Beiträge von pinkelpinscher

    Nein, es macht mich ärgerlich, wenn europäische Überheblichkeit vorgeworfen und europäische Überheblichkeit nachgelegt wird.

    Der afro-arabisch-asiatische Raum war nie nur ein homogener Kulturraum und es haben sicher nicht nur muslimische Araber ab ca. 600 n Ch. diesen Hundetyp in "Reinform" und nur eng gezüchtet. Zeitgenössische Aufzeichnungen hin oder her. Wenn man rein nach denen geht, ist die Welt auch voller Greyhounds. Ich sage ja nicht: Nö, hat es alles nicht gegeben. Sondern: nein, das muss trotzdem insgesamt breiter gewesen sein, als das 1001 Nacht Bild.

    bordy


    Das mit dem Kulturgut is auch so eine Sache. Wessen denn? Der Berber? Der Tuareg? Die der muslimischen Araber? Welcher? Die der christlichen Araber? Die der Aramäer? Der Juden? Die der...Salakiden? Achämeniden? Der Abbasiden? Der Hazara? Der Kurden? Der... keine Ahnung wieviele Kulturen es vor und neben und nach irgendwelchen Scheichs gab. Also nein, es ist einfach nicht realistisch zu sagen "Die wurden schon immer nur so gezüchtet".

    Es ist nicht realistisch, dass es zwischen diesen, für sich mitunter vielleicht ingezüchteten Populationen, keinen Austausch gab. Der Hundetyp ist über 2-3 Kontinente verbreitet, den haben sich nicht nur 3 Königshäuser 5000 Jahre lang untereinander verpaart und Reinzucht über alles. Und wenn irgendeiner Zuchtbuch führte, ist damit nicht gesagt, dass die alle aus dem selben saudiarabischen Landkreis waren. Man hat allein beim Afghanen in den frühen 1900ern mindestens, ich glaub 13, verschiendene Landschläge gefunden. Sloughi/Saluki gibt es von Marokko bis Türkei und bis Asien rein, der Galgo Espanol ist auch eher nicht frei von seinen Einflüssen. Der Azawakh schaut, je nach Region auch mal mehr nach Sloughi aus oder nach Pariahund.

    Orientalische Windhunde werden beispielsweise seit sehr sehr langer Zeit rein gezüchtet, teilweise auch mit üblicher Verpaarung die bei uns schon unter Inzestzucht laufen würde. Seltsamerweise gehören diese Rassen aber bis heute zu den vitalsten und gesündesten und kommen meines Wissens, verglichen mit der Gesamtpopulation, mit unterdurchschnittlich vielen Erkrankungen aus.

    Da wurde dann aber auch eine ganz harte Selektion auf Gesundheit und Leistung betrieben, ähnlich wie ihr Wildtiere ausgesetzt sind.

    Und verschiedene Typen wurden durchaus auch miteinander gekreuzt. Bei den Whippets wurden anfangs Terrier mit eingezüchtet usw.

    Auch. Aber bei dem riesigen Verbreitungsgebiet: auch wenn irgendwer Abstammungsnachweise führte, ob Hund xy aus Subpopulation sowieso stammt und aus heutiger Sicht quasi nicht reinrassig war, wird trotzdem oft nicht gekümmert haben. Es gibt allein vom Salukityp zig verschiedene lokale Untergruppen. Oder ob man den langhaarigen, salukiartigen Hund heute als Bakhmul, Taigan, Tazy einordnen würd oder ob der kurzhaarige oder befederte Saluki eher ein Sloughi war oder ein Tazi oder ein Shanxi Xigou oder ein Pashmi Hound oder ein... ja, da ist viel nahe Verwandtschaft, aber theoretisch war immer die Möglichkeit, neues Blut auch rein zu bringen.


    Ich find es sprachlich bezeichnend, dass Sloughi, Saluki (was hocharabisch, nicht persich, is und praktisch keiner sagt, den Namen gaben die Europäer), Tazi, Greyhound, Galgo etc. keine Rasssebezeichnungen sind, sondern einen Typ beschreiben und einfach nur "Windhund" heißen. In manchen Sprachen gibt es die Unterteilung Hund und Windhund/Hetzhund. Aber, und das ist ein Fehler, der auch bei Übersetzung alter Quellen ständig passiert, mit den "Rassenamen" ist nicht zwingend eine Rasse gemeint.

    l'eau


    bordy


    Das mit dem "dafür gibt es Reinzucht schon zu lange" ist allerdings leider auch ein Argument alteingesessener Züchter, mit Linienzucht weiter zu machen.

    Nicht alle Rassen gibt es in der Form seit 1873 und nicht alle sind wirklich frei von Einkreuzungen. Zumindest bis in den Jahren nach dem 2ten Weltkrieg ist da sicher einiges inoffizieller passiert, als offiziell ist, also die genetische Vielfalt vielfach womöglich wieder hoch gegangen, bevor sie wieder abfiel. (Ich bin zudem pessimistisch optimistisch genug, anzunehmen, wenn es eine Rasse mit teilweise falschen Pedigrees gibt, gibt es auch andere)


    Und weil Hunderasse x seit so und so viel Generationen eng gezogen in "meinen 35 Züchterjahren war da nie was" war, muss das nicht für die nächsten 35 so bleiben, oder davor wirklich immer so gewesen sein. Und erst mal irrelevante Gendefekte, und irgendeinen hat jeder, können, ständig in den selben Kreislauf gebracht, längst werken, bevor man es auch tatsächlich sieht.