Ritualisierte Ersatzhandlung "Löschdauer"

  • ANZEIGE

    Hallo liebe Forengemeinde,

    mich beschäftigt momentan folgende Frage: wie lange meint ihr, dauert es eine stark ritualisierte Ersatzhandlung zu löschen, wenn der Hund ab Tag X nie wieder die Gelegenheit hat, dieses Verhalten auszuleben?


    Hintergrund meiner Frage, meine Hündin U (2 Jahre, intakt) hat leider die Angewohnheit, wenn ihr etwas nicht passt, sich Sachen vom Boden zu schnappen (speziell Steine) und diese dann nicht mehr los zu lassen oder darauf rumzukauen, dabei wirkt sie insgesamt sehr unglücklich.


    Einige Beispiele, wo dieses Verhalten auftritt:

    - Pilzesammeln > Hund muss mit Person A kurz warten während Person B ein paar Meter weiter die Pilze sammelt

    - Wandern > kurze Rast auf einer Bank, Hund sucht sich nach kurzer Zeit einen Stein

    - Heimischer Garten > Jemand entfernt sich aus ihrem Blickfeld oder Besuch kommt und Hund ist hinter dem Gartenzaun (sie verliert also den Zugriff)


    Die Ursachen sind folgende:

    - Kontrollverhalten

    - niedrige Frustrationstolleranz

    - Aufmerksamkeit auf sich ziehen

    (Unter- Überforderung schließe ich aus)


    Ich arbeite an allen drei Punkten und ihr Verhalten hat sich schon sehr gebessert, aber weg ist es noch nicht.


    Daher trägt sie seit letzter Woche zu Hause im Garten und auch auf Spaziergängen permanent einen Maulkorb, ich erhoffe mir damit, dass sie lernt diese Situationen auszuhalten und sich zu entspannen, damit sie irgendwann nicht mehr das Bedürfnis nach der Ersatzhandlung verspürt.


    Hat jemand Erfahrungen mit solchen Ersatzhandlungen?

    Bekommt man sowas überhaupt jemals ganz weg? (Ich persönlich schätze, dass es immer wieder in Extremsituationen hervorbrechen kann)


    Also, her mit euren Meinungen / Erfahrungen :D

  • Wegbekommen tut man sowas bestimmt - aber nur, indem man die Ursachen, die Du ja klar erkannt hast, beseitigt. Und da daheim ganz viel üben. Hund bleibt in einem Raum, wenn Du rausgehst. Erst kurz, dann längere Zeit, das kann man langsam ausbauen. So lernt sie, zu akzeptieren, daß sie Dich nicht kontrolliert, und daß sie keinen Frust schieben muß, weil Du eh wiederkommst. Und nach dem 10. Mal Zurückbringen in das Zimmer, sollte sie Dir im Kontrollwahn hinterherrennen, gäbs bei mir schon auch mal nen Anschiß.


    Unterwegs: rechtzeitig eingreifen. Wenn Person A weggeht und Person B den Hund hält, würde ich zB nicht einfach dastehen und drauf warten, daß der Hund so gestreßt wird, daß er nen Stein sucht. Sondern würde paar Schritte mit ihm gehen, ihn ansprechen, ein Sitz oder Platz verlangen, bestätigen, wieder paar Schritte gehen etc.. So läßt sich der Kontrollverlust über Person A besser verarbeiten als wenn der Hund Person A dauernd fixieren und sich damit in seinen Frust reinsteigern kann. Also quasi gar net erst dazukommen lassen, daß er selbst so hochfährt, daß er den Stein braucht, um runterzukommen. Nimmt er doch mal nen Stein: dann hast seine Geduld wohl überstrapaziert, das ist ein guter Anzeiger! Nächstes Mal net so weit weg, net so lange weg.


