Beiträge von Schäferterrier

    Ich weiß, dass ich mit so einem Hund umgehen kann, aber ich bin sehr unsicher, ob ich mir das noch einmal an tun möchte.

    Ich weiß es gerade nicht mehr: Hast du die Möglichkeit, sehr regelmäßig/in kurzen Abständen mit ihr Gassi zu gehen?

    Ich war schon mal ganz schrecklich in einen TS-Hund verliebt. Ich konnte ihn damals nicht nehmen, war aber regelmäßig im Abstand von 4-5 Tagen mit ihm spazieren und habe immer gesagt: Wenn ich die Möglichkeit hätte, der dürfte sofort einziehen.

    Tja, dann bin ich mal ne Woche lang täglich mit ihm draußen gewesen. Am 7. Tag, da kann ich mich noch sehr gut daran erinnern, kam dann der Punkt, an dem ich mir dachte: "So gern ich dich hab, du bist ein unfassbar toller Hund und mein Herz hängt unglaublich an dir - aber GsD bist du nicht mein Problem".

    Was ich damit sagen will: Sich mal wirklich regelmäßig in kurzen Abständen mit dem Hund auseinanderzusetzen (ohne "Verschnaufpausen") kann schon bei der Entscheidungsfindung helfen.

    Besagter Hund ist nun anderweitig vermittelt und auch wenn ich ihm im Herzen immer noch nachtrauere, weil er einfach etwas Besonderes für mich war: Es ist richtig so. Ich hätte auf Dauer keinen Nerv für diese Aufgabe gehabt.

    das sehe ich anders. Ich finde das sie sich durchaus sehr gut damit auseinandersetzt und sich auch Gedanken macht und den Hund auch nicht einfach so nimmt nur aus Mitleid.

    Ich beziehe mich nur auf den Absatz, den ich zitiert habe, also das "Hauptsache sie kommt da weg".

    Direkt darunter schreibe ich ja: Wenn es wirklich mit genau diesem Hund passt, sehe ich da kein Problem.

    Ich wollte keinesfalls unterstellen, dass die TE sich nicht ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzt. Sonst würde sie ja gar nicht schreiben und nach Meinungen fragen. Sie kommt mir nur eben sehr emotional vor, was diese Hündin angeht (sagt sie ja so oder so ähnlich auch selbst). Und das ist halt einfach nur sehr bedingt ein guter Ratgeber, auch wenn ich es nachvollziehen kann.

    Ich glaube, ich nehme den Hund, Hauptsache sie kommt da wech.

    Das kann ja kein Leben sein in diesem Trubel :dead:

    Ich kann mir im Ernst nicht vorstellen, dass man in diesem Umfeld zur Ruhe kommen kann.

    Davon würde ich wirklich Abstand nehmen.

    Im ersten Moment ist der Gedankengang ja total verständlich, aber im Endeffekt ist das genau die Argumentation, mit der sich Leute auch über die Tierheime beschweren, in denen sie keinen (unpassenden) Hund bekommen haben.

    Auch wenn es dem Hund nach der Übernahme besser geht als zuvor - damit ist die Chance auf ein wirklich passendes Zuhause für diesen Hund ggf. verspielt.

    Einen Hund nur aus Mitleid zu kaufen ist deshalb einfach kein guter Ratgeber.

    Also klar, wenn es zwischen euch passt, du dir den Hund vom Wesen her bei dir vorstellen kannst und ungefähr weißt, wie du mit den Baustellen umgehen willst, dann go for it! Aber eben nicht, wenn es nur so halb passt, nur um den Hund da rauszuholen.

    Von dem was du schreibst klingt das für mich auch einfach nach nem recht typischen Mini Aussie. Dass die sich schnell mal in Dinge reinsteigern und dann kopflos werden (Thema Futter), halte ich leider für normal. Da fehlt einfach ganz oft die Nervenstärke, um motiviert und trotzdem mit Hirn zu arbeiten.

    Aus eigener Erfahrung mit nem Hütimix-Rüden, der zu ähnlichem Verhalten neigt: Man kann nen Umgang damit finden, aber es begleitet einen schon irgendwie ein Hundeleben lang.

    Ich muss bei meinem z.B. wahnsinnig viel mitdenken, was genau ich gerade wie belohne. Einfach Leckerli rein ist hier nicht und wird auch nie - weder beim gezielten Training noch im Alltag.

