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Mein Terrier und die anderen Hunde

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    Hallo ihr Lieben,


    lange war es ruhig um uns.


    Emmi, meine nunmehr gut 4 Jahre alte Jack Russel Hündin und der menschliche Rest haben sich gut zusammen gefunden.


    Wir haben nahezu keine großen Baustellen. Oft hören wir: ohh, für einen Terrier hört sie ja wirklich gut (muss ich immer bei grinsen.. für einen Terrier...).
    Hasen können den Weg kreuzen und die Kleine ist abrufbar. In sehr stark wildfrequentierten Gebieten ist ihre Grundhaltung natürlich heftigst angespannt, in Erwartung an mögliche Hetzjagden, also bleibt sie in solchen Gebieten einfach angeleint.
    Allein bleiben ist kein Problem, sie macht nichts kaputt, sie wartet morgens geduldig darauf, dass Frauchen ihren ersten Kaffee auf hat und derzeit sogar darauf, dass sie die morgendliche Sporteinheit absolviert ;) Sie ist absolut menschenfreundlich (manchmal fast zuviel), hat aber auch schon mal berechtigterweise den jüngsten Menschen in unserem Haus weggeknurrt (knurren ist für mich ok, so lernt der Lütte auch, diese Zeichen richtig zu deuten). Kurzum, sie ist ein toller Hund, wären da nicht zwei kleine Dinge (ne, auch mit diesen ist sie toll, aber man schraubt seine Ansprüche ja immer weiter hoch, je besser es läuft ;))


    Punkt 1:


    Sie hat augenscheinlich einen "Wachtrieb".


    Dieser äussert sich so, dass sie, würde sie nicht daran gehindert werden, unentwegt bellt, sobald das Auto von Herr oder Frau Mensch auf den Hof fährt, bis zu dem Zeitpunkt, bis derjenige die Bude betreten hat. Hindert man sie daran, indem der verbliebene Mensch sie unter Beobachtung stellt und ruhig hält, ist sie in sich aber so dermaßen angespannt, dass man sich auch nicht bei wohl fühlt. Ich habe das Gefühl, dass es bei meinem Mann stärker ausgeprägt ist, also das Anschlagen, als bei mir, noch mal verstärkt wird es dann natürlich, wenn auch der kleine Mensch zur Tür rennt und schon: Papa, Papa, ruft. Manchmal kommt es auch vor, wenn der kleine Mensch einfach nur von der im Erdgeschoß gelegenen Oma-Wohnung wieder zu uns hoch kommt, dann ist es aber nicht so schlimm. Es wird dann nur mal kurz aufgebellt.


    Klar, Hunde sollen auch mal bellen, nur ist ihr Bellen eindeutig nicht entspannt. Es ist kein reines: hey, ich hab was gehört-Bellen. Es ist irgendwie anders, intensiver.


    Hat irgendeiner von euch da Ideen über Ursache und daraus resultierender Angehensweise?


    Punkt 2 und für mich noch dringlicher:


    Begegnungen mit anderen Hunden.


    Hier muss ich etwas weiter ausholen.
    Emmi war immer, von Anfang an, ein sehr aufgeschlossener Hund. Sie liebte alles und jeden. Sie ist mit einer Katze aufgewachsen, hatte Hunde um sich, wir trafen in ihrer Welpenzeit auch viele Hunde auf den Spaziergängen, sie hat einen besten Freund etc.


    Leider kam es in ihrer Pupertät und darüber hinaus insgesamt 3 mal zu der Situation, dass sie angeleint war und von jeweils dem gleichen Hund (unangeleint) angefallen wurde. Es verlief immer ungefährlich, wenn man nun einfach nur auf äusserliche Verletzungen achtet. Aber es hat Emmis Urvertrauen erschüttert...


