Also ich kann den Gedankengang schon nachvollziehen und sehe es tendenziell genauso. Wenn ich den Hund an der Leine habe, kann ich einfach mehr zulassen, weil der Hund ja gesichert ist, während ich im Freilauf eher rechtzeitig abbreche, weil ich im Zweifelsfall eben keinen "Anker" mehr habe. Das heißt im Gegenzug ja nicht, dass für den Hund an der Leine keinerlei Regeln gelten.
Wenn mein Hund z. B. anzeigt, dass irgendwo ganz in der Nähe Wild ist, dann mach ich auch oft die Leine dran und dann schau ich gemeinsam mit dem Hund, ob wir das Tierchen entdecken, Hund darf vorstehen, wird ruhig dafür gelobt, dass er nicht los springt. Manchmal sehen wir dann irgendwann das Reh und beobachten es ein Stück, meistens bleibt es beim Schnuppern. Irgendwann ist der Hund soweit, dass er sich von sich aus abwendet oder ich beende ich das Ganze, dann kann sie noch ein paar Leckerlis auf dem Weg suchen (sowohl als Belohnung fürs brav sein als auch als Hilfe zum abregen) und dann gehen wir entspannt weiter und nach ein paar Metern kommt die Leine wieder ab.
Ohne Leine wäre mir das so intensiv viel zu heikel, dass der Hund dann doch durchstartet. Klar könnte ich das Ganze komplett verbieten und weiterlaufen (mache ich durchaus auch, wenn grad keine Zeit oder aus anderen Gründen ungünstig), aber ich fände es schade, wirklich jegliches Jagdverhalten rigoros zu verbieten, auch wenn damit keinem Tier geschadet wird.
Und ja, eh ich meinem Hund wirklich jeden kurzen Blick in den Wald sofort verbieten muss, weil sonst die Gefahr besteht, dass der sonst abhaut, würde ich auch lieber die Leine dran lassen und ihm daran mehr Freiheiten lassen (was ja nicht gleichzusetzen ist mit Hirn aus!). Welchen Weg man da geht, ist halt stark vom Hund abhängig und auch davon, in welcher Form der Hund seine Anlagen sonst so ausleben kann.