    Der Aufbau von quasi allem dauert hier auch deutlich länger, weil ich einerseits in größeren Schritten arbeiten und andererseits kleinschrittiger nachbessern, die Motivation bewusst unten halten und viel geduldiger sein muss, damit er nicht kopflos wird.

    Und manche Dinge gehen bei uns auch einfach nicht, weil er das nervlich nicht packt.

    Da ist halt die Frage, ob du mit sowas umgehen kannst und willst. Intelligent, sehr motiviert und flattrige Nerven können schon eine sehr herausfordernde Kombi sein, im Training und ganz besonders im Alltag.

    Es kann natürlich sein, dass der Hund in deinem Fall "nur" wegen dem Wohnumfeld so ist. Aber für mich klingt das wie gesagt nach nem ganz normalen (wie gesagt, leider!) typisch nervenschwachen Mini Aussie. Ob du das willst und leisten kannst, musst du wissen.

    Ich zweifel auch manchmal an mir.

    Das betrifft aber weniger meine grundsätzliche Kompetenz im Umgang mit meinem Hund sondern vielmehr meine persönlichen Schwächen, die mir in meinem Hundehalter-Alltag (und ganz besonders mit diesem Hund) doch immer wieder klar vor Augen geführt werden.

    Ich weiß zum Beispiel, dass ich auf kritische Situationen in der Regel sehr gut reagieren und auch in sehr kurzer Zeit passend handeln kann. In wirklich wichtigen Situationen einen klaren Kopf zu bewahren und die richtige Entscheidung zu treffen liegt mir einfach.

    Wenn das dann doch mal nicht funktioniert, dann ist's halt so. Das stresst mich nicht, weil ich ja weiß, dass ich das eigentlich kann und dass es dann eben die nächsten Male wieder besser läuft.

    Von diesen wirklich wichtigen Dingen mal abgesehen bin ich aber total leicht ablenkbar. Wenn gerade nicht super Wichtiges ansteht, hab ich immer tausend Sachen im Kopf. Mich dabei auf das Wesentliche zu konzentrieren und bei der Sache zu bleiben fällt mir dann unglaublich schwer. Das ist etwas, was mich schon lange vor dem Hund an mir selbst gestört hat.

    Wenn ich dann plötzlich beim gemütlichen Gassigehen im Nirgendwo (Stichwort: nichts Wichtiges) bemerke, dass der Hund mal wieder fröhlich an der ausgefahrenen Flexi mitten im Acker unterwegs ist oder gerade nen halben Meter neben mir an der kurzen Leine ne Maus verspeist, weil ich mit den Gedanken mal wieder sonstwo war, dann bekomme ich Selbstzweifel. Einfach weil das genau die Punkte triggert, mit denen ich eh unzufrieden an mir bin und ich mir immer wieder denke, dass es doch eigentlich nicht so schwer sein kann, einfach mal bei der Sache zu bleiben.

    Ich versuche aber zunehmend, da mit mir selbst nicht so streng zu sein und meine Schwächen so anzunehmen, wie sie sind. Kein Mensch ist perfekt und muss alles können.

    Seitdem sehe ich viele Dinge etwas gelassener und die Selbstzweifel werden weniger.

    Und letztendlich lerne ich gerade durch den Hund und die Selbstzweifel, die er triggert, meine Schwächen zu erkennen und mit diesen im Alltag besser umzugehen.

    Ein einfühlsames Wesen, was man unter anderem auch bei den Assistenzhunden sieht z.B.. & das aufmunternde Wesen, welches dich aus den tiefsten Löchern holen kann.

    Das was du bei Assistenzhunden siehst ist ein sehr herausfordernder Job für einen Hund. Mit Betonung auf Job. Das bedarf zuvor einer intensiven Ausbildung und hat wenig mit der normalen Begleithundehaltung zu tun.

    Von der Vorstellung, so einen Hund zu bekommen, würde ich mich an deiner Stelle erstmal distanzieren. Das ist dem zukünftigen Hund einfach nicht ganz fair gegenüber.

    Davon ab gibt es aber natürlich Hunde, deren Lebensfreude besonders ansteckend ist. Das sind nur häufig nicht die Hunde, die besonders einfühlsam sind, sondern eher die, die da etwas robuster sind und einfach ihr Ding weiter machen, egal wie es dir geht.

