Was mich dann interessieren würde, wie wäre dein Weg ohne Abbruch bei z.b. meinem Hudson gewesen?
Ich habe keine Erklärung gefunden, wie du mit einem hibbelhund wie meinem arbeitest.
Hudson hat es in unterschiedlichsten Situationen das Hirn rausgehauen und er ist dann durchaus vorwärts gegangen oder auch rückwärts. Er hat also etwas mehr als gezwickt, wenn er wegen Nichtigkeiten hochgefahren ist. Nichtigkeit konnte sein, Aufbruch zum gassi, Besuch kommt, er darf in den garten, er hat einen anderen Hund gesehen, er hat einen anderen Menschen gesehen, wir waren wo zu Besuch, wenn er gespielt hat (mit Mensch und Hund), wenn er ein leckerlie bekommen hat, wenn er gestreichelt wurde, wenn es geklingelt hat, wenn ihn jemand anderes mit zum gassi genommen hat, auf dem hundeplatz (sowohl wenn er arbeiten durfte, wie auch wenn er nicht arbeiten durfte), beim Fahrradfahren, beim gassi und grundsätzlich immer morgens nach dem aufstehen und wahrscheinlich noch 300 andere Situationen, die mir Gott sei dank nach fast 7 Jahren nicht mehr einfallen. Das ich aus der Zeit mit nur 2 fetten Narben und sonst nur Kratzern, schürfwunden, kaputten Klamotten daraus gegangen bin, ist ein ziemliches Wunder. Und das er nie einen fremden verletzt hat, lag einfach daran, dass er ja kaum noch Kontakt zu irgendjemandem außer ein paar Leuten haben durfte, damit eben nichts passierte.
Wenn ich jetzt daran denke, dass dieser Hund immer gestresst war und ich irgendwie versucht habe ihn im Griff zu behalten und wie viel ich ihn gemanagt und oft Dinge gemieden habe, nur weil er wieder völlig ausgestiegen ist. Mein Bruder kam mich nur besuchen, wenn ich vor dem Eingangstor einen Besen platzierte mit dem er sich Hudson vom Hals halten konnte. Was Hudson herzlich wenig interessiert hat. Und ich umschiffte Situationen, schimpfte rum mit Hudson, zog hier, kniff da, schob ihn hier hin und dorthin, wurde sauer, packte ihn, versuchte ihn mit Futter abzulenken usw. usw.
Im Nachhinein tut es mir so wahnsinnig leid. Geholfen haben dann junes Züchterin und reebas Züchterin und hütetrainerin. Und eine hütehunderfahrene Trainerin aus dem Verein, die mir dann nach 4 Jahren endlich einen gangbaren Weg zeigten.
Ich habe dann schwarz/weiß mit ihm gearbeitet, Abbruch völlig neu, mit wegschicken aufgebaut (so konnte er nicht mehr körperlich sein Ventil suchen), habe konsequent mich durchgesetzt, und wurde völlig klar, hat er gerempelt gab es sofort ein "ab", befolgte er das alles gut, wenn nicht, gab es sein "verschwinde" und das nachdrücklich.
Innerhalb von 6 Monaten lief alles viel, viel besser. Gassi war ohne Katastrophe beim losgehen möglich, fremde Menschen ignorierte er, er war weniger körperlich, Klamotten blieben ganz, aufstehen erfolgte ruhig, Besuch wurde besser, spielen mit ihm wurde besser, alles wurde besser oder verschwand ganz.
Hudson war dabei nie aggressiv, ihm flog das Hirn raus und er suchte sich ein körperliches stressabbau ventil. Und da ich da so praktisch stand neben ihm, nahm er halt gerne mich. Aber auch jeden anderen, wenn ich nicht in der Nähe war.
Davon ist heute nur noch wenig geblieben. Viele hier kennen meinen Hudson persönlich und er ist ein braver Hund. Sein Gehorsam war immer top, mittlerweile entartet er aber eh nicht mehr wie früher. Wenn ich dabei bin. Neulich habe ich ihn mal grob unterschätzt und da ich nicht dabei war, hat er gezeigt, dass er immer noch nicht ohne ist und ich bei ihm, auch wenn alles seit über 5Jahren ziemlich rosig läuft, nie die Zügel ganz wegschmeißen darf und kann.
wie würdest du mit einem solchen Hund arbeiten? Dazu muss man auch wissen, Hudson wiegt 24 kg, ist sportlich, unkastriert, und ein souveräner Hund, Angst kennt der nicht und er ist extrem selbstbewusst. Ein Macher und ein insgesamt starker Hund der ständig nachfragt, jede Unsicherheit ausnutzt und sehr genau beobachtet, woran er ist.
Und wenn dir dazu jetzt nichts passendes einfällt, kann ich das verstehen, mir ist dazu 4 Jahre lang auch nichts passendes eingefallen.
Heute muss einem der Hund nicht mehr leid tun. Er ist sehr gelassen und ruhig geworden. Absolut händelbar, keine Gefahr mehr, völlig unter Kontrolle und mein sehr geliebter sargnagel und der beste und ähm, deutlichste lehrmeister den ich je hatte.
Lg