„Ethos“ ist ohne eine verbindliche Referenzgröße letztlich eh nicht eindeutig zu bewerten. Letztlich ist es das, was man für sich selbst als Kompromiss zwischen den theoretischen ethischen Ansprüchen, seinem Gewissen, dem Wunsch an der Teilhabe an allen Möglichkeiten, den eigenen finanziellen Möglichkeiten und dem eigenen Gewissen bildet. Setzt man da ein Ziel auch nur von 95% „moralisch nicht zu beanstanden“ und bemisst alles daran, um den Betreffenden in seinem Anspruch „ernst nehmen“ zu können, dann wird man die meisten Menschen mit Anspruch scheitern sehen. Dann kann man also nur wirklich sehr bewusst verzichtend Lebende ernst nehmen - oder halt die ganz ohne Anspruch. Ist aber auch eine seltsame Haltung.
Ich lebe seit mittlerweile 39 Jahren größtenteils, aber nicht 100% vegetarisch. Tierische Produkte für die Hunde beziehe ich fast ausschließlich über die Biokiste oder einen Biohof ein paar Dörfer weiter, bei Fisch greife ich zu Bio bzw. zertifiziertem Fisch für nachhaltigen Fischfang aus dem Supermarkt. In den Napf wandern mal „Nischenprodukte“ wie Mägen und Herzen, mal „Abfälle“ von dem, was ich an Fleisch für meinen Mann zubereite, aber eben auch hochwertiges Fleisch. Ethisch sehr problematisch angesichts der Tatsache, dass nicht nur andernorts Menschen Hunger leiden.
Leider komme ich aber nur wirklich selten an „Abfälle“, die örtlichen Jäger und der Biobauer haben mehr als genug Abnehmer. Und dann ists mir persönlich unterm Strich doch lieber, mein Geld in biologische Tierhaltung zu investieren. Und im Bereich „Tierwohl“ hatte nach meiner letzten Recherche Demeter die Nase vorn. Also bevorzugt da, auch wenn ich mit dem anthroposophischem Gedankengut nix anfangen kann.
Ja, natürlich sind das Reflexionen aus dem beschädigtem Leben - und nur Kompromisse. Muss man nicht ernst nehmen. Mir fällts generell schwer, die Menschheit ernst zu nehmen. Mit viel Humor ist es definitiv erträglicher 