    Mir fallen da als erstes Terrier ein, ein Irish Terrier zum Beispiel. Aktiv, lebensfreudig, immer gut drauf, haben Lust was zu machen, ordentlich Schalk im Nacken und ganz arg viel Humor.

    Die sind oft auch ganz gut für Allergiker geeignet.

    Allerdings wird das hier...

    Jemand der dich nie "Betrügen" wird außer mal für ein Leckerli

    ... mit denen eher nichts :lol:

    Terrier haben einen... ähm... "charmanten Ungehorsam". Wenn man damit kann und das mag, kann das ganz arg viel Freude bereiten. Mich hat die Art, wie mein halber Terrier versucht, auf kreative Weise Grenzen zu testen, ganz charmant Regeln zu umgehen und sich bei jeder Gelegenheit einen Vorteil zu erschleichen schon sehr, sehr oft zum Lachen gebracht. Und es gibt nichts Ansteckenderes als die riesen Freude von der kleinen Kröte, wenn er damit auch noch Erfolg hatte.

    Aber ja, dafür muss man halt damit Leben, dass man nen Hund hat, der einen jederzeit für ne halb verweste Maus am Feldrand verkaufen würde. Was das eigene Ego angeht, muss man mit nem Terrier schon eher leidensfähig sein.

    Und klar, Jagdtrieb ist je nach Terrier ein kleineres bis größeres Problem. Beim Irish habe ich das bislang eigentlich als ganz gut lenkbar erlebt, wenn man erzieherisch entsprechend ranklotzt. Aber im Katzenhaushalt (+ Ersthundehalter), hm... :???:

    Aber ansonsten bleiben als wirklich allergikerfreundliche Hunde eben fast nur die Lockenköpfe/Begleithunderassen.

    Ich bin für die Erziehung meines Hundes und nicht für die Erziehung anderer Menschen zuständig. Und ich erwarte nicht, dass irgendjemand anders meinen Hund nach meinen Regeln und Bitten "miterzieht".

    Bei "Weil ich das halt so will"-Dingen (und so klingt das bei euch) bin ich deshalb relativ locker. Natürlich gibt es Dinge, die mir in der Erziehung wichtig sind, weil halt. Ich glaube, die hat jeder.

    Aber wenn andere Leute da bei meinem Hund nicht so großen Wert drauf legen, was soll's? Ist ja nicht so, als würde eine Ausnahme von einem anderen Mensch an einem anderen Ort mir daheim auf ewig den ganzen Hund verziehen.

    Für Dinge, die mir aus Gründen wirklich wichtig sind, gilt: Entweder erziehe ich meinen Hund so, dass er sich von sich aus an meine Regeln hält oder ich finde eben anderweitig Lösungen, damit solche Situationen nicht entstehen.

    Ich möchte z.B. nicht, dass mein Hund irgendein Futter von irgendwem annimmt (Allergie und so). Anstatt von anderen Menschen zu erwarten, dass sie sich an diese Regel halten, habe ich meinem Hund halt beigebracht, Futter von anderen Menschen mit wenigen Ausnahmen nur auf meine Freigabe anzunehmen. Wär vielleicht auch was für euch?

    Außerdem ist mir z.B. aus diversen Gründen sehr wichtig, dass niemand den Hund einfach so antatscht. Da erwarte ich aber auch nicht von anderen Leuten, dass sie darauf achten. Ich habe dem Hund beigebracht, dass er an fremden Menschen nichts zu suchen hat, ich führe ihn so, dass es gar nicht erst zum Kontakt kommen kann und wenn ich oder mein Hund das nicht leisten können, dann bleibt er eben daheim oder im Auto.

    Du kannst anderen Leuten keine "Regeln" im Umgang mit deinen Hunden auferlegen. Nett bitten sich an bestimmte Dinge zu halten, klar. Aber letztendlich reden wir hier von mündigen Menschen, die dir in keiner Weise verpflichtet sind, sondern ihre eigenen Entscheidungen treffen dürfen und können.

    Wenn du das für deine Hunde nicht willst, liegt es an dir, dafür zu Sorgen, dass solche Situationen nicht entstehen.

    Warum masregelt sie sie in dem Fall nicht?

    Ich will auf keinen Fall dass Fini bedrängt wird oder ähnliches in solche Richtungen.

