Beiträge von Estelle_99

    Hallo ihr Lieben, ich lese seit einigen Wochen fleißig mit und konnte auch schon viel lernen. Nun brauche ich als frischgebackene Hundebesitzerin auch direkt eure Meinungen und Einschätzungen.


    Zu mir: Ich bin Anfang 30, Single, wohne in einer Großstadt in einer 2-Zimmer-Mietwohnung an einer recht lauten Straße in einer recht lauten Gegend. Innerhalb von 10 Minuten komme ich in eine grünere, ruhigere Gegend, direkt am Wasser, wo man super mit und ohne Hund spazierengehen kann.


    Ich hatte seit Jahren den Wunsch, einen Cockerspaniel als besten Freund zu haben. Ich liebe das freundliche, verschmuste Wesen und die aktive Art der Tiere sehr. Sie scheinen immer gute Laune zu haben und sind damit so anders als ich. Wann immer ich einen Cockerspaniel auf der Straße gesehen habe, ist mir das Herz aufgegangen, ich bin sogar den Besitzern "hinterherspaziert", nur um mehr von den Tieren zu sehen.


    Im April hatte ich dann einen Moment, wo ich gedacht habe, schauen wir mal, wie wir diesem Herzensprojekt nachgehen können. Und zu meiner großen Überraschung und vor allem Angst (dazu gleich mehr), zog letzten Samstag der schwarze Cocker-Rüde Jasper bei mir ein. Er ist ein Englischer Cockerspaniel, sehr lieb, aber auch sehr reizempfindlich, was bei Cockern aber ja normal ist, da sie sehr sensibel sind. Mich hat das dennoch sehr überrascht.


    Jasper, jetzt 11 Wochen, erschrickt immer noch regelmäßig vor der Klospülung und auch der erste und einzige Besuch wurde erst akzeptiert, dann hat er sich doch wieder davor gefürchtet. Meine Freundin hat bestätigt, dass Jasper wirklich sehr sensibel ist und ein kleiner Angsthase.


    Ich könnte jetzt schreiben: Er ist ein toller Hund und es läuft an sich alles normal, und das tut es auch. Eine Woche ist als Eingewöhnung ja nichts und er akzeptiert mich völlig, hört auf seinen Namen, ich konnte ihn schon erfolgreich begrenzen (er darf nicht aufs Sofa oder aufs Bett) und wir haben sehr ausgiebig das Runterkommen und Schlafen geübt. Dadurch, dass die ersten zwei Tage und Nächte mit ihm schlimm waren und ich am Montag meinen ersten Nervenzusammenbruch mit Heulkrampf hatte, lege ich jetzt viel Wert aufs Schlafen. Es hat quasi dahingehend Klick gemacht.


    So weit, so gut. Nun muss ich noch erzählen, was bei mir noch los ist. Ich habe eine Depression und eine Angststörung (hatte mal Panikattacken) und war dafür letzten Herbst in einer Klinik. Nach der Trennung von meinem Partner im Winter versuche ich nun, mir selbst gerecht zu werden und meinen Weg im Leben zu finden. Ich habe seit einigen Wochen einen festen Therapieplatz und bin dahingehend gut versorgt. Zudem nehme ich Antidepressiva, da ich mit massiven Schlafproblemen zu kämpfen hatte und generell keine gute Schlafqualität habe.


    Ich bin Vollzeit berufstätig, arbeite aber seit Monaten uneingeschränkt im HomeOffice und kann das auch bis Ende des Jahres (oder länger) beibehalten. Andernfalls hätte ich mir nie einen Hund geholt. Dazu bin ich teilselbstständig und arbeite nebenbei einige Stunden in der Woche (2-4h, kann ich mir komplett selbst einteilen).


    Ihr ahnt jetzt vielleicht schon, was kommt: Ich habe einen richtig schlimmen Welpenblues. Jasper ist der liebste, freundlichste und höflichste Hund, den ich je erlebt habe und dahingehend passt er perfekt zu mir. Ich hab nur zum dritten Mal gestern einen schlimmen Heulkrampf gehabt, weil ich so überfordert bin und meinen eigenen Bedürfnissen nicht entsprechen kann. Es ist ja nur logisch: Ein Welpe stellt das Leben auf den Kopf, man ist nicht mehr so bewegungsfrei, Schlaf ist rationiert, neue Pflichten stehen an. Ich weiß das alles.

