Beiträge von Phonhaus

    So einfach ist das (leider) nicht. Der Kanal selbst macht ja keinen Hehl daraus, dass er auf Kaufempfehlungen setzt, die der Betreiber sich dann von Amazon sponsern lässt. Forscht man ein wenig den Verbindungen nach, landet man sehr schnell in einer eindeutigen Ecke. Mit viel Hinweisen darauf, bei welchen Gelegenheiten der Betreiber seine Expertise hinterlassen hat, man findet aber recht wenig Hintergrund dazu, worauf sich der Anspruch auf Expertise gründet.

    Er präsentiert keine nüchternen Zahlen, sondern vermarktet eine Idee, mit der er Angst erzeugt und das Bedürfnis zur Vorsorge (was er sich dann sponsern lässt, wenn es zu einem Kauf kommt, der auf ihn zurück zu führen ist) und zum Selbstschutz, garniert mit einer Aura des „Eingeweihtseins“. Und mit einer klaren politischen Ausrichtung.

    Genau das ist es, was ich mit meiner Sorge vor Geschäften und Politik mit Angst meine. Ein ähnliches Schema findet sich auch bei anderen Themen und es hat leider eine gewisse Sogwirkung.

    „Outdoor Chiemgau“ hat im Hintergrund 1. eigene Verkaufsinteressen und 2. vom dem her, was ich darüber bisher gelesen habe, steht er in genau der Ecke „Arbeit mit Angst“, die ich wirklich gerne vermeiden würde.

    Ich bin weiß Gott kein unkritischer Staatsanhänger, aber da würde ich doch eher auf die Bewertung der Bundesnetzagentur vertrauen.

    SanSu

    Nicht ganz :smile:Meine Großmutter hat eingekocht und bevorratet. War ein Kriegstrauma, die konnte keine Lebensmittel wegwerfen. Was zu einer sehr, sehr einprägsamen Ausmistaktion geführt hat, als sie ins Pflegeheim umgezogen ist. Gläser, die nicht mehrere Jahre, sondern Jahrzehnte auf dem Buckel hatten.

    Meine Eltern hatten das, was aus meiner Sicht so üblicher Vorrat ist. Einen Unterschrank neben der Spüle für Mehl, Zucker, Nudeln, Reis, Konserven etc. Einen meist gut gefüllten Kühlschrank und das Gefrierteil zum Kühlschrank. Direkt aufgewachsen bin ich damit also nicht.

    Als ich dann zu meinem Mann gezogen bin, war ich erstmal baff, als ich den Vorratskeller gesehen habe, der locker eine Großfamilie mehrere Wochen am Leben hätte halten können.

    Bei meinen Schwiegereltern resultierte das aus früherer Armut. Die hatten sich das Haus vom Mund weggespart und immer die günstigsten Angebote in großen Mengen geholt, die dann eingelagert und langsam verbraucht wurden. Was sich zu einem Zwang gesteigert hat und viel von Ängsten und Zwängen aus der Zeit hat meine Schwiegermutter lebenslang begleitet.

    Mann und ich haben das ein Stück weit übernommen. Kommt dazu, dass ich viele Gerichte für ihn in großen Portionen koche und eingefroren wird. Da er chronisch krank ist, besteht halt auch immer das Risiko, dass er für länger ausfällt. Wir fühlen uns also tatsächlich wohler damit, gut für mehrere Wochen vorgesorgt zu haben. Das fällt bei uns tatsächlich nicht in den Bereich Katastrophenvorsorge, sondern Planung persönlicher Lebensrisiken und Schutz vor Unsicherheitsempfinden. Dass da auch vorgesorgt ist für längeren Ausfall von Strom oder Wasser, ist ein Bonus.

    Bei dem, was ich im direkten Umfeld miterlebt habe, waren Not oder Angst bzw. Unsicherheit immer ein treibender Faktor für Bevorratung. Ich verzichte für mich daher ganz bewusst auf den Teil Vorsorge, der sich mit politischer Krisen- oder gar Kriegsvorbereitung oder fürs Überleben im Rahmen einer großflächigen Katastrophe beschäftigt. 1. Weil es meinen Hang zu Ängsten, Zwängen und Perfektionismus ungut füttern würde, 2. Weil sich mit dieser Disposition im Hintergrund mit solchen Szenarien zu beschäftigen schnell zu einem von Angst oder Misstrauen geprägtem Blick auf die Umgebung bzw. Anpassen meines Verhaltens dahingehend führen könnte. Was dann 3. Gefahr läuft, unbewusst rechte Narrative zu füttern. Und das will ich einfach nicht.