    Auf den Videos selbst sehe ich vor allem, dass deine Althündin die Kleine immer wieder eingrenzt und (wenn auch ganz arg nett) maßregelt und v.a. mehrmals komplett unnötig nachsetzt.

    Der Kleinen scheint das sichtlich unangenehm zu sein und ich sehe da auch kein "weiternerven" oder so, sondern einfach den gescheiterten Versuch, den Konflikt durch Albernheit zu lösen.

    Schau dir z.B. das 2. Video nochmal ab Sekunde 23 an: Die Kleine ist verunsichert und geht weg, die Große kommt hinterher. Du siehst die eingezogene Rute und den Körperschwerpunkt hinten bei der Kleinen und dazu die Walaugen, als die Große dazukommt.

    Die Kleine versucht kurz albernes Verhalten, merkt aber, dass es nicht funktioniert.

    Als sie dann das Weite sucht, setzt die Große mehrfach nach und lässt sie nicht aus der Situation raus.

    Soll ich hier dann sofort trennen und Frieda von fini fernhalten?

    Ich würde in solchen Situationen sofort trennen und beide Hunde gleichermaßen voneinander fernhalten. Und generell ein paar mehr Regeln, Grenzen und Räume für beide Hunde im Alltag schaffen.

    Wenn ihr das Zusammenleben deutlich klarer regelt, früher eingreift und beiden Hunden erklärt, dass sie am anderen Hund erstmal (also, zumindest vorerst) nichts zu suchen haben, dann wird das schon.

    Also ganz grundsätzlich: Erziehung ist der Job vom Mensch und nicht von Halsband, Leine, Geschirr und Co. Wenn man das richtig macht, ist die Ausstattung ziemlich egal.

    Mein Hund hat die Leinenführigkeit sogar von kleinauf an der verpönten Flexi mit Geschirr gelernt. Meine Nachbarin hat damals die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, weil das gehe ja gar nicht, aber es hat wunderbar funktioniert.

    Zumal gerade bei Extrem-Ziehern oft mehr hinter der fehlenden Leinenführigkeit steckt: Angst, Aufregung, Außenreize...

    Einem Hund, der aus lauter Stress extrem in der Leine hängt, dem brauche ich nicht noch mehr Stress zumuten, indem ich ihm beim Ziehen auch noch den Hals abschnüre.

    Nichtsdestotrotz gibt es bei beidem Vor- und Nachteile und es gibt Hunde, die ich z.B. nur am Halsband oder nur am Geschirr oder nur an einer Kombination aus beidem führen würde.

    Also ehrlich gesagt finde ich Geschirre zum Halten gerade bei eher so mittleren Hunden ungünstig.

    Ich glaube, es kommt gar nicht so arg auf die Größe des Hundes an, sondern eher darauf, wie er eskaliert.

    Mein 15 Kilo/47cm Rüde wird zwar vorwiegend wegen seiner Rücken-Geschichte am Halsband geführt, aber ich finde das Halsband bei ihm auch zum Halten deutlich angenehmer.

    Weil wenn der mal in die Luft geht, dann springt er kreuz und quer und windet und dreht sich. Da habe ich, wenn ich ins Halsband greife, ein deutlich besseres Handling.

    Meinen 40 Kilo Gassihund kann ich dagegen deutlich besser am Geschirr halten, weil der eh "nur" nach vorne springt und ich ihn dann mit dem Geschirr (bzw. den daran befestigten Handschlaufen) im Notfall problemlos vorne aushebeln kann. Am Halsband würde ich das sehr ungern machen.

    Wobei ich da auch sagen muss: Ich merke schon einen großen Unterschied bezüglich der Kraft, wenn ich die Leine am vorderen oder hinteren Ring vom Geschirr befestige. Vorne (also direkt zwischen den Schulterblättern) kann ich ihn echt gut halten, hinten am Rücken ist das dagegen echt ein Kraftakt. Ich glaube deshalb, ab einem gewissen Gewicht des Hundes (und natürlich der Konstitution des Menschen) ist ein Halten am Geschirr einfach schon kräftemäßig gar nicht mehr so möglich wie am Halsband.

    Aber wären dann nicht auch Bücher zur Hundeerziehung ein Problem? Was ist denn der Unterschied zwischen Erziehungsbüchern oder Videos?

    Ich persönlich halte mich inzwischen auch von Erziehungsratgebern fern. Zumindest solange sie konkrete Handlungsempfehlungen zur Bearbeitung von (Problem-)Verhalten beinhalten, die über Sicherung, Management und das Aufsuchen eines geeigneten Trainers hinausgehen.

