem Hund" schreiben soll, weil vielleicht wäre es für den ein oder anderen hilfreich, aber für mich sind diese Hunde nicht schwierig. Weil ich halt weiß, was ich mache und nicht hilflos vor dem Hund stehe. Und ich glaube, das ist wichtig. Nicht seine Meinung zu haben, wie man was machen sollte, sondern den richtigen Weg für den Hund erkennen.
Und von Anfang an die Talente, Begabungen, Interessen des Angsthundes suchen und finden und fördern. Eben nicht an einem 'Problem' hängenbleiben und daran arbeiten, sondern eine Basis bilden. Und mit dieser Basis ist vieles möglich.
Und nicht jeder muß mit Angsthunden zurechtkommen und man sollte sich auch einfach eingestehen, was man kann und was nicht. Für mich wären Aggrohunde nichts, das weiß ich und da brauch ich mich auch nicht dran zu versuchen.