Ich sehe mich in den ersten 3 Punkten sehr wieder. Wir haben letztes Jahr eine 10 Monate alte Goldie Hündin übernommen, kam von einer vernünftigen Züchterin, wurde aber über den TS abgegeben. Ich arbeite komplett im Home Office und rausgehen ohne Hund gehört definitiv nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich musste mir da auch Ziele stecken. Nach Müll rausbringen folgten dann Dinge wie 10 Minuten an die Pferdewiese stellen, was rüberbringen zur Nachbarin, 500 Meter zum Glascontainer laufen. Ich hab's dann nachmittags mit meinen Stallaktivitäten (der Stall war direkt neben der Wohnung) ausgedehnt, immer mit Kamera als Sicherheit. Als das dann ganz gut ging für 1 Stunde haben wir es schnell ausgedehnt und dann war sie auch mal 3-5 Stunden alleine, ohne auffällig zu sein. Dann sind wir umgezogen, anfangs lief es noch ganz gut, dann fing sie plötzlich an, Dinge kaputt zu machen, auf Sofa und Bett rumzuturnen, die Katzen zu jagen und sehr sehr sehr viel rumzulaufen. Der Stall nebenan ist mit dem Umzug leider verschwunden, also müsste ich gucken, was ich stattdessen mache. Ich habe mich dann vormittags während meiner Arbeitspausen in den Keller verkrümelt, Wäsche gemacht oder dort ein Buch gelesen. Irgendwann bin ich mal eine Runde walken gegangen - Mensch, das war wirklich schön, mal ein bisschen ohne Hund draußen zu sein! Dann war es mal wegfahren, tanken. Dann einkaufen. In andere Orte fahren und was von Kleinanzeigen holen. Mit den Katzen zum Tierarzt fahren. Und nun sind wir wieder bei 2 Stunden, die sie gut übersteht. Länger musste sie jetzt noch nicht. Sie hat währenddessen mittlerweile nur noch den Flur, aus dem alles weggeräumt wird, was sich potentiell rumschleppen und zerstören ließe, außer ihr Bett (aktuell noch ohne Deko wie eine extra Dicke und Kissen) und ihre Spielzeuge. Wenn du vorhast, dass sie einen bestimmten Raum zum Alleinebleiben hat, dann würde ich das von Anfang an so üben.
Was uns wahrscheinlich auch geholfen hat: vormittags, wenn ich arbeite, hat sie den Flur zur Verfügung. Ich bin im Arbeitszimmer mit Kindergitter. Sie liegt in ihrem Körbchen, nimmt mich natürlich wahr, aber sie liegt nicht direkt in meiner Nähe (wenn sie das Kindergitter blockt, schicke ich sie weg). Das hat uns geholfen, etwas Abstand zu gewinnen. Deshalb funktionierte das Alleinebleiben vormittags auch am ehesten. Mittlerweile gehts auch Nachmittags gut. Abends haben wir erst einmal wieder ausprobiert.
Wenn wir gehen, schicke ich sie auf ihren Platz, damit ich mich in Ruhe fertig machen kann, räume alle Sachen weg und ganz zum Schluss bekommt sie einen Snack, bevor dann die Tür zugeht. Das ist jetzt unser Ritual, das sie verstanden hat. Wenn wir zurück kommen, wird sie wieder erst auf ihren Platz geschickt, wir ziehen uns in Ruhe aus und dann wird sie ruhig, unaufgeregt und kurz begrüßt.
Wenn sie Katzen kennt, wird das Kennenlernen wahrscheinlich recht einfach ablaufen. Meine Hündin kannte keine Katzen, hat unsere von Tag 1 kennengelernt und kommt nun auch mit den Katzen der Familienmitglieder zurecht. Nur auf Spaziergängen, da sind Freigängerkatzen schwierig. Da würde ich ehrlich gesagt jetzt nicht Zeitraum X abwarten. Wenn du deine Freundin besuchen willst, besuche sie und nimm den Hund mit. Irgendwann ist eh das erste Mal. Wichtig ist nur, sie zu sichern, den Katzen Fluchtmöglichkeiten und es langsam angehen zu lassen.
Ich träume auch von einem Immer-dabei-Hund, aber in den 8 Monaten, die sie jetzt bei uns ist, war ich wenig mit ihr in der Zivilisation, weil das gar nicht meinem Leben entspricht. Aber, die paar Male, die sie mitgekommen ist, verliefen ziemlich entspannt. Ich würde ihr ein paar Tage zum Ankommen geben und dann in erste Abenteuer starten. Dann siehst du ja auch schon, wie sie sich verhält, was sie von sich auch schon mitmacht und wo noch Übungsbedarf besteht.