    Dadurch hat sich nun folgendes Verhaltensmuster entwickelt:


    Ist mein Hund an der Leine und wir treffen auf andere Hunde, will sie nach wie vor unbedingt hin, zunächst freudig (so meine ich) erregt. Lässt man sie dann hin, so ist sie wild und ungezügelt, überschlägt sich fast und kommt dann irgendwann an einen Punkt, wo sie den anderen Hund ankeift, ohne, dass dieser groß was gemacht hat (hier geht es um eine Zeitspanne von nicht mal einer Minute). Reagiert der andere Hund darauf nicht, und ist auch der Halter cool, kann ich sie zur Vorsicht und Freundlichkeit ermahnen und sie merkt, wie toll sie den anderen eigentlich findet, es wird geschnüffelt, man entscheidet vllt beide von der Leine zu lassen und alles ist gut, oder Emmi verliert von sich aus, irgendwann das Interesse und setzt sich neben mich, Menschen können quatschen :)


    Keift der andere zurück, ist es natürlich vorbei. In dem Fall trennen wir die Hunde, die Menschen unterhalten sich noch ein wenig und Emmi kommt in die "Bedauerphase": uhh, ich wollte doch so gerne spielen, ich wollte gar nicht zicken, kann ich nicht doch noch mal hin??


    Ist sie nicht an der Leine und wir treffen auf einen anderen Hund, rast sie wie bescheuert auf ihn zu, meist um ihn direkt anzugehen, ohne Vorwarnung, ohne abschnüffeln, einfach gleich drauf. Ich glaube dann immer, dass das auf ihre Erfahrungen zurückzuführen ist und sie den Angriff als die beste Verteidigung erachtet. Trifft sie auf einen souveränen Hund, der sie einmal deutlich in ihre Schranken verweist, akzeptiert sie die Rollenverteilung und unterwirft sich. Ab da benimmt sie sich vorbildhaft, schaut auf den anderen Hund ,was dieser gerade duldet, ob er spielen will, oder nicht (zum Beispiel auf dem Hof meiner Mutter so geschehen mit der dortigen weißen Schäferhundhündin). Zeigt mir, dass sie die Grundregeln der Hundekommunikation zumindest empfängt, auch wenn sie selber sie oftmals falsch sendet (platt hinlegen, wenn ein anderer Hund kommt, heranpirschen etc). Abrufen läßt sie sich dann so gut wie gar nicht, im "Run" auf den anderen Hund. Ist der andere Hund nicht so souverän müssen die Menschen wieder aktiv trennen.


    Ist der andere Hund tobend hinterm Gartenzaun des jeweiligen Grundstücks, so kann ich mittlerweile (wir haben hier einige Grundstücke, auf denen ständig irgendwelche Hunde toben) ohne Leine normal an denen vorbei gehen, sie schaut auf mich, legt sich vor dem tobenden Hund ab (mach ich nicht oft, der arme andere Hund), verweilt mit mir etc.


    Wie seht ihr dieses Verhalten? Was wäre ein möglicher Ansatz. Ich weiss, dass ich mich wohl von dem Gedanken, dass mein Hund völlig teilnahmslos an anderen Hunden vorbei geht, verabschieden muss. Aber es gibt doch bestimmt eine Möglichkeit, es für sie etwas streßfreier zu gestalten? Ich denke nämlich, dass ihr Verhalten eine Angsthaltung ist, frei nach dem Motto: bevor ich mich wieder anfallen lasse, falle ich selber an (in die4sem Fall wohl wirklich "terrier-like", oder seht ihr auch das komplett anders, bzw habt da andere Impulse?


    Falls jemand wirklich bis hier hin durchgehalten hat: Herzlichen Dank! Das allein ist schon eigentlich Leistung genug :)


    Ganz liebe Grüße
    Jule

    Liebe Grüße von der Jule mit Emmi

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  • Ja, unser Theo bellt auch sehr gerne (Jack-Russell, 1J4M). Darf er auch, aber bitte draußen. Drinnen finde ich es manchmal nervig, wenn er für jeden Pups zu kläffen anfängt. Dann ist er auch manchmal richtig aufgedreht und man kriegt ihn schlecht wieder runter.


    Ich versuche es mit Ablenkung, aber an Ort und Stelle, wo er gerade ist. Ran rufen geht gar nicht, also lasse ich das. Sitz, Platz, Sitz -Leckerchen. So bekomme ich seine Aufmerksamkeit und er muß sich ja auf meine Kommandos konzentrieren, so wird er schon ruhiger und ich kann mit ihm dann weggehen. Ich bin am überlegen, welche Alternativen ich ihm dann geben könnte, aber eingefallen ist mir da noch nichts. Vielleicht irgendwas suchen in der Wohnung und zu mir bringen, aber das müssen wir überhaupt noch üben.