    Deshalb tue ich mir persönlich einfach sehr schwer, Vorratshaltung als Muss zu empfehlen. Ich hab es einfach zu sehr als gekoppelt mit tiefgreifenden Ängsten erlebt und verstehe deshalb auch jeden, der sagt, das er sich damit nicht belasten möchte.

    Hier gab es Reis. Mit Hähnchen-Pilzsuce für den Mann, mit Mischgemüse mit Totentrompeten, dazu Tomaten für mich:

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    Ich bin ja auch DDR Kind und ich kann auch nur bestätigen, dass nach der Wende Krieg oder Nöte irgendwas ganz weit weg war. Meine Oma hat Vorratshaltung betrieben und wurde seit jeher eher mit einem Augenzwickern betrachtet. Nach ihrem Tod wurde der ganze Kram entsorgt. Meine Mama war heilfroh, als sie so etwa 1995 ENDLICH die ganzen Konserven aus dem Keller aufgebraucht hatte. Man kann ja schließlich überall alles kaufen.

    Ich kenne daher Vorratshaltung quasi gar nicht. Wir haben auf jeden Fall deutlich mehr Sachen bei uns stehen, als meine Eltern. Irgendwelche Krisenhefte oder so habe ich das erste Mal zu Beginn des Ukrainekrieges gesehen. Kannte ich überhaupt nicht. Aber ich hab mich auch nie mit so etwas befasst.

    Ich habe zur ersten großen Aktion in der Bundesrepublik (Aktion Eichhörnchen) was Nettes gefunden :smile:

    https://www.ardmediathek.de/video/br-retro…2ZTJjZGZiZmY5YQ

    Man muss sich halt auch vergegenwärtigen, dass die massenhafte Weiterverbreitung solcher Aktionen seinerzeit mit anderen Medien stattfand als heute. Und man nicht automatisch dadurch, dass man sich für ein Thema interessiert hat, immer mehr Content dazu angezeigt bekommen hat, wie e saktuell der Fall ist. Das hat natürlich auch Einfluss auf die Wahrnehmung.

    Wir hatten Heftchen in der Schule ausliegen, im Gemeinschaftskundeunterricht war es Thema, es gab Infos in Zeitungen, Broschüren, bei der Gemeinde lag was aus. Aber das hatte natürlich nicht den „Merk- und Wiederholungswert“ des Internets.

    Warnungsbroschüren und mehr oder weniger sinnvolle Hinweise zur Krisenvorsorge hat es gegeben, seitdem ich mich erinnern kann (vielleicht kann sich noch jemand an den karikierenden Film und den Bowie-Song „When the wind blows“ erinnern, der sich mit Ratgebern im Fall eine nuklearen Katastrophe befasst |)).

    In unsicheren Zeiten oder für unsicher gehaltenen Zeiten ploppen die stärker auf, werden mehr thematisiert und kommen mehr ins Bewusstsein. Dass war bei Mini-Stürmchen im Wasserglas so, als Reagan den netten Scherz über die Bombardierung Russlands in 5 Minuten gemacht hat (ja, Trump war nicht der erste Gruselclown im Amt des Präsidenten der USA, bisher allerdings der Schlimmste), während der Phase des Kalten Kriegs eigentlich eh. Nach Tschernobyl. Auch wenn das Bundesministerium erst seit etwas mehr als 20 Jahren existiert, gab es immer schon Aufrufe zur persönlichen Vorsorge.

    Dass man das mehr wahrnimmt, wenn die Zeiten so sind, dass man selbst verunsichert ist, ist auch normal. Und wir haben aktuell auf mehreren Seiten politisch unsichere und beängstigende Verhältnisse. Dass wir das u. A. damit beantworten, die Gruselclowns im eigenen Land wieder hoch zu bringen, ist auch eine Begleiterscheinung davon.

    Dass wir allerdings faktisch weder Trump noch Putin noch Covid brauchen, um uns selbst auszurotten, sondern unser „ganz normaler“ Konsum perspektivisch völlig reicht, davor schützen uns diese Ratgeber halt leider so gar nicht.