    Dennoch hatte ich gestern ein langes Gespräch mit einer Freundin, die mir ihre Sicht geschildert und die Frage in den Raum geworfen hat: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, mir eine 24/7 Verpflichtung zu holen, wo ich schon kaum mir selbst gerecht werden kann? Ich arbeite zu viel, so oder so, und ein Hund ist eben auch Arbeit. Ihr wisst das, ich weiß das.


    Nun ist in mir der Gedanke gereift, dass es stimmen kann, dass ich mich nicht quälen muss, denn der Welpenblues kann ja, wie ich hier gelernt habe, mehrere Wochen bis Monate anhalten.

    Fairerweise muss ich sagen, dass ich in dieser ersten Woche mit Jasper Urlaub geplant hatte, der aber abgelehnt wurde. So muss ich noch 2 volle Wochen arbeiten, bis ich eine Woche Urlaub habe. Dadurch, dass Jasper so sensibel ist, seh ich uns nicht in den nächsten zwei Wochen U-Bahnfahren oder auch nur tagsüber auf die Straße gehen. Es ist wirklich sehr laut bei mir, zwei große Straßen, direkt vor meiner Haustür poltert alles vorbei, was rädert hat, der Kleine ist schon davon abgelenkt, wenn das Fenster offen ist. Was übrigens bedeutet, dass ich bei den Sommertemperaturen die Fenster auch nachts geschlossen halte (und, weil ich es schon vergessen hab). Was mir wirklich Sorgen bereitet, ist, dass ich das Gefühl habe, dass mir die Kräfte schwinden. Ich wohne im 3. OG und muss den 4,5kg-Hund hoch und runtertragen und das wird ja auch so sein, wenn er 6kg wiegt. Wir üben Treppen laufen und er macht das toll, aber es wird eben noch Monate dauern, bis er so selbstständig ist, dass ich ihn nicht mehr tragen muss. Teilweise war ich abends nach 8 so platt, dass ich mutwillig zugelassen hab, dass er in die Wohnung macht. Generell macht er häufig in die Wohnung, weil ich nur etwa 5 Mal am Tag mit ihm rausgehe, was zu wenig ist, ich weiß das. Morgens um halb 6 bin ich dann nicht schnell genug, als dass er sich nicht im Bad erleichtern würde.


    Dazu kommt eine Sache, die mich fertig macht: Jasper wufft jetzt schon viel und ich befürchte, er wird ein bellfreudiger Hund. Das ist bei Cockern ja auch keine Seltenheit, aber ich hab einen superhellhörigen Altbau und vor allem: Er erschrickt mich jedes Mal. Letzte Nacht hab ich einen Moment gebraucht, um mein Herz zu beruhigen, als er, Miniwelpe, neben mir einmal gebellt hat. Ich schlafe mit Ohropax, wohlbemerkt.


    Jetzt sollte ich noch sagen, warum ich einen Hund und speziell einen Cocker wollte: Ich liebe Apportierspiele. Ich kann mir Agility mit ihm vorstellen, ich fand den Gedanken toll, einen Hund zu erziehen und dann einen sympathischen, freundlichen Partner an meiner Seite zu haben, der zu mir gehört. Und ich wollte Bindung lernen, damit hatte ich aus psychologischen Gründen zeitlebens Probleme.


    Nun die Frage: Was sollte ich aus eurer Perspektive tun? Wie lange sollte ich den Stress aushalten, um die wahre Antwort zu kennen, ob dieser Zeitpunkt gut ist oder nicht? Ich muss dazu sagen, ich habe heute, nach einer Woche, bereits um 6 Uhr morgens gemerkt, wie schwer es mir fällt, ihn nach unten zu tragen. Aber das kann auch an der Hitze liegen. Ich hab einfach keinen Maßstab, daher bin ich für alle Gedanken und motivierenden Worte dankbar.


    Ich danke euch vorab für eure ehrlichen, unverblümten Meinungen!