    Also wie gesagt, ich gehe dann zu dem Hund hin und spreche ihn da an, wo er ist. Meist dauert es etwas, bis er reagiert, wird aber dann viel gelobt. So langsam funktioniert es.


    Ich persönlich lasse meine Hunde nicht mit jedem wildfremden Hund spielen oder so. Mein Muckefuck, unser alter Jack-Russell, 14 J., hat da leider so schlechte Erfahrungen gemacht, dass er unverträglich geworden ist. Wenn klar ist, dass sich die Hunde öfter begegnen, dann dürfen sie sich mit dem Fremdhund bekannt machen und toben, spielen, weißnichtwas.


    Versuche doch, dass dein Fräulein erst mal nur mit ausgewählten Hunden öfter Kontakt hat, so dass sie sich erstmal grundsätzlich entspannt bei Hundekontakten und lasse nach einer Weile einen weiteren Hund in den "Bekanntenkreis".

  • Ist mein Hund an der Leine und wir treffen auf andere Hunde, will sie nach wie vor unbedingt hin, zunächst freudig (so meine ich) erregt. Lässt man sie dann hin, so ist sie wild und ungezügelt,

    Ich würde deinen Hund nicht an der Leine zu anderen hinlassen. Für mich ist bei sowas das A und O, dass der Mensch den Hund abschirmt und klar macht, dass er an der Leine die volle Kontrolle über die Situation hat.
    Kontakt an der Leine ist da kontraproduktiv.


    Und du musst lernen, deinen Hund zu schützen. Fang damit an, IMMER zwischen ihr und dem anderen Hund zu laufen, ob der im Garten tobt oder an der Leine vorbeigeht.

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  • Hallo.


    Zu Punkt 1: Meine beiden Zwerge reagieren genauso, wenn mein Mann nach Hause kommt. Ich interpretiere es als positive Aufregung.


    Sobald meine Hunde bemerken, dass Herrchen gleich nach Hause kommt, nehme ich beide ins Signal. Bei uns heißt das, ich rufe sie zu mir (oder gehe auch mal hin, wenn sie zu aufgeregt sind und nicht her kommen) und gebe ihnen dann Signale, die sie gut und gerne ausführen. Z. B. Sitz und Pfötchen geben. Für jedes aufgeführte Signal gibt es Click und Leckerlie. Mittlerweile kommen die Hunde meistens schon von alleine zu mir, weil sie ihre Leckerlies möchten.


    Zu Punkt 2: Ich würde sie an der Leine auch nicht mehr zu anderen Hunden lassen. Wenn sie an der Leine ist, könntest du mit Zeigen und Benennen (sagt dir das was?) ihr die Situation positiver gestalten.
    Hundebegegnungen ohne Leine würde ich erstmal anleiten, damit sie nicht so auf andere Hunde zustürmt. Vielleicht erstmal mit einer Schleppleine sichern und Emmi clickernd auf den Hund zuführen. Wenn du nicht clickerst, geht auch ein Markerwort. Dann würde ich pendeln. Sprich, Emmis Distanz rausfinden, wo sie noch nicht aufgeregt ist und dann mit ihr bis auf diese Distanz auf den Hund zu, Click/Markerwort und umdrehen und wieder zurück in die Richtung, aus der man kam. Man arbeitet sich dann langsam immer dichter an den anderen Hund ran.


    Dieses platt Hinlegen könnte bei ihr aus Unsicherheit resultieren, genauso wie das Losstürmen danach. In ihren Augen hatte sie wohl damit Erfolg. Angriff ist die beste Verteidigung.


    Ich denke, dein Hund braucht viel Führung von dir. Sie scheint einfach unsicher im Umgang mit anderen Hunden zu sein. Meine Hündin ist auch sehr unsicher mit fremden Hunden. Ich leite sie immer in solchen Situationen. Mit Zeigen und Benennen haben wir schon tolle Erfolge erzielt.

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