    Bücher über Verhalten, Verhaltensbiologie, verschiedene Perspektiven auf das Zusammenleben von Mensch und Hund, auch über die Grundgedanken hinter verschiedenen Trainingsansätzen lese ich immer gerne.

    Aber ich halte es für gefährlich, konkrete Trainings-Tipps nach dem Motto "wenn x dann y" an die breite Masse zu verteilen.

    Die Kompetenz eines Trainers steht und fällt für mich neben der Fachlichkeit vor allem mit dem Mindset. Gutes Hundetraining geht (für mich!) vom Hund aus und nicht von der Methode.

    Ein großer Unterschied zwischen Buch und Video liegt meiner Meinung nach aber trotzdem in der Zugänglichkeit:

    Ein Buch auszusuchen, zu kaufen und zu lesen setzt ein gewisses Maß an Interesse voraus. Kurz gegoogelt und ein Video angeschaut ist deutlich schneller, günstiger und einfacher. Dadurch ist die Zielgruppe, an die es gelangt, häufig schon eine ganz andere.

    Aber wie gesagt: Ich finde prinzipiell beides nicht unbedingt verantwortungsbewusst.

    Am Ende muss doch jeder Hundehalter schauen was für den eigenen Hund passt, das gilt ja auch beim Besuch eine hundeschule.

    Ein guter Trainer sieht meiner Meinung nach, was für den eigenen Hund passt. Eben weil er vor Ort ist, face-to-face. Und weil er bereit ist, die Methode nach dem Hund auszuwählen und nicht andersrum.

    Alles andere mag sich Trainer nennen, ist aber für mich aus oben genannten Gründen noch lange kein guter.

    Ich kenne nur seine Videos, die haben aber für mich allesamt einen sehr unangenehmen Beigeschmack von "SO klappt es garantiert!"

    Das lässt sich zweifellos nicht vermeiden, wenn man über YouTube Videos eine breite Masse an Hundehaltern ansprechen will. Nichtsdestotrotz disqualifiziert es ihn für mich als guten Trainer.

    Neben den fachlichen Inhalten zeichnet sich ein guter Trainer für mich nämlich auch dadurch aus, dass er sich seiner Verantwortung gegenüber Hund und Mensch bewusst ist.

    Dazu gehört neben einer genauen Vor-Ort-Einschätzung auch, dass er seine Handlungsempfehlungen an das individuelle Team anpasst, die Umsetzung überprüft und ggf. verbessert und Mensch und Hund so engmaschig und individuell auf deren Bedürfnisse abgestimmt begleitet.

    Als anerkannter Trainer allgemeine Handlungsempfehlungen auf YouTube zu verteilen, so dass jeder sie unreflektiert und/oder falsch nachmachen kann, wird dieser Verantwortung in meinen Augen so gar nicht gerecht.

    Es ist so schnell falsch belohnt oder falsch korrigiert, die falsche Methode am falschen Hund angewendet und schon ist das Drama für Hund und Mensch vorprogrammiert.

    Da hilft es auch nicht mehr, dass er immer wieder betont, dass jeder Hund anders ist und man das Training an den individuellen Hund anpassen muss.

    Es wäre schön, wenn alle Menschen so reflektiert wären, das dann auch umzusetzen.

    Aber Fakt ist zum einen, viele sind es eben nicht. Es ist kein Geheimnis, dass es immer noch viel zu vielen Menschen an Medienkompetenz mangelt.

    Und zum anderen: Viele können es auch einfach nicht umsetzen. Gerade diejenigen, die ohnehin wenig Ahnung von Hundetraining haben, sehen im Zweifelsfall gar nicht, wenn da in der Umsetzung was falsch läuft.

    Gerade aufgrund seines Humanpsychologie-Studiums müsste Joeres ja zur Genüge um die Fallstricke wissen, die solche kostenlosen Internet-Tipps zum Nachmachen "vom Profi" mit sich bringen.

    Die Verantwortung dann mit einem Nachsatz ("Jeder Hund ist anders") trotzdem auf die breite Masse an Konsumenten zu schieben, das ist für mich ein Mindset, das bei einem verantwortungsvollen Trainer nichts zu suchen hat. Zum Wohle des Tiers und des Menschen.