    Hat Du mal versucht, für den Hund eine Decke zu konditionieren als Entspannungsort? Dann kannst ihn überall, wo Du bist, einfach auf der Decke ablegen, und er kann entspannen. Mußt daheim anfangen zu trainieren, in ganz ruhigen Situationen, sodaß die Decke sein Synonym wird für Entspannung (ein Halstuch tuts genauso - was Dir halt lieber ist, paßt halt besser ins Wandergepäck als ne Decke für nen großen Hund...). Das kann ihm dann unterwegs helfen, runterzukommen. Dann mußt aber auch bei der Variante DECKE dafür sorgen, daß sie ein Ort der Entspannung bleibt, indem Du zB zuverlässig Fremdhunde davon abhälst, zu ihr hinzugehen.


    Bei Wandern nehm ich z.B. wenn ein Hund net gleich zur Ruhe kommt, den einfach auf den Schoß. Notfalls auch auf die Bank mit rauf. Ansonsten tuts auch ein nachdrückliches PLATZ Kommando (kennt das Dein Hund?). Platz heißt liegen, net knabbern oder Steine suchen. Versucht er das, gibs ein "Laß das!" oder "NEIN!". Wobei ich da überlege, was die Ursache sein kann - Kontrollverlust, wenn Du daneben sitzt, eher net. Frust, weil er gern weiterlaufen würde?


    Ich denke, daß dieses Steinsuchen auch selbst bissel Streß ist und den Hund hochfährt. Sprich, hinderst Du ihn, wenn er warten soll, am Steinesammeln, fährt er vielleicht auch gar nimmer erst so weit hoch, daß er dann richtig gefrustet ist.....

    Biene, Zwergpudelmix, *7.02.2007, Flächensuchhund

    Bossi, DJT-Fox-Mix, *4.06.2006

    Faro, DJT, *14.08.2013

    Frieda, DJT, 2001-30.07.2019 - Mogli, Norweger-Mix, Aug. 2010 - 29.05.2019 - Moritz, roter Kater, 2008 - 4.8.2021

  • nur durch Vermeidung also bei dir durch den Maulkorb bekommst du das nicht weg. Sobald der Mauli in 12 Jahren ab ist wird sie es früher oder später wieder tun. Wichtig ist dass du ihr zusätzlich ein Alternativverhalten anbietest das sie auch mag. Je nach Situation kann das auch einfach mal ein Platzkomamndo sein dass man ordentlich aufgebaut hat- da hat sie dann nämlich gelernt dass der Kopf niemals nicht richtig Boden geht weil es sonst keine Belohnung mehr gibt. Also versuch es lieber mit einer Kombi aus Management und Alternativverhalten das wird für alle viel netter

  • ANZEIGE
  • Ich denke ohne am Ursprung zu arbeiten und nur durch Vermeidung kommt man in diesem Fall nicht weit.


    Für mich gehört zum Verhalten löschen auch immer ein Alternativverhalten anbieten.

    Ansonsten besteht ja auch die Gefahr das Hund sich selber Ersatz sucht.

  • Nur so ein Gedanke:


    Wenn man dieses Verhalten durch einen Maulkorb verhindert, ist die Gefahr groß, dass sie sich statt dessen ein anderes Ventil sucht. Vielleicht könnte man auch drüber nachdenken, ihr für die Situationen, in denen euer bisheriges Training noch nicht ausreicht, einen "Schnuller" anzubieten? Also beispielsweise einen Gummi-Kauknochen? Den kann man nämlich dann weicher und gezielter ausschleichen, je nach Trainingsstand.

    "Wenn du es eilig hast - mach einen Umweg!"


    Neues von Sandor Terrorkrümel: Krümeliges

    • Neu

    Manchmal hilft einfach das richtige Futter - aber wie findet Ihr es?

    Ich hatte schon viele Hunde und die Erfahrungen haben mich gelehrt, dass jeder andere Ansprüche an die Ernährung hat. Mal legen sich Verdauungsstörungen durch eine Futterumstellung, ebenso können Fellprobleme abklingen. Schlanke Windhunde leiden nicht selten unter nervösen Störungen, wenn der Proteingehalt zu hoch ist; sie benötigen eher Kohlehydrate zur sofortigen Energiefreisetzung. Andere Rassen wie sportliche Huskys brauchen stattdessen hochwertige Proteine, während Kohlehydrate nur ansetzen würden.


    Das Alter spielt ebenso wie die Konstitution eine Rolle für den individuellen Bedarf und einige Krankheiten erfordern eine spezielle Nährstoffzusammensetzung.


    Aber ehrlich, welcher Hunde- oder Katzenhalter blickt bei den vielen Herstellern, Marken und Inhalten wirklich durch? Ich nicht - zum Leidwesen meiner Hunde. Daher habe ich es mit einem unverbindlichen Futtercheck versucht der übrigens nicht nur für Hunde ist, sein Katzenfutter kann man dort auch finden.


    Das hat mir die weitere lange Suche nach dem richtigen Futter erspart: Hier müssen Ihr lediglich wenige Minuten investieren und einige konkrete Fragen zu Ihrem Hund oder Katze beantworten. Anschließend erhaltet Ihr, abgestimmt auf Ihren Liebling, bis zu fünf Futterproben als kostenloses Paket zugeschickt!


    Einfach den Futtercheck ausprobieren - ich bin sehr glücklich, auf diesem Weg nun das richtige Futter gefunden zu haben.


    Liebe Grüße Tobi hugging-dog-face



    Anzeige
  • Erstmal danke für eure Antworten! :)


    Hier noch ein paar Klarstellungen:

    - im Haus verfolgt sie mich nicht, auch alleine bleiben klappt problemlos

    - ein Entspannungssignal haben wir, das wäre in diesem Fall "pause" der Hund weiß, dass dann nichts mehr passiert und entspannt dann (meistens)

    - einen Schnuller habe ich schon versucht, aber sobald ich ihr etwas anbiete was sie haben darf, ist es nicht interessant - da spielt dann glaube ich das nach Aufmerksamkeit heischen mit rein, also "ich habe etwas was ich nicht haben darf > Aufmerksamkeit"


    Früher fuhr sie immer sofort hoch, wenn ihr etwas nicht gepasst hat. Speziell beim Gassi gehen, dort war sie immer recht entspannt BIS wir stehen geblieben sind. Dann hat sie versucht aus dem Geschirr/Halsband zu schlüpfen, geschrien wie am Spieß und falls alles nichts geholfen hat, dann hat sie sich eben etwas vom Boden geschnappt.

    Trainiert habe ich das, indem ich irgendwo stehen geblieben bin, wo nichts auf dem Boden lag und das dann einfach ausgesessen habe. Also weiter ging es nur, sobald sie ruhig liegen geblieben ist und sich entspannt hatte.


    Mittlerweile ist sie recht entspannt, wenn wir kurz stehen bleiben, sie legt sich hin und gibt brav ruhe, sie fährt also gar nicht mehr hoch, sondern sucht sich aus dieser Ruhe dann irgendwann etwas zum schnappen als Ersatzhandlung, daher ist es oft nicht leicht den Moment abzupassen bevor es kippt.


    Beispiel:

    1) Letzte Woche waren wir wandern und haben dann bei einer Hütte zu Mittag gegessen. Sie lag ca. 30 Min. sehr brav unter dem Tisch (wofür sie natürlich immer belohnt wurde), irgendwann schaue ich dann runter zu ihr und sie hat einen Stein im Maul.


    2) Auch beim Pilzesammeln steigert sie sich nicht rein oder dreht durch, sie bleibt brav bei Person A und schnappt sich dann etwas, sobald ihr "Limit" aufgebraucht ist


    3) ich bin mit einem Freund im Garten und wir basteln am Fahrrad. U kommt und möchte Aufmerksamkeit, bekommt diese aber nicht. Also hat sie begonnen einen Stein zu suchen, da sie diesen aber mit MK nicht packen konnte, hat sie resigniert und sich neben uns entspannt hingelegt.

    Im Garten macht sie das sehr oft um einfach nur beachtet zu werden.

    ________________________


    Bei 1) hätte ich früher gehen müssen (was halt leider nicht immer möglich ist) oder einen Maulkorb draufpacken sollen.

    Platzkommando hätte nicht funktioniert, da Hund unter dem Tisch und über 1h könnte sie das nicht durchhalten


    2) in diesem Fall könnte ich ihr ein Platz Kommando geben, dann würde sie auch ohne Ersatzhaldung liegen bleiben, aber umgehe ich damit nicht nur das Problem?


    3) Was wären hier eure Vorschläge?

    Hätte ich ihr ein Kommando gegeben oder sie abliegen lassen, hätte sie ja genau ihr Ziel erreicht > Aufmerksamkeit


    Bei der UO auf dem Hundeplatz hat sie Anfangs auch nach etwas geschnappt, sobald es ihr zuviel wurde, da haben wir einfach die Einheiten gekürzt und aufgehört bevor es zuviel wurde, mittlerweile brennt sie auf die Arbeit und bleibt erwartungsvoll liegen, wenn mir die Trainerin etwas erklärt.


    Für Ruhe geben wird sie immer belohnt und ich versuche immer abzubrechen, bevor es kipppt um die Übung positiv zu beenden.


    Das Problem ist leider auch, dass ich in einem Mehrgenerationen Haus wohne, untertags ist U im Garten und ich bei der Arbeit, ich habe also leider nicht die Möglichkeit da Einfluss darauf zu nehmen und meine Familie trainiert mit ihr nicht. Daher ist der MK leider die einzige Möglichkeit, das Verhalten zu unterbinden.

    Bisher zeigt sie auch gsd keine Anzeichen sich eine andere Handlung zu suchen, sie liegt dann wie immer einfach entspannt im Garten rum.


    Was wären eure Ideen für ein Alternativverhalten?

    Speziell für die Situationen wo der Hund lange ruhe geben muss (z.B. Restaurant)?

  • ganz ehrlich du schreibst immer wieder dass sie sich was nimmt wenn sie eine Situation nicht mehr erträgt. Ich denke du weißt selber schon vorher dass es in diesen Situationen dazu kommt also bring sie nicht in diese Situationen oder nur dann wenn du alle Aufmerksamkeit bei ihr lassen kannst und irg ein Ersatzverhalten anbieten kannst. Auf jeden Fall wird die damit zu tun haben dass du ihr Aufmerksamkeit schenkst, anstatt sie am langem Arm verhungern zu lassen. Was du da an Tricks mit ihr machst ist deine Entscheidung, steck ihr selber etwas zum Bringen in die Schnute, lass sie Aufgaben erfüllen, setz dich hin und biete ihr ne Schulter zum anlehnen. Dein Hund hat massiven Stress und wurde dabei bisher von dir alleine alleine gelassen. Ja hinstellen und Hund ignorieren bis er ruhig ist, istalleine lassen. Dass sie das auch so sieht zeigt ja nur dass sie da ja dann angefangen hat sich oral mit irgendwas runterzufahren. Ist total normal, denn kauen beruhigt. Im Restaurant kann man übrigens auch einfach mal was zum Kauen mitnehmen und ihr geben bevor sie aufdreht. Aber soweit würde ich es nur im absoluten Notfall kommen lassen, zum Beispiel bei Hotelaufenthalten, aber ansonsten würde ich ohne Hund essen gehen und ihr das Theater ersparen. Alles andere kann und muss man auch alleine machen wenn man keine zeit, Lust oder was auch immer hat um mit dem Hund genau da zu